Reinhardtsdorf-Schöna ist die südöstlichste Gemeinde Sachsens — vier Ortsteile auf einem Hochplateau über der Elbe, knapp 1.500 Einwohner und zwei freistehende Tafelberge direkt vor der Haustür: Kaiserkrone und Zirkelstein. Wer hier wandert, hat den lautesten Teil der Sächsischen Schweiz hinter sich gelassen. Der Bahnhof Schöna ist der letzte deutsche Halt der S1, dahinter beginnt Tschechien mit Hřensko und der Edmundsklamm. Anders als das touristisch dichte Bad Schandau oder das festungslastige Königstein bleibt Reinhardtsdorf-Schöna ein Wanderdorf mit Pensionen, einem Gasthof am Marktplatz und Wegen, auf denen du auch im August niemandem begegnest. Aktuelle Hinweise pflegt der Tourismusverband Sächsische Schweiz auf saechsische-schweiz.de.

Karte von Reinhardtsdorf-Schöna im Südosten der Sächsischen Schweiz mit Kaiserkrone, Zirkelstein und Grenze zu Tschechien © OpenStreetMap Mitwirkende

Anreise und Erreichbarkeit

Reinhardtsdorf-Schöna besteht aus vier Ortsteilen — Reinhardtsdorf und Schöna auf dem Plateau, dazu Krippen-Schöna direkt am Elbufer mit dem Bahnhof. Die S1 fährt halbstündlich von Dresden Hauptbahnhof bis Schöna, dem Endbahnhof an der tschechischen Grenze. Wer das Auto nimmt, kommt über die A17 bis Pirna und dann auf der B172 durchs Elbtal — die letzten Kilometer von Bad Schandau aus auf der Schmilkaer Straße ins Plateau hoch.

Mit dem Auto

Aus Dresden fährst du die A17 Richtung Prag bis Abfahrt 3 Pirna, dann auf der B172 über Königstein und Bad Schandau bis Schmilka, dort biegt die K8748 nach Reinhardtsdorf hoch — Gesamtstrecke 50 km, etwa 50 Minuten. Aus Norden über die A4 bis Dresden und weiter wie oben. Aus Tschechien fährst du die D8 bis Děčín, weiter auf der I/62 bis Hřensko und über die Grenzbrücke Schmilka-Hirschmühle nach Reinhardtsdorf — kürzeste Variante, etwa 25 Minuten ab Děčín.

Dresden 50 km ~50 Min
Bad Schandau 10 km ~15 Min
Děčín (CZ) 20 km ~25 Min via Hřensko
Berlin 250 km ~2:50 h via A13/A17
Prag 130 km ~1:45 h via D8

Auf dem Plateau gibt es zwei kleine Wanderparkplätze — am Ortsrand Reinhardtsdorf Richtung Kaiserkrone (Tagesticket 3 Euro) und am Zirkelstein-Aufstieg in Schöna (3 Euro). Im Sommer reicht der Platz an Wochenenden bis 10 Uhr — danach parkst du in zweiter Reihe an der Hauptstraße. Für Tschechien-Tagesausflüge brauchst du die elektronische Mautplakette (über zehn Tage rund 9 Euro), die Grenzbrücke Schmilka-Hirschmühle ist mautfrei.

Mit der Bahn

Schöna ist der Endbahnhof der S1 Meißen–Dresden–Schöna, halbstündlich aus Dresden Hauptbahnhof, Fahrzeit rund 50 Minuten. Vom Bahnhof am Elbufer in 130 m Höhe musst du auf das Plateau hoch — entweder zu Fuß über den steilen Wanderweg (45 Min, 150 Höhenmeter) oder mit dem Bus 252, der morgens, mittags und abends fährt. Aktuelle Verbindungen prüfst du auf bahn.de oder im Verkehrsverbund Oberelbe.

Dresden Hbf 50 Min S1 alle 30 Min
Bad Schandau 8 Min S1, drei Stationen
Berlin Hbf 3:10 h EC + S1 ab Dresden
Děčín hl.n. 25 Min EC oder Os, eine Station nach Schöna

Vom Bahnhof Schöna fährt eine Personenfähre alle 30 Minuten ans rechte Elbufer nach Hřensko in Tschechien — Tagesticket Verkehrsverbund Oberelbe. Wer auf das Plateau will, nimmt den Wanderbus 252 oder geht durchs Bielatal hoch. Der Aufstieg über den alten Schöna-Steig ist gut markiert, mit Gepäck aber konditionell anspruchsvoll.

