Lohmen liegt auf rund 280 Metern Höhe am Rand des Nationalparks Sächsische Schweiz, etwa 8 Kilometer östlich von Pirna und 30 Kilometer südöstlich von Dresden. Die sächsische Gemeinde mit knapp 3.000 Einwohnern verwaltet ein Gebiet, das touristisch deutlich größer wirkt als der Ortskern selbst: Die berühmte Basteibrücke liegt im Ortsteil Rathewalde, das Schloss Lohmen aus dem 16. Jahrhundert prägt das Dorfbild, die Wesenitz hat sich tief ins Sandsteinplateau gegraben und mündet hier in die Elbe-Zuflüsse. Wer Bastei, Schwedenlöcher und Amselsee in Reichweite haben will, ohne im engen Rathen zu wohnen, findet in Lohmen den ruhigeren Standort. Anders als Bad Schandau mit Therme und Kirnitzschtalbahn bleibt Lohmen Dorf — Pension, Gasthaus, Bauernhof. Mehr Stille, weniger Trubel, ähnlich kurze Wege zu den Hauptattraktionen. Aktuelle Tipps pflegt die Gemeindeverwaltung auf lohmen-sachsen.de.
Anreise und Erreichbarkeit
Lohmen liegt nicht direkt an der S-Bahn — der nächste Halt ist Pirna an der S1, von dort fährt der Bus 237 in 25 Minuten ins Ortszentrum. Wer das Auto nimmt, kommt über die A17 bis Abfahrt Pirna und dann auf der S164 ins Wesenitztal. Aktuelle Service-Adressen pflegt die Gemeindeverwaltung am Schloss Lohmen auf lohmen-sachsen.de.
Mit dem Auto
Aus Dresden fährst du die A17 Richtung Prag bis Abfahrt 3 Pirna, dann auf der B172 bis Pirna-Zentrum und auf der Staatsstraße S164 in 12 Minuten ins Wesenitztal nach Lohmen. Aus Norden kommst du über die A4 bis Dresden, dann auf die A17. Wichtig: Für den Bastei-Parkplatz oben auf dem Plateau folgst du nicht der Ortsdurchfahrt, sondern biegst in Rathewalde Richtung Bastei-Aussichtsstraße ab — dort liegt der große Tagesparkplatz auf rund 305 Metern Höhe.
Im Sommer sind die Bastei-Parkplätze ab 9 Uhr morgens voll — wer nach 10 Uhr ankommt, parkt am Ortsrand und läuft 30 bis 45 Minuten. An Wochenenden mit gutem Wetter empfehlen die Ranger des Nationalparks die Anreise mit der S1 nach Rathen und Aufstieg von dort. Für Tschechien-Tagesausflüge brauchst du die elektronische tschechische Mautplakette (über zehn Tage rund 9 Euro).
Mit der Bahn
Lohmen selbst hat keinen Bahnhof. Du fährst mit der S1 Meißen–Dresden–Schöna bis Pirna (Fahrzeit ab Dresden Hauptbahnhof rund 22 Minuten, alle 30 Minuten). Vom Busbahnhof Pirna fährt der Bus 237 stündlich nach Lohmen — Haltestelle Lohmen Mitte oder Lohmen Schloss, Fahrzeit 25 Minuten. Aktuelle Verbindungen prüfst du auf bahn.de oder über den Verkehrsverbund Oberelbe.
Direkt zur Bastei bietet sich ein anderer Weg an: S1 bis Bahnhof Rathen am linken Elbufer, Personenfähre über die Elbe (alle 15 Minuten), dann 45 Minuten Aufstieg über den Schwedenlöcher-Treppenweg. Wer aus Lohmen kommt, läuft die 4 Kilometer durch Rathewalde zur Basteibrücke ohne Umweg über die Elbe.
Mit dem Flugzeug
Nächster Verkehrsflughafen ist Dresden (DRS), etwa 35 km entfernt. Vom Flughafen kommst du mit der S2 in 22 Minuten zum Hauptbahnhof, dort steigst du in die S1 nach Pirna und in den Bus 237. Gesamtzeit Flughafen → Lohmen: rund 1:45 Stunden inklusive Umstiege. Alternativ Prag (PRG, 140 km) mit deutlich mehr Direktverbindungen, dann per Mietwagen über die D8 und A17.
Parken vor Ort
Im Ortskern Lohmen gibt es zwei Parkbereiche: Parkplatz am Schloss Lohmen (kostenfrei, 25 Plätze) und Parkplatz am Sportplatz (kostenfrei, 40 Plätze). Für die Bastei nimmst du den großen Tagesparkplatz Bastei-Parkplatz Rathewalde (Tagesticket 6 Euro, 1.200 Plätze) — ab dort 15 Minuten zu Fuß zur Brücke. Für die Schwedenlöcher-Tour parkst du am Wanderparkplatz Amselsee (3 Euro pro Tag) im Ortsteil Rathen. Pensionen und Bauernhöfe in Lohmen bieten meist Hofparