Romantische Städtereisen in Deutschland leben von Fachwerk-Gassen, Schloss-Silhouetten über Flusstälern und kopfsteingepflasterten Marktplätzen, auf denen abends die Laternen angehen. Diese 15 charmanten Orte zwischen Tauber, Mosel, Rhein, Neckar, Harz und Holsteinischer Schweiz haben gemeinsam, dass sie kompakt, fußläufig und nahezu unverändert aus dem Mittelalter, der Renaissance oder dem Barock erhalten sind. Rothenburg ob der Tauber gilt als der Fachwerk-Klassiker schlechthin, Bamberg verzaubert mit Klein-Venedig und Altenburg, Heidelberg mit Schloss, Alter Brücke und Philosophenweg. Dinkelsbühl ist die Schwesterstadt Rothenburgs, Quedlinburg im Harz ein UNESCO-Welterbe aus über 2.000 Fachwerkhäusern, Cochem an der Mosel und Bacharach am Rhein begeistern mit Weinbergen und Burgen. Wernigerode trägt den Beinamen die Bunte Stadt am Harz, Eutin liegt in der Holsteinischen Schweiz, Bad Wimpfen thront mit Stauferpfalz über dem Neckar. Görlitz wurde durch Grand Budapest Hotel als Film-Kulisse weltberühmt, Tübingen mit Hölderlinturm und Neckarinsel ist Universitätsromantik pur, Marburg eine Schloss-Stadt am Hang, Schwäbisch Hall lebt mit der Kirchentreppe von St. Michael vom Salzhandel-Mittelalter und Eberbach am Neckar ergänzt das Bild mit Schloss-Ruine über dem Tal. Jede dieser Städte ist in einem verlängerten Wochenende zu zweit zu erkunden und bietet Romantik ohne den Trubel der Großstadt.
Anreise und Erreichbarkeit der romantischen Städte
Die 15 hier porträtierten romantischen Orte verteilen sich auf Süd-, Mittel- und Norddeutschland. Wer eine Rundreise plant, sollte räumliche Cluster bilden: Rothenburg, Dinkelsbühl und Bad Wimpfen liegen an der Romantischen Straße in Franken und Baden-Württemberg, Bacharach und Cochem im Mittelrheintal beziehungsweise an der Mosel, Heidelberg, Tübingen, Eberbach, Marburg und Schwäbisch Hall im Südwesten, Quedlinburg und Wernigerode im Harz, Bamberg in Franken, Görlitz in der Oberlausitz und Eutin in der Holsteinischen Schweiz.
Mit der Bahn
ICE-Anschluss direkt haben Bamberg, Heidelberg und Marburg. Über IC oder Regional-Express in 30 bis 60 Minuten von einem ICE-Knoten erreichbar sind Rothenburg ob der Tauber (über Steinach/Würzburg), Quedlinburg (über Halberstadt/Magdeburg), Wernigerode (über die Harzer Schmalspur ab Halberstadt), Cochem (über die Moselstrecke ab Koblenz), Bacharach (über die linke Rheinstrecke ab Mainz oder Koblenz), Eutin (über Lübeck), Bad Wimpfen (über Heilbronn), Tübingen (über Stuttgart), Schwäbisch Hall (über Heilbronn-Hessental) und Eberbach am Neckar (über Heidelberg). Dinkelsbühl ist ohne Bahn-Anschluss und nur per Bus oder Auto erreichbar, Görlitz von Berlin per EC in drei Stunden oder von Dresden per Trilex-Bahn in 90 Minuten.
Mit dem Auto
Per Pkw sind alle Städte über das Autobahn-Netz gut erschlossen. Rothenburg liegt an der A7, Dinkelsbühl ebenfalls an der A7, Bamberg an der A70 und A73, Heidelberg an A5 und A6, Quedlinburg über die A14 mit Anschluss B6, Cochem über die A48 und B49, Bacharach über die B9, Wernigerode an der A36, Eutin an der A1, Bad Wimpfen an der A6, Görlitz an der A4, Tübingen an der B27 mit Anschluss A81, Marburg an der A485 mit Anschluss A5, Schwäbisch Hall an der A6 und Eberbach am Neckar über die B37 mit Anschluss A6.