Mit dem Flugzeug

Nächster Verkehrsflughafen ist Dresden (DRS), etwa 60 km entfernt. Vom Flughafen kommst du mit der S2 in 22 Minuten zum Hauptbahnhof, dort steigst du in die S1 nach Schöna um. Gesamtzeit Flughafen → Schöna: rund 1:55 Stunden inklusive Umstieg. Alternativ Prag (PRG, 130 km) mit deutlich mehr Direktverbindungen, dann per EC nach Děčín und mit der Os-Bahn eine Station bis Schöna.

Parken vor Ort

Drei Parkbereiche im Ort: Wanderparkplatz Kaiserkrone am Ortsausgang Reinhardtsdorf (Tagesticket 3 Euro, 30 Plätze), Wanderparkplatz Zirkelstein in Schöna (3 Euro, 25 Plätze), Bahnhof Schöna am Elbufer (kostenfrei, aber dann Aufstieg ins Plateau). An Wochenenden im Mai und Oktober sind die Plateau-Parkplätze ab 10 Uhr voll — Frühstart oder S-Bahn-Anreise lohnt sich.

Wandern und Tafelberge: Kaiserkrone, Zirkelstein, Grenzweg

Reinhardtsdorf-Schöna ist Tafelberg-Land im Kleinformat — zwei freistehende Sandsteingipfel direkt am Ortsrand, dazu der Grenzweg nach Tschechien als ruhigste Etappe des Malerwegs. Drei Routen, die das Wanderdorf ausmachen:

Kaiserkrone (351 m)

Die Kaiserkrone ist der markanteste Tafelberg über Reinhardtsdorf — drei freistehende Felszacken, die wie eine Krone aus dem Plateau ragen. Aufstieg vom Wanderparkplatz Kaiserkrone in 25 Minuten über einen geschotterten Pfad, die letzten 30 Höhenmeter über Eisentreppen und schmale Felsspalten. Oben auf 351 m hast du Blick auf den Pfaffenstein, den Königstein und an klaren Tagen bis zur Festung Königstein. Rundweg über das Plateau zurück nach Reinhardtsdorf 1:30 Stunde, gut markiert mit dem blauen Strich des SBB. Der Aufstieg ist auch für sportliche Kinder ab acht Jahren machbar — kürzer als Schrammsteine, ähnlicher Belohnungs-Effekt.

Zirkelstein (384 m)

Der Zirkelstein ist der südlichste Tafelberg der Sächsischen Schweiz und mit 384 m der höchste Punkt der Gemeinde. Aufstieg vom Wanderparkplatz Schöna in 30 Minuten — der letzte Teil führt über eine Eisenleiter und ein gemauertes Treppensystem aus dem 19. Jahrhundert. Auf dem Gipfelplateau steht ein steinernes Gipfelkreuz aus dem Jahr 1854, dazu eine Aussichtsbank mit Blick auf die Kaiserkrone, die Schrammsteine, den Lilienstein und ins böhmische Elbtal. Bei Föhnwetter siehst du die Schneekoppe — 110 km Luftlinie. Der Zirkelstein-Rundweg über das Schönaer Plateau zurück dauert zwei Stunden.

Malerweg-Etappe und Grenzweg nach Tschechien

Reinhardtsdorf-Schöna liegt an der Malerweg-Etappe 7, die von Schmilka über Reinhardtsdorf nach Schöna führt — 13 km, vier Stunden, gut markiert mit dem orangen Malerweg-Logo. Die Etappe gilt als ruhigste des gesamten Malerwegs, weil sie nicht über die Hauptattraktionen Bastei oder Schrammsteine läuft. Verlängerung über den Grenzweg nach Hřensko: ab Schöna-Bahnhof Personenfähre, dann durch die Edmundsklamm (CZ) — Kahnfahrt Hřensko–Mezní Můstek im Sommer rund 9 Euro pro Person. Die Edmundsklamm ist nur per Boot durchquerbar, gut 30 Minuten Kahnfahrt durch eine 90 m tiefe Sandstein-Schlucht, am Ende Wanderweg zurück zum Prebischtor (392 m, größtes Felsentor Europas).

Top-Sehenswürdigkeiten

Kaiserkrone (351 m)

Drei freistehende Felszacken über Reinhardtsdorf, Aufstieg 25 Minuten ab Wanderparkplatz, letzte Meter über Eisentreppen und schmale Spalten. Auf dem mittleren Felsen Aussichtspunkt mit Blick zu Pfaffenstein, Lilienstein und Festung Königstein. Eintritt frei, ganzjährig zugänglich, im Winter bei Vereisung Vorsicht — Eisentreppen ungesichert.

