Prag ist die fotogenste Stadt Europas – Berlin folgt dicht dahinter
In den letzten Monaten hat sich einiges rund um die Debatte entwickelt, welche Metropole denn nun die fotogenste in Europa ist — und warum Prag so oft ganz oben auftaucht, während Berlin dicht dahinter bleibt. Studienautoren und Social‑Media‑Analysten schauen inzwischen nicht mehr nur auf klassische Reiseführer oder Postkartenmotive; Likes, Hashtag‑Trends und automatische Motiverkennung durch KI‑Tools fließen immer stärker in die Bewertung ein. Das verändert nicht nur die Ranglisten, sondern auch, wie Städte sich selbst inszenieren: Straßenbeleuchtung wird gezielter geplant, Fassaden werden zur Bühne für Fotoshootings, und Tourist‑Infos kuratieren spezielle „Insta‑Routen“. Mir fällt auf, dass die Kamera heutzutage oft das Erste ist, das gezückt wird — fast so, als würden Plätze ihren eigenen digitalen Lebenslauf pflegen.
Prag bleibt auf Bildern ein Traum aus Türmchen, verwinkelten Gassen und diesem besonderen Licht über dem Fluss. Aktuelle Entwicklungen in der tschechischen Hauptstadt drehen sich weniger um neue Denkmäler als um die Pflege und Inszenierung alter Substanz: Restaurierungsprojekte an Fassaden, schonendere Beleuchtung in historischen Quartieren und temporäre Kunstinstallationen, die besonders in der Dämmerung für dramatische Motive sorgen. Gleichzeitig diskutieren lokale Behörden und Fotografenverbände über Regeln für kommerzielle Shootings, damit die Balance zwischen Alltag und Fototourismus nicht kippt. Ich persönlich habe den Eindruck, dass diese Maßnahmen die Bildqualität eher heben als schmälern — mehr Ruhe an beliebten Spots, dafür intensivere Augenblicke, die man mit der Kamera einfangen kann.
Berlin zeigt derweil ein ganz anderes Foto‑Gesicht: rauer, urbaner, ständig im Wandel. Neubauflächen, riesige Wandbilder und schräge Ecken liefern ständig neue Perspektiven, weil die Stadt eben nicht stehen bleibt. Neuere Initiativen konzentrieren sich auf temporäre Kunstprojekte und Fotofestivals, die gezielt junge Talente fördern und Experimentelles auf die Straße holen. Gleichzeitig gibt es Debatten um den Schutz von Wohnvierteln gegen Massentourismus, was sich direkt auf Fotospots auswirkt — mal sind bestimmte Ecken ruhiger, dann wieder von Pop‑ups überrannt. Wenn du in Berlin fotografierst, wirst du merken: Hier sind Geschichten wichtiger als perfekte Postkartenmotive. Die Kamera wird zum Notizblock für gesellschaftliche Veränderungen.
Was heißt das konkret für dich als Fotograf oder Reisender? Suchst du Klassiker mit inszeniertem Charme, zückt du vermutlich in Prag öfter die Kamera; liebst du atmosphärische, manchmal widersprüchliche Stadtbilder, dann zieht es dich eher nach Berlin. Achte auf lokale Hinweise zu Genehmigungen, probiere unterschiedliche Tageszeiten aus und hab keine Scheu vor kleinen Umwegen — abseits der klassischen Spots entstehen oft die besten Aufnahmen. Und ganz ehrlich: Manchmal sind es die unbeabsichtigten Schnappschüsse, die am längsten im Kopf bleiben.