Mit dem Flugzeug
Drehkreuze für Anreisen aus dem Ausland sind Frankfurt FRA für Heidelberg, Bacharach, Marburg und die südwestdeutschen Ziele, Nürnberg NUE für Rothenburg, Dinkelsbühl und Bamberg, Berlin BER für Görlitz und Quedlinburg, Hamburg HAM für Eutin und Wernigerode, Stuttgart STR für Tübingen, Bad Wimpfen, Schwäbisch Hall und Eberbach sowie Köln/Bonn CGN für Cochem.
Vor Ort bewegen
Alle 15 romantischen Altstädte sind kompakt und fußläufig zu erkunden. In Rothenburg, Dinkelsbühl, Quedlinburg, Bamberg, Wernigerode, Cochem, Bacharach, Bad Wimpfen, Görlitz, Tübingen und Schwäbisch Hall sind die Innenstädte teilweise Fußgängerzonen oder verkehrsberuhigt. Heidelberg, Marburg und Eberbach am Neckar bieten zusätzlich Bergbahnen oder Aufzüge zur Burg beziehungsweise zum Schloss. Wer mit Kindern oder eingeschränkter Mobilität reist, sollte die teils kopfsteingepflasterten Gassen und die hügelige Topographie in Marburg, Heidelberg, Bad Wimpfen und Wernigerode bedenken.
Die 15 romantischen Städte Deutschlands im Detail
Die folgenden Porträts ordnen jede Stadt nach Romantik-Highlight, Wo-übernachten-Tipps, bester Saison und Anreise ein. Die Reihenfolge folgt der Bekanntheit als Romantik-Ziel und mischt Süd, Mitte und Nord, sodass sich daraus mehrere Wochenenden oder eine längere Rundreise planen lassen.
1. Rothenburg ob der Tauber in Mittelfranken
Rothenburg ob der Tauber ist der Fachwerk-Klassiker unter den romantischen Städten Deutschlands. Die Stadt mit rund 11.000 Einwohnern liegt im Taubertal in Mittelfranken und ist komplett von einer begehbaren Stadtmauer mit 42 Türmen umschlossen. Das Plönlein mit dem schiefen Fachwerkhaus und dem Sieberstor gilt als der meistfotografierte Stadtwinkel Deutschlands. Im Burggarten am westlichen Ende der Altstadt öffnet sich der Blick über das Taubertal, besonders zur blauen Stunde ein romantischer Sehnsuchts-Ort. Wo übernachten: das Hotel Eisenhut in einem Patrizier-Haus aus dem 15. Jahrhundert oder das Burghotel direkt an der Stadtmauer. Beste Saison: Mai bis Juni für Blütenpracht im Burggarten, September für mildes Licht, Adventszeit (Ende November bis 23. Dezember) für den Reiterlesmarkt. Anreise: per RE über Steinach ab Würzburg-Hbf in 75 Minuten, per Auto über die A7 Ausfahrt Rothenburg/Tauber.
2. Bamberg in Oberfranken
Bamberg ist UNESCO-Welterbe und mit rund 78.000 Einwohnern eine der besterhaltenen Altstädte Europas. Die Stadt liegt am Zusammenfluss von Regnitz und Main-Donau-Kanal in Oberfranken und besticht durch das Fischerviertel Klein-Venedig mit seinen bunten Fachwerkhäusern direkt am Wasser. Hoch über der Stadt thront die Altenburg, eine mittelalterliche Höhenburg mit Restaurant und Aussichtsterrasse über das Bamberger Häusermeer. Der Dom mit dem Bamberger Reiter, das Alte Rathaus auf der Regnitz-Insel und die Brauerei-Tradition mit dem Rauchbier prägen die Atmosphäre. Wo übernachten: das Welcome Hotel Residenzschloss im historischen Krankenhaus oder das Hotel Sankt Nepomuk im ehemaligen Mühlengebäude. Beste Saison: Mai bis Oktober für Biergärten am Wasser, Advent für den Sandstraßen-Weihnachtsmarkt. Anreise: per ICE ab München in zwei Stunden oder ab Berlin in 3:30 Stunden, per Auto über A70/A73.