Zirkelstein (384 m)

Höchster Tafelberg der Gemeinde, südlichster Tafelberg der Sächsischen Schweiz. Aufstieg 30 Minuten ab Wanderparkplatz, gemauerte Treppe aus dem 19. Jahrhundert, Eisenleiter im oberen Drittel. Gipfelkreuz von 1854, freier Eintritt. Bei klarer Sicht Panorama bis Schneekoppe und Schrammsteine.

Bahnhof Schöna und Grenzfähre

Letzter deutscher Bahnhof der S1 vor Tschechien, denkmalgeschützt aus dem Jahr 1851. Direkt am Bahnhof legt die Personenfähre nach Hřensko (CZ) ab — alle 30 Minuten, Tagesticket Verkehrsverbund Oberelbe. Lohnt sich für den Tagesausflug zur Edmundsklamm und zum Prebischtor.

Aussichtspunkt Wolfsberg

Eine der ruhigsten Aussichten der Sächsischen Schweiz auf 358 m, am Ortsrand Reinhardtsdorf Richtung Krippen. Vom Wanderparkplatz in 20 Minuten erreichbar, freie Sicht auf Lilienstein, Schrammsteine und ins Elbtal. Bank, kein Zaun, oft niemand dort — gut für Sonnenaufgänge.

Dorfkirche Reinhardtsdorf

Spätbarocke Saalkirche aus dem Jahr 1782 am Marktplatz Reinhardtsdorf, schlichter Innenraum mit hölzerner Empore. Ganzjährig tagsüber geöffnet, kostenfreier Zutritt. Sonntags Gottesdienst um 10 Uhr — die kleine Orgel von Johann Gottfried Geißler aus dem Jahr 1789 wird gelegentlich auch in Konzerten gespielt.

Edmundsklamm und Prebischtor (CZ)

20 Minuten ab Schöna mit Auto und Fähre — Kahnfahrt durch die Edmundsklamm (Hřensko–Mezní Můstek) rund 9 Euro pro Person, danach Wanderung zum Prebischtor. Mit 26,5 m Spannweite das größte natürliche Felsentor Europas, Eintritt rund 4 Euro. Ganztagestour, lohnt sich am meisten in Tschechien.

Schloss Schöna

Kleines Renaissance-Herrenhaus aus dem 16. Jahrhundert am Ortseingang Schöna, heute privat und nicht zu besichtigen — sehenswert von außen, mit altem Wappen über dem Torbogen. Etwa fünf Minuten zu Fuß vom Wanderparkplatz Zirkelstein, Foto-Stopp auf dem Weg ins Plateau.

Bielatal (Anschlussregion)

Östlich an Reinhardtsdorf-Schöna grenzendes Klettergebiet mit über 250 Sandsteingipfeln, ruhiger und weniger frequentiert als Schrammsteine. Vom Plateau in 30 Minuten zu Fuß erreichbar über den markierten Wanderweg ab Wolfsberg. SBB-Klettergartenbereich für Anfänger.

Aktivitäten und Erlebnisse

Was du in Reinhardtsdorf-Schöna unternimmst, hängt von Saison und Reisegruppe ab. Vier Konstellationen:

Im Frühling und Herbst

  • Tafelberg-Doppel: Kaiserkrone und Zirkelstein an einem Tag (rund vier Stunden mit Pause), Anti-Massen-Strategie für die Sächsische Schweiz
  • Malerweg-Etappe 7 von Schmilka nach Schöna, 13 km, mit Kahnfahrt-Anschluss in Hřensko
  • Klettern im Bielatal: Anfängerrouten an Häntzschelstiege und Frienstein, SBB-Wanderführer im Tourismusbüro
  • Pilzsuche im Krippenbach-Tal: Steinpilze und Maronen ab August, immer mit Gemeinde-Genehmigung

Im Sommer

  • Kahnfahrt Edmundsklamm ab Hřensko (CZ), 30 Min Bootsfahrt durch die Sandstein-Schlucht
  • Elbe-Bad in Schöna: kleiner Sandstrand am Bahnhof Schöna, naturbelassen, kein Eintritt
  • Radtour Elberadweg ab Schöna nach Bad Schandau (10 km eben am Ufer)
  • Sonnenaufgang am Wolfsberg: 5 Uhr aufstehen, 20 Min hoch, fast immer alleine

Mit Kleinkindern

Der Kaiserkrone-Aufstieg ist für Kinder ab acht Jahren machbar — kürzer und weniger ausgesetzt als Schrammsteine. Für jüngere Kinder bietet sich der Wolfsberg-Pfad an (kein Steilabbruch) oder ein Tag am Elbe-Sandstrand bei Schöna mit Fähr-Fahrt. Spielplatz an der Dorfkirche Reinhardtsdorf, kleiner Bauernhof Reinhardt mit Streichelkühen am Ortsrand.