3. Heidelberg am Neckar
Heidelberg am Neckar ist mit rund 159.000 Einwohnern die größte Stadt dieser Liste und gilt international als Inbegriff deutscher Romantik. Die Schlossruine über der Altstadt, die Alte Brücke mit ihren Türmen, der Brückenaffe und der Philosophenweg am gegenüberliegenden Heiligenberg bilden das ikonische Ensemble. Das Schloss aus rotem Neckartäler Sandstein wurde im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1693 gesprengt und ist als Ruine weltberühmt. Goethe, Hölderlin und Mark Twain haben die Stadt literarisch verewigt. Die längste Fußgängerzone Deutschlands führt durch die Altstadt vom Bismarckplatz zum Karlsplatz. Wo übernachten: das Hotel Europäischer Hof Heidelberg am Anlagenring oder das Boutique-Hotel Arthotel direkt an der Hauptstraße. Beste Saison: Mai bis Juni für Schloss-Beleuchtung mit Feuerwerk an drei Sommer-Wochenenden, September bis Oktober für Herbstfarben am Philosophenweg. Anreise: per ICE ab Frankfurt in 60 Minuten, per Auto über A5/A6.
4. Dinkelsbühl in Mittelfranken
Dinkelsbühl ist die Schwesterstadt von Rothenburg und mit rund 12.000 Einwohnern ähnlich kompakt, jedoch deutlich weniger überlaufen. Die Stadt im südlichen Mittelfranken liegt rund 50 Kilometer südlich von Rothenburg an der Romantischen Straße und der Wörnitz. Die komplett erhaltene Stadtbefestigung mit 16 Türmen, das Münster St. Georg als eine der schönsten spätgotischen Hallenkirchen Süddeutschlands und die bunten Fachwerk- und Patrizierhäuser am Weinmarkt prägen das Bild. Im Juli zieht die Kinderzeche tausende Besucher an, ein historisches Spiel zur Erinnerung an die Rettung der Stadt im Dreißigjährigen Krieg. Wo übernachten: das Hotel Deutsches Haus in einem Bürgerhaus von 1440 oder das Hezelhof Hotel am Marktplatz. Beste Saison: Mai bis September für Wörnitz-Spaziergänge, Juli für die Kinderzeche, Advent für den Reichsstädter Weihnachtsmarkt. Anreise: per Bus ab Crailsheim oder Treuchtlingen, per Auto über A7 Ausfahrt Dinkelsbühl/Fichtenau.
5. Quedlinburg im Harzvorland
Quedlinburg liegt im nördlichen Harzvorland in Sachsen-Anhalt und ist seit 1994 UNESCO-Welterbe mit über 2.000 Fachwerkhäusern aus acht Jahrhunderten. Die Stadt mit rund 23.000 Einwohnern war im 10. Jahrhundert kurzzeitig Hauptstadt des Ostfrankenreichs und wurde von Heinrich I. zum Königshof ausgebaut. Auf dem Schlossberg thronen das Renaissance-Schloss und die Stiftskirche St. Servatii mit dem berühmten Quedlinburger Domschatz. Der Markt mit Renaissance-Rathaus, die schiefen Gassen und der Münzenberg mit Häusern aus dem 17. Jahrhundert prägen die Altstadt. Wo übernachten: das Hotel Theophano am Markt oder das Romantik Hotel am Brühl im ehemaligen Tuchmacher-Quartier. Beste Saison: Mai bis Oktober, Advent für den Quedlinburger Weihnachtsmarkt mit Lichterglanz auf dem Schlossberg. Anreise: per RE ab Magdeburg in 75 Minuten über Halberstadt, per Auto über A14 und B6.