Bei Regen und Schlechtwetter

  • Festung Königstein mit Kasematten-Tour, 20 Minuten Auto
  • Toskana Therme Bad Schandau, 15 Minuten Auto oder S1
  • Schloss Děčín in Tschechien (20 km), Renaissance-Schloss mit Rosengarten
  • Stadtmuseum Bad Schandau im Sendig-Haus

Gastronomie und regionale Spezialitäten

Die Auswahl im Ort ist überschaubar — Reinhardtsdorf-Schöna ist Wanderdorf, kein Gastronomie-Magnet. Wer in den Genuss der vollen sächsischen Küche will, fährt nach Bad Schandau oder Krippen. Direkt vor Ort vier verlässliche Adressen:

Restaurants im Ort

  • Gasthof Zirkelstein (Schöna): traditionelle sächsische Küche, Wildgulasch und Forelle aus eigenen Becken, Hauptgericht 14 bis 22 Euro, Reservierung am Wochenende empfohlen
  • Berggasthof Kaiserkrone (Reinhardtsdorf): einfache Wandergastronomie am Aufstieg, Bratkartoffeln, Schnitzel, Bier — Hauptgericht 12 bis 18 Euro, Sa/So und Feiertage geöffnet
  • Restaurant zur Linde (Reinhardtsdorf, Marktplatz): kleine Karte mit Schwerpunkt regionale Wildgerichte, Hauptgericht 16 bis 24 Euro, im Winter Ruhetag Mo/Di
  • Pension Eichenhof Café (Schöna): hausgemachte Kuchen, Quarkkeulchen mit Apfelmus, einfache Mittagskarte für Wanderer

Hütten und Wandergastronomie

Auf den Tafelbergen selbst gibt es keine Berghütten — Kaiserkrone und Zirkelstein sind Aussichtsgipfel ohne Bewirtung. Verpflegung also im Tal mitnehmen. Auf der Plateau-Strecke zwischen Reinhardtsdorf und Schöna liegt die Wanderhütte Plateaublick, an Wochenenden im Sommer geöffnet — Kaffee, Kuchen, Bockwurst. Reine Selbstbedienung, kleines Geld mitbringen.

Cafés und Kleinigkeiten

Die Bäckerei Hänsel am Reinhardtsdorfer Marktplatz öffnet ab 6 Uhr und versorgt Frühaufsteher mit Brötchen vor der Wanderung. Im Sommer Terrasse mit Blick auf die Dorfkirche. Sonntags Eierschecke und Bauernkuchen, ab 11 Uhr meist ausverkauft.

Markttag und Mitnehmsel

Am ersten Sonntag im Monat (Mai bis Oktober) findet im Pfarrgarten Reinhardtsdorf ein kleiner Bauernmarkt statt — Honig vom Plateau, Quark vom Hof Reinhardt, hausgemachte Marmelade.

Regionale Spezialitäten zum Mitnehmen

  • Sächsische Eierschecke: dreischichtige Quark-Mohn-Tarte, klassisch in der Bäckerei Hänsel
  • Schöna-Honig: Imkerei am Plateau, Akazien- und Lindenblütenhonig im Hofverkauf
  • Sächsischer Quark mit Leinöl: typische Mitbringsel-Kombination, im Marktstand am Sonntagvormittag in Reinhardtsdorf
  • Pirnaer Pfefferkuchen: regionales Backwerk, in der Linde am Marktplatz

Events und Saisonkalender

Reinhardtsdorf-Schöna selbst ist ruhig, was Großevents angeht — die wichtigsten Termine in der Region nach Quartal sortiert:

Frühjahr (April bis Juni)

Saisonstart der Pensionen ab Mitte April, parallel öffnen die Ausflugsboote in Hřensko. Anfang Mai der Tag der offenen Bergsteiger-Hütten im Bielatal — geführte Touren des SBB. Im Mai die Spargelsaison aus dem Hinterland Pirna, viele Restaurants in Bad Schandau haben Spezialkarten.