6. Cochem an der Mosel
Cochem ist mit rund 5.000 Einwohnern eine der kleinsten Städte dieser Liste, dafür aber bildschön gelegen in einer engen Moselschleife in Rheinland-Pfalz. Über der Stadt thront die Reichsburg Cochem als neugotisches Wahrzeichen, im 19. Jahrhundert auf den Resten einer mittelalterlichen Anlage wiederaufgebaut. Die kompakte Altstadt am Moselufer mit Marktplatz, Rathaus und engen Fachwerkgassen lässt sich in zwei Stunden erkunden. Eine Sesselbahn führt zum Pinnerkreuz mit Panoramablick über die Moselschleife. Cochem liegt am Mosel-Radweg und ist Ausgangspunkt für Weinverkostungen in den Steillagen Bremmer Calmont und Pommerner Goldberg. Wo übernachten: das Moselromantik-Hotel Thul oben am Hang mit Burgblick oder das Hotel Lohspeicher in einer ehemaligen Lohmühle. Beste Saison: Mai bis Juni für Blütezeit, September bis Oktober für die Weinlese und herbstliche Steillagen, August für die Burgfestspiele. Anreise: per RE ab Koblenz in 35 Minuten auf der Moselstrecke, per Auto über A48 und B49.
7. Bacharach am Rhein
Bacharach am Rhein liegt im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal in Rheinland-Pfalz und zählt rund 1.800 Einwohner. Die Stadt ist Inbegriff der Rhein-Romantik mit Stadtmauer, Türmen, Burg Stahleck als Jugendherberge über der Altstadt und der gotischen Ruine Werner-Kapelle. Direkt gegenüber öffnet sich der Blick auf die Loreley, den berühmten Schieferfelsen, der sich rund neun Kilometer flussaufwärts in den Rhein vorschiebt. Die kompakte Altstadt mit Marktplatz, Posthof und engen Fachwerkgassen lässt sich in 90 Minuten erkunden. Bacharach liegt am Rheinsteig-Wanderweg und ist Ausgangspunkt für Schiffsfahrten durchs Welterbe-Tal. Wo übernachten: das Rhein Hotel direkt am Rheinufer mit Loreley-Blick oder die Jugendherberge Burg Stahleck im historischen Burggemäuer. Beste Saison: Mai bis Oktober, Höhepunkt ist die Loreley-Sommernacht Anfang August mit Feuerwerk Rhein in Flammen. Anreise: per RE ab Koblenz oder Mainz in 30 bis 45 Minuten auf der linken Rheinstrecke, per Auto über B9.
8. Wernigerode am Harz
Wernigerode trägt den Beinamen die Bunte Stadt am Harz und liegt am Nordrand des Harzes in Sachsen-Anhalt. Die Stadt mit rund 32.000 Einwohnern hat eine farbenfrohe Fachwerk-Altstadt mit dem berühmten Schiefen Haus von 1680, dem Rathaus mit zwei Spitztürmen und dem Krummelschen Haus in Schnitzkunst. Hoch über der Stadt thront das neugotische Schloss Wernigerode aus dem 19. Jahrhundert, ehemalige Residenz der Grafen zu Stolberg-Wernigerode, mit prächtigen Innenräumen und Aussichtsterrasse. Wernigerode ist Ausgangspunkt der Harzer Schmalspurbahnen, die mit Dampfloks zum Brocken und nach Quedlinburg fahren. Wo übernachten: das Schlosshotel Blankenburg in der Nähe oder das Hotel Travel Charme Gothisches Haus direkt am Marktplatz. Beste Saison: Mai bis Oktober für Wanderungen im Harz, Adventszeit für den Wernigeröder Weihnachtsmarkt mit Schloss-Beleuchtung. Anreise: per RE ab Magdeburg oder Halle in 90 Minuten, mit der Harzer Schmalspurbahn ab Wernigerode zum Brocken, per Auto über A36.
9. Eutin in der Holsteinischen Schweiz
Eutin ist mit rund 17.000 Einwohnern die kleinste Kreisstadt Schleswig-Holsteins und liegt zwischen Großem Eutiner See und Kleinem Eutiner See in der Holsteinischen Schweiz. Das Wasserschloss Eutin aus dem 12. Jahrhundert mit barockem Schlosspark direkt am See ist das Wahrzeichen, im 18. Jahrhundert war Eutin Residenz der Fürstbischöfe von Lübeck und galt als Weimar des Nordens. Die kompakte Altstadt mit dem Marktplatz, der Michaeliskirche und den Patrizierhäusern lässt sich in einer Stunde erkunden. Im Sommer finden im Schlosspark die Eutiner Festspiele als Freilicht-Opern statt. Wo übernachten: das Hotel Voss in der Königstraße oder das Wittler Hotel im historischen Kern. Beste Saison: Mai bis September für Schlosspark und Badeseen, Juli bis August für die Festspiele, Advent für den Lichter-Weihnachtsmarkt. Anreise: per RE ab Lübeck in 30 Minuten oder ab Kiel in 45 Minuten, per Auto über A1 Ausfahrt Eutin.