Sommer (Juli bis September)

Hauptsaison. Mitte August die Sandstein-Konzerte auf der Festung Königstein — Kammermusik in der Kasemattentür. Anfang September Pflaumenfest im Pirnaer Hinterland mit Hofausschank. Auf dem Plateau Reinhardtsdorf der ländliche Kirmesabend Anfang September.

Herbst (Oktober bis November)

Goldener Oktober ist die zweite Hochsaison: stabile Hochdrucklagen, Buchenwald in Gold, klare Fernsicht bis zur Schneekoppe. Ende Oktober schließen viele Pensionen für eine Woche, Tafelberge bleiben aber zugänglich.

Winter (Dezember bis Februar)

Adventsmarkt am ersten Adventswochenende im Pfarrgarten Reinhardtsdorf — kleine Stände, Glühwein, Bauchladen mit gebrannten Mandeln. Silvester ist Reinhardtsdorf-Schöna fast menschenleer, Pensionen bieten Wellnesspakete an. Die Tafelberge sind bei Vereisung gesperrt — den Wegweisern und SBB-Hinweisen folgen.

Geschichte und Kultur

Reinhardtsdorf wird erstmals 1372 urkundlich erwähnt, Schöna ist als slawische Gründung noch älter (vermutlich 12. Jahrhundert). Der Name Reinhardtsdorf geht auf einen mittelalterlichen Lokator namens Reinhard zurück, Schöna leitet sich vom altsorbischen "šen" (schön, gerade) ab.

Vom Bergbau-Dorf zum Wanderdorf

Bis ins 19. Jahrhundert lebte die Region vom Sandsteinbruch — der Schönaer Sandstein wurde flussabwärts bis nach Hamburg verschifft und in der Dresdner Frauenkirche, im Berliner Reichstag und in zahlreichen Elbschlössern verbaut. Mit dem Anschluss an die Bahnstrecke Bad Schandau–Schöna im Jahr 1851 begann der Tourismus. Die ersten Pensionen entstanden in Schöna direkt am Bahnhof, Wanderer kamen schon vor 1900 aus Dresden und Berlin.

Tafelberge und Sandstein-Architektur

Die Fachwerkhäuser am Reinhardtsdorfer Marktplatz stammen überwiegend aus dem 18. und 19. Jahrhundert, viele mit Sandstein-Sockeln aus dem örtlichen Bruch. Das markanteste Gebäude ist die spätbarocke Dorfkirche von 1782 mit ihrer Geißler-Orgel von 1789. Schloss Schöna am Ortseingang ist ein bescheidenes Renaissance-Herrenhaus — sehenswert von außen, privat bewohnt.

Grenzlage und DDR-Zeit

Schöna war zu DDR-Zeiten Grenzkontrollpunkt zur ČSSR. Die Personenfähre nach Hřensko fuhr nur mit Sondergenehmigung, der heutige Grenzweg über die Schmilkaer Hirschmühle war komplett gesperrt. Erst nach 1990 öffnete die Region für den freien Wandertourismus. Wer mit alten Wanderern spricht, hört Geschichten von Pässen, Streifen und Schmugglern — und von einer Stille, die das Plateau auch heute noch prägt.

Wetter und beste Reisezeit

Das Klima im südöstlichen Elbsandsteingebirge ist gemäßigt-kontinental mit deutlich trockenerem Sommer als Mittelgebirge in Westdeutschland. An der DWD-Station Hohnstein (327 m, vergleichbare Höhenlage zum Reinhardtsdorfer Plateau) liegt die Jahresmitteltemperatur bei 8,7 Grad und der Niederschlag bei 720 mm. Im Elbtal in Schöna (130 m) ist es etwa 1,5 Grad wärmer. Schnee liegt meist nur an 25 bis 35 Tagen pro Jahr — auf den Tafelbergen länger, im Krippenbach-Tal kürzer.