10. Bad Wimpfen am Neckar
Bad Wimpfen mit rund 7.500 Einwohnern thront auf einem Bergsporn hoch über dem Neckar in Baden-Württemberg und ist die besterhaltene Stauferpfalz nördlich der Alpen. Die Reste der Kaiserpfalz mit Roter Turm, Blauer Turm und Pfalzkapelle stammen aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Die Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern, dem Marktplatz mit Rathaus und der Stadtkirche fügt sich harmonisch um die Pfalz. Vom Blauen Turm öffnet sich ein weiter Blick über das Neckartal und die Burgenstraße. Bad Wimpfen ist staatlich anerkanntes Sole-Heilbad mit Kurbetrieb. Wo übernachten: das Hotel Neckarblick mit Talblick oder das Romantik Hotel Adler am Marktplatz. Beste Saison: Mai bis Oktober, Mitte August für das historische Talmarkt-Volksfest, Adventszeit für den Altdeutschen Weihnachtsmarkt. Anreise: per RE ab Heilbronn-Hbf in 15 Minuten auf der Neckartal-Bahn, per Auto über A6 Ausfahrt Bad Rappenau.
11. Görlitz in der Oberlausitz
Görlitz ist die östlichste Stadt Deutschlands an der polnischen Grenze und mit rund 55.000 Einwohnern Film-Kulisse von Weltrang. Die Altstadt ist die einzige in Deutschland, die alle fünf großen Stil-Epochen von der Spätgotik über Renaissance und Barock bis zu Klassizismus und Jugendstil im Ensemble vereint. Über 4.000 Baudenkmäler sind erhalten, weil Görlitz im Zweiten Weltkrieg nicht bombardiert wurde. Hollywood entdeckte das Stadtbild als Drehort für Grand Budapest Hotel, Inglourious Basterds, Der Vorleser und Goethe! Der Untermarkt, der Obermarkt und die Peterskirche mit Sonnenorgel bilden das Zentrum. Wo übernachten: das Romantik Hotel Tuchmacher in einem Renaissance-Bürgerhaus oder das Boutique-Hotel Schlesischer Hof. Beste Saison: Mai bis Oktober, Advent für den Schlesischen Christkindelmarkt am Obermarkt. Anreise: per EC ab Berlin in drei Stunden oder per Trilex-Bahn ab Dresden in 90 Minuten, per Auto über A4 Ausfahrt Görlitz.
12. Tübingen am Neckar
Tübingen liegt im Neckartal in Baden-Württemberg und ist mit rund 91.000 Einwohnern die Universitätsstadt mit dem höchsten Studierenden-Anteil Deutschlands. Die Altstadt mit ihren spitzgiebeligen Fachwerkhäusern erstreckt sich von der Neckarinsel mit Platanenallee bis zum Schloss Hohentübingen über dem Marktplatz. Der Hölderlinturm direkt am Wasser, in dem der Dichter Friedrich Hölderlin seine letzten 36 Lebensjahre verbrachte, ist heute Literatur-Museum. Stocherkahn-Fahrten auf dem Neckar sind die Tübinger Variante der venezianischen Gondelfahrt. Die Stiftskirche, der Markt und die alte Aula prägen das Bild. Wo übernachten: das Hotel Krone in einem historischen Gasthof am Markt oder das Hotel Hospiz in der Neckarhalde. Beste Saison: Mai bis September für Stocherkahn-Fahrten, Mitte Juli für das Stocherkahn-Rennen, Advent für den Chocolart-Schokoladen-Festival-Markt. Anreise: per RE ab Stuttgart in 50 Minuten auf der Neckar-Alb-Bahn, per Auto über B27 mit Anschluss A81.
13. Marburg an der Lahn
Marburg an der Lahn in Hessen ist eine Schloss-Stadt am Hang mit rund 76.000 Einwohnern und der ältesten protestantischen Universität der Welt von 1527. Die Oberstadt mit den steilen Gassen, dem Marktplatz und den Fachwerkhäusern klettert von der Lahn bis hinauf zum Landgrafenschloss aus dem 11. Jahrhundert. Die Elisabethkirche in der Unterstadt ist mit ihrer Erbauung ab 1235 eine der frühesten rein gotischen Kirchen Deutschlands und beherbergt das Grab der heiligen Elisabeth von Thüringen. Mehrere Aufzüge verbinden Ober- und Unterstadt. Wo übernachten: das Hotel Vila Vita Rosenpark direkt an der Lahn oder das Welcome Hotel Marburg am Bahnhof. Beste Saison: Mai bis Oktober, Adventszeit für den Marburger Weihnachtsmarkt vor der Elisabethkirche und in der Oberstadt. Anreise: per ICE ab Frankfurt in 60 Minuten oder ab Kassel in 40 Minuten, per Auto über A485 mit Anschluss A5.
14. Schwäbisch Hall am Kocher
Schwäbisch Hall liegt am Kocher in Baden-Württemberg, zählt rund 41.000 Einwohner und lebt vom Salzhandel-Mittelalter, der die Stadt einst zur Freien Reichsstadt machte. Die Altstadt erhebt sich amphitheatralisch über dem Kocher und ist berühmt für die monumentale Freitreppe mit 54 Stufen vor der Kirche St. Michael am Marktplatz. Auf den Stufen finden im Sommer die Freilichtspiele Schwäbisch Hall statt, eines der renommiertesten deutschen Open-Air-Theater. Die Kunsthalle Würth zeigt eine bedeutende Sammlung moderner Kunst in einer ehemaligen Brauerei. Wo übernachten: das Hotel Hohenlohe direkt am Kocher oder der Goldene Adler am Marktplatz. Beste Saison: Mai bis Juni für Blütenfest und Pfingst-Salzsiedertanz auf dem Marktplatz, Juli bis August für die Freilichtspiele, Adventszeit für den Weihnachtsmarkt vor der Michaelskirche. Anreise: per RE ab Heilbronn-Hbf in 50 Minuten, per Auto über A6 Ausfahrt Schwäbisch Hall/Untermünkheim.
15. Eberbach am Neckar
Eberbach am Neckar liegt im engen Neckartal zwischen Heidelberg und Bad Wimpfen in Baden-Württemberg und zählt rund 14.000 Einwohner. Hoch über der Stadt thront die Burgruine Eberbach aus dem 12. Jahrhundert, einst staufische Reichsburg, heute begehbare Ruine mit Bergfried und Panoramablick auf das Neckartal. Die kompakte Altstadt mit Fachwerk, Marktplatz und Stadtmauer-Resten lässt sich in einer Stunde erkunden. Der Neckartal-Radweg führt direkt durch die Stadt, ein Aufstieg zur Burgruine dauert 20 Minuten. Eberbach liegt mitten im Naturpark Neckartal-Odenwald und ist Ausgangspunkt für Wanderungen zum Katzenbuckel, dem höchsten Punkt des Odenwalds. Wo übernachten: das Hotel Karpfen am Marktplatz in einem Fachwerkhaus von 1610 oder das Hotel Krone-Post mit Neckarblick. Beste Saison: Mai bis Oktober für Wanderungen und Radtouren, September für Eberbacher Kuckucksmarkt, Advent für den Burgweihnachtsmarkt auf der Ruine. Anreise: per RE ab Heidelberg in 35 Minuten auf der Neckartal-Bahn, per Auto über B37 mit Anschluss A6.
Die 15 romantischen Städte im direkten Profil
Rothenburg ob der Tauber
Plönlein, Stadtmauer mit 42 Türmen, Burggarten mit Taubertal-Blick. Reiterlesmarkt im Advent. Hotel Eisenhut im Patrizier-Haus von 1450.
Bamberg in Oberfranken
UNESCO-Welterbe, Klein-Venedig, Altenburg mit Aussicht, Bamberger Reiter im Dom. Rauchbier in der Brauerei Schlenkerla.