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Nov
Dez
Hauptsaison Geheimtipp Nebensaison Off-Season

Beste Reisezeit für Familien

Juni bis September

Luft Tal15 bis 23 Grad
Luft Plateau13 bis 21 Grad
Niederschlag~70 mm pro Monat
Trubelruhig, voll nur bei Edmundsklamm-Tagen

Hochsaison Wandern

Mai & Oktober

Luft10 bis 18 Grad
Sichtoft Fernsicht bis Schneekoppe
StimmungWanderer statt Tagestouristen
Frühbuchungvier bis sechs Wochen vorher

Wellness und Ruhe

November bis Februar

Luft0 bis 5 Grad
Preise30 bis 40 % unter Hauptsaison
Wetteroft Hochnebel im Elbtal, klare Höhe
Trubelfast menschenleer

Praktische Tipps

  • Kurtaxe: 1,80 Euro pro Erwachsenem und Tag in der Hauptsaison (Mai bis Oktober), 1,20 Euro in der Nebensaison. Wird über die Pension mitabgerechnet, gilt als Gästekarte mit Rabatten an Festung Königstein, Toskana Therme Bad Schandau und Kirnitzschtalbahn.
  • 🐕 Hunde: in Reinhardtsdorf-Schöna und im Nationalpark Sächsische Schweiz erlaubt, ganzjährige Leinenpflicht im Schutzgebiet und auf allen markierten Wanderwegen. Auf den Tafelberg-Aufstiegen wegen Eisentreppen schwierig — Kaiserkrone-Aufstieg nur für trittsichere Hunde, Zirkelstein-Leiter ungeeignet.
  • 📶 Mobilfunk und WLAN: kostenfreies Hotspot-Netz am Marktplatz Reinhardtsdorf und am Bahnhof Schöna. Auf dem Plateau verlässlich, in den Felsenschluchten und am Krippenbach oft kein Empfang — Karten offline laden, Komoot oder Outdooractive vor Tour herunterladen.
  • + Apotheke und Ärzte: keine Apotheke im Ort, nächste Adresse Bad Schandau (10 km) oder Krippen. Eine Allgemeinarztpraxis am Reinhardtsdorfer Marktplatz, Sprechzeiten Mo/Di/Do. Notdienst rotiert mit Bad Schandau und Sebnitz. Nächstes Krankenhaus: Klinikum Pirna (35 km).
  • Geldautomaten: kein Automat im Ort. Sparkasse Sächsische Schweiz in Bad Schandau (10 Min Auto) oder am Bahnhof Schöna (Postbank-Automat im Bahnhofsgebäude). In Pensionen und Wandergastronomie oft nur Bargeld — vor der Anreise 100 Euro abheben.
  • Barrierefreiheit: schwierig — Plateau-Pfade meist geschottert, Tafelberg-Aufstiege mit Eisentreppen ungeeignet für Rollstuhl. Barrierefrei: Elberadweg ab Schöna nach Bad Schandau, Dorfkirche Reinhardtsdorf, Marktplatz. Besser geeignet als Standort: Bad Schandau mit Toskana Therme.
  • i Tourist-Information: keine eigene im Ort, zuständig ist das Büro Bad Schandau am Marktplatz 12 sowie der Tourismusverband Sächsische Schweiz. Wanderkarten, Pensions-Liste und Gästekarten-Verkauf dort. Online unter saechsische-schweiz.de.
  • Grenzfähre und Tschechien: die Personenfähre Schöna–Hřensko verkehrt alle 30 Minuten zwischen 7 und 19 Uhr, im Winter eingeschränkt. Personalausweis genügt, kein Visum nötig. Tagesticket Verkehrsverbund Oberelbe deckt Hin- und Rückfahrt ab, Auto-Mautplakette nur wenn du in Tschechien Autobahn fährst.

Insider-Tipps

Vier Spots, die nicht in jedem Sächsische-Schweiz-Reiseführer stehen:

Wolfsberg statt Bastei

Die Bastei mit ihren 1,8 Millionen Besuchern pro Jahr ist im Sommer ab 9 Uhr überlaufen. Der Wolfsberg bei Reinhardtsdorf bietet einen ähnlichen Plateau-Blick auf das Elbtal und die Schrammsteine — nur ohne Eintritt, ohne Zaun, ohne Tagesgäste. Vom Wanderparkplatz in 20 Minuten, Bank am Aussichtspunkt, im Oktober oft alleine.

Grenzweg über die Schmilkaer Hirschmühle

Statt der vollen Edmundsklamm-Bootstour lohnt der ruhigere Grenzweg: ab Reinhardtsdorf zu Fuß über das Plateau zur Schmilkaer Hirschmühle, dort Grenzbrücke nach Tschechien, weiter durch das Bielatal nach Hřensko — 8 km, 2,5 Stunden, fast keine Wanderer. Rückfahrt mit der CD-Bahn ab Hřensko nach Schöna oder direkt mit der Personenfähre.

Sonntagsmarkt am Reinhardtsdorfer Pfarrgarten

Erster Sonntag im Monat (Mai bis Oktober) findet im Pfarrgarten ein kleiner Bauernmarkt statt — Honig vom Plateau, Quark vom Hof Reinhardt, hausgemachte Marmelade und Brot von der Bäckerei Hänsel. Beginn 9 Uhr, Ende meist gegen 12 Uhr. Frag in der Pension nach den Terminen — wird im Schaukasten an der Dorfkirche angekündigt.

Umgebung und Tagesausflüge

Die Region rund um Reinhardtsdorf-Schöna hat mehr zu bieten als Tafelberge und Plateau. Drei Tagestouren für drei Wettertypen:

Bei Sonne: Edmundsklamm und Prebischtor (CZ, 15 km)

Per Auto über die Grenzbrücke Schmilka oder mit der Personenfähre ab Schöna nach Hřensko. Vor Ort Kahnfahrt durch die Edmundsklamm (rund 9 Euro pro Person, 30 Minuten), dann Wanderung zum Prebischtor (392 m, größtes Felsentor Europas, Eintritt rund 4 Euro). Mittagessen in einer der Hřensko-Pensionen, Rückfahrt am späten Nachmittag. Plan einen ganzen Tag.

Bei Wechselwetter: Festung Königstein (15 km)

Auto 25 Minuten oder S1 plus Festungs-Express ab Königstein. Eine der größten Bergfestungen Europas auf 240 m Tafelberg, 9,5 Hektar Fläche, über 50 Bauwerke aus 800 Jahren. Tageskarte ab 15 Euro über die Festung Königstein, Kasematten-Tour zusätzlich 4 Euro. Plan einen ganzen Tag — die Festung hat eigene Brunnenstube, Munitionsmagazin und Weinkeller.

Bei Regen: Děčín (CZ, 20 km)

Auto 25 Minuten über die D8-Anschluss-Strecke oder S1 plus Os-Bahn ab Schöna. Schloss Děčín auf Felssporn über der Elbe, Renaissance-Anlage mit Rosengarten, Eintritt rund 6 Euro. Mittagessen in einer böhmischen Hospoda an der Promenade, Rückfahrt nachmittags. Wechselgeld in Tschechische Kronen mitnehmen oder mit Karte zahlen.

Weitere Tagesziele (40 bis 80 km)

  • Bastei und Basteibrücke: 25 km, S1 bis Rathen, Personenfähre, 45 Min Aufstieg.
  • Bad Schandau mit Toskana Therme: 10 km, gut für Regentage und Sauna.
  • Dresden Altstadt: 50 km, S1 in 50 Minuten zum Hauptbahnhof, dann Frauenkirche, Zwinger, Semperoper.

HÄUFIGE FRAGEN

Wie schwer ist der Aufstieg zur Kaiserkrone?

Mittel — vom Wanderparkplatz Reinhardtsdorf rund 25 Minuten, 80 Höhenmeter. Die letzten 30 Höhenmeter führen über schmale Eisentreppen und Felsspalten ohne Drahtseil. Trittsichere Wanderer und sportliche Kinder ab acht Jahren schaffen den Aufstieg gut, bei Vereisung im Winter ist er gesperrt.

Lohnt sich der Zirkelstein neben der Kaiserkrone?

Ja, beide Tafelberge sind unterschiedlich. Die Kaiserkrone hat den dramatischeren Aufstieg über drei Felszacken, der Zirkelstein die bessere Fernsicht inklusive Schrammsteinen, Lilienstein und an Föhntagen Schneekoppe. An einem Tag mit Pause auf dem Plateau gut zu schaffen — rund vier Stunden inklusive Mittag.

Wie komme ich ohne Auto nach Reinhardtsdorf-Schöna?

Die S1 fährt halbstündlich von Dresden Hauptbahnhof bis Schöna, der Endbahnhof an der tschechischen Grenze. Vom Bahnhof Schöna im Elbtal kommst du auf das Plateau entweder zu Fuß über den Schöna-Steig (45 Min) oder mit dem Wanderbus 252 (drei Verbindungen am Tag). Aktuelle Verbindungen auf bahn.de und beim Verkehrsverbund Oberelbe.

Wie kommt man von Reinhardtsdorf-Schöna zur Edmundsklamm?