Heidelberg am Neckar
Schlossruine in rotem Sandstein, Alte Brücke mit Brückenaffe, Philosophenweg am Heiligenberg. Schloss-Beleuchtung im Juni, Juli, September.
Quedlinburg im Harzvorland
UNESCO-Welterbe mit über 2.000 Fachwerkhäusern, Stiftskirche mit Domschatz auf dem Schlossberg, Renaissance-Rathaus am Markt.
Cochem an der Mosel
Reichsburg Cochem über der Moselschleife, Mosel-Promenade, Sesselbahn zum Pinnerkreuz, Burgfestspiele im August.
Görlitz in der Oberlausitz
Drehort von Grand Budapest Hotel, alle fünf Stil-Epochen im Altstadt-Ensemble, Sonnenorgel der Peterskirche, Schlesischer Weihnachtsmarkt.
Vergleich der sechs bekanntesten romantischen Städte
Die Preisangaben beziehen sich auf Doppelzimmer in der Nebensaison und können in Hauptferien-Zeiten und an Festspiel-Wochenenden deutlich höher liegen.
Geschichte und Charakter der romantischen Städte
Die meisten dieser Städte verdanken ihren heutigen Charme einer Mischung aus mittelalterlicher Stadtgründung, früher Blütezeit und einem späteren wirtschaftlichen Niedergang, der ironischerweise die historische Substanz konserviert hat. Rothenburg ob der Tauber etwa erlebte seine Blüte im 14. und 15. Jahrhundert als Freie Reichsstadt, geriet im Dreißigjährigen Krieg in eine schwere Krise und schlummerte über Jahrhunderte vor sich hin, bis im 19. Jahrhundert die Romantiker und Künstler den Ort wiederentdeckten. Ähnlich war es in Dinkelsbühl, Schwäbisch Hall, Bad Wimpfen und Quedlinburg. Bamberg, Heidelberg und Tübingen verdanken ihren Erhalt teilweise dem Glück, im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört worden zu sein. Görlitz hatte das gleiche Glück, gepaart mit der ungünstigen Grenzlage in der DDR, die größere Eingriffe verhinderte und nach 1990 zu einer umfassenden Sanierung führte.
Fachwerk als Material und Symbol
Fachwerkhäuser sind in mehr als der Hälfte der hier genannten Städte stilprägend. Quedlinburg hält den Rekord mit über 2.000 Fachwerkhäusern aus acht Jahrhunderten, dicht gefolgt von Rothenburg, Dinkelsbühl, Wernigerode, Eberbach, Schwäbisch Hall, Bad Wimpfen und Tübingen. Das Holz-Material erlaubte schnelle Stadterweiterungen und schichtenweises Aufstocken, weshalb in vielen Altstädten die oberen Stockwerke über die Gassen ragen. Die heute oft farbenfrohe Bemalung der Balken ist nicht durchgängig historisch korrekt: viele Fachwerkhäuser waren ursprünglich verputzt oder hatten unauffällige Erd-Farben, die bunte Sichtfachwerk-Ästhetik ist teilweise eine Erfindung des 19. und 20. Jahrhunderts.
Schloss-Romantik und Burgen
Schlösser und Burgen sind das zweite große Romantik-Motiv. Heidelberg, Wernigerode, Marburg, Eutin, Cochem und Bad Wimpfen werden von markanten Höhenanlagen beherrscht, Eberbach von einer Ruine. Die Faszination dieser Anlagen hat die Romantiker des 19. Jahrhunderts besonders inspiriert: Friedrich von Schinkel, Joseph von Eichendorff und die Maler der Düsseldorfer Schule haben Burgruinen und Schloss-Silhouetten als Inbegriff des sehnsüchtigen Blicks in eine idealisierte Vergangenheit verewigt. Das gleiche gilt für die Mittelrhein-Burgen oberhalb von Bacharach, die seit Heinrich Heines Loreley-Gedicht zu einem internationalen Romantik-Mythos wurden.