Schnellste Variante: Personenfähre ab Bahnhof Schöna nach Hřensko (5 Min, alle 30 Minuten, Tagesticket VVO). Per Auto über die Grenzbrücke Schmilka-Hirschmühle, etwa 15 Minuten. In Hřensko Kahnfahrt durch die Edmundsklamm rund 9 Euro pro Person, 30 Minuten Bootsfahrt. Personalausweis reicht, kein Visum.

Was kostet das Parken auf dem Plateau?

3 Euro Tagesticket an beiden Wanderparkplätzen — Kaiserkrone am Ortsrand Reinhardtsdorf (30 Plätze) und Zirkelstein in Schöna (25 Plätze). An Wochenenden im Mai und Oktober sind die Plätze ab 10 Uhr voll. Alternative: Kostenfrei am Bahnhof Schöna parken und mit dem Wanderbus 252 oder zu Fuß hoch.

Welche Pension ist die beste in Reinhardtsdorf-Schöna?

Die Pension Eichenhof in Schöna ist die größte Adresse mit 22 Zimmern, Wandermenu am Abend und Tiefgarage. Für mehr Charme: Pension am Marktplatz in Reinhardtsdorf in einem Fachwerkhaus von 1820 mit Bauerngarten. Für Wanderer mit kleinem Budget: Wanderhostel zur Linde mit Mehrbettzimmern ab 28 Euro inklusive Frühstück.

Sind Hunde am Tafelberg-Aufstieg erlaubt?

Generell ja, auf allen markierten Wanderwegen ganzjährig mit Leinenpflicht. Die Eisentreppen an Kaiserkrone und Zirkelstein sind aber für viele Hunde schwierig — Kaiserkrone-Aufstieg geht nur für trittsichere Hunde, die schmale Eisenleiter am Zirkelstein ist für Hunde ungeeignet. Alternative: Wolfsberg und Bielatal sind hundefreundlich.

Wann ist die schönste Zeit für Reinhardtsdorf-Schöna?

Mai und Oktober. Im Mai ist das Bielatal frisch grün, die Tafelberge sind ohne Massen, Pensionen 30 Prozent günstiger als im Sommer. Im goldenen Oktober gibt es stabile Hochdrucklagen, Buchenwald in Gold und klare Fernsicht bis zur Schneekoppe. Hauptsaison Juli/August ist warm aber voll, vor allem an Edmundsklamm-Tagen.

Gibt es eine Apotheke in Reinhardtsdorf-Schöna?

Nein — keine Apotheke im Ort. Die nächste liegt in Bad Schandau, 10 km entfernt, etwa 15 Minuten mit dem Auto oder S1. Im Notfall rotiert der Apothekennotdienst mit Bad Schandau und Sebnitz, die Liste hängt am Marktplatz Reinhardtsdorf aus. Wichtige Medikamente vor der Anreise einpacken.

Welche Restaurants sind in Reinhardtsdorf-Schöna empfehlenswert?

Gasthof Zirkelstein in Schöna für traditionelle sächsische Küche und Forelle aus eigenen Becken (Hauptgericht 14 bis 22 Euro). Restaurant zur Linde am Reinhardtsdorfer Marktplatz für Wildgerichte (16 bis 24 Euro). Berggasthof Kaiserkrone für einfache Wandergastronomie nur am Wochenende. Für gehobenere Auswahl nach Bad Schandau (10 km) fahren.

Lohnt sich ein Tagesausflug zur Festung Königstein?

Ja. Die Festung Königstein ist eine der größten Bergfestungen Europas auf einem 240 m hohen Tafelberg, 9,5 Hektar Fläche und über 50 Bauwerke aus 800 Jahren. 25 Minuten mit dem Auto oder per S1 plus Festungs-Express. Tageskarte ab 15 Euro, Kasematten-Tour zusätzlich 4 Euro. Plan einen ganzen Tag — die Festung hat eigene Brunnenstube und Weinkeller.

Wie hoch ist die Kurtaxe in Reinhardtsdorf-Schöna?

1,80 Euro pro Erwachsenem und Tag in der Hauptsaison (Mai bis Oktober), 1,20 Euro in der Nebensaison. Wird über die Pension mitabgerechnet. Die Gästekarte gibt Rabatte an der Festung Königstein, in der Toskana Therme Bad Schandau und auf der Kirnitzschtalbahn — lohnt sich ab dem zweiten Tagesausflug.
Was denkst du? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare — wir lesen jedes Feedback und antworten gern.
Kommentar schreiben →