Praktische Tipps für die romantische Städte-Tour
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Reisezeit clever wählen
Wer Hauptferien-Wochenenden in Rothenburg, Heidelberg oder Quedlinburg meidet, spart 30 bis 50 Prozent auf Übernachtungen. Mai, Juni und September bieten ideales Wetter ohne den Trubel der Sommerferien.
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Boutique-Hotels in historischen Häusern
In nahezu allen 15 Städten gibt es Romantik-Hotels in Patrizier-, Tuchmacher- oder Brauerei-Gebäuden mit 200 bis 600 Jahren Geschichte. Sie kosten oft kaum mehr als anonyme Kettenhotels und sind das Erlebnis wert.
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Cluster bilden statt einzeln anreisen
Rothenburg mit Dinkelsbühl, Quedlinburg mit Wernigerode, Bacharach mit Cochem oder Heidelberg mit Bad Wimpfen und Eberbach lassen sich in vier bis fünf Tagen elegant kombinieren und sparen Anreisezeit.
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Stadtführungen vor Ort buchen
Die touristischen Service-Center in Rothenburg, Bamberg, Heidelberg, Quedlinburg, Görlitz und Marburg bieten geführte Altstadt-Touren von 90 Minuten ab 10 bis 14 Euro pro Person. Nachtwächter-Führungen sind besonders romantisch.
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⌘
Bahn-Anreise nutzen
13 der 15 Städte sind per Bahn erreichbar, einige sogar per ICE. Mit dem Deutschland-Ticket lassen sich Regional-Zubringer wie Steinach—Rothenburg oder Heidelberg—Eberbach besonders günstig nutzen.
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Kopfsteinpflaster bedenken
Marburg, Heidelberg, Bad Wimpfen, Wernigerode und Görlitz haben hügelige Altstädte mit Kopfsteinpflaster. Wer mit Rollator, Kinderwagen oder eingeschränkter Mobilität reist, sollte feste Schuhe und Bahn-Anschluss zu den Bergsiedlungen prüfen.
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Adventszeit als zweite Hauptsaison
Die Weihnachtsmärkte in Rothenburg (Reiterlesmarkt), Quedlinburg (Schlossberg), Görlitz (Schlesischer Markt) und Wernigerode (Schloss-Beleuchtung) gehören zu den schönsten Deutschlands und ziehen bereits ab Mitte November an.
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Wetter-Plan B parat haben
Bei Regen lassen sich Schloss-Innenräume in Heidelberg, Wernigerode und Eutin besichtigen, das Bamberger Diözesanmuseum, die Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall oder das Hölderlin-Museum in Tübingen besuchen.
Insider-Tipps für romantische Wochenenden zu zweit
Romantische Anlässe und Geschenk-Ideen
Viele dieser Städte eignen sich besonders für Hochzeitsreise-Wochenenden, Geburtstags-Überraschungen oder Heiratsanträge. Die Altstadt von Rothenburg im Schnee vor dem Reiterlesmarkt, das nächtliche Heidelberger Schloss mit Beleuchtung an drei Sommer-Wochenenden, der Burggarten in Rothenburg zur blauen Stunde, die Stocherkahn-Fahrt in Tübingen unter den Platanen oder ein Sonnenuntergang auf der Reichsburg Cochem über der Moselschleife sind klassische Antrag-Kulissen. Gutscheine für Romantik-Hotels lassen sich direkt über die Romantik Hotels & Restaurants-Vereinigung buchen.
Kulinarische Begleitung
Zu jeder Stadt gehört ihre regionale Küche. In Franken (Bamberg, Rothenburg, Dinkelsbühl) sind Schäuferla, Karpfen und Bocksbeutel-Wein typisch, in Hessen (Marburg) der Frankfurter Grüne Soße und Apfelwein, an Mosel und Rhein (Cochem, Bacharach) Riesling und Mosel-Schiefer-Wein mit Winzersekt. In Quedlinburg und Wernigerode ist es die Harzer Forelle und der Schmandkuchen, in Eutin Holsteiner Sauerfleisch und Frische-Fische aus dem Großen Eutiner See. In Tübingen und Schwäbisch Hall sind Maultaschen und Spätzle Standard, in Heidelberg der Heidelberger Schneeballen aus der Konditorei Knösel.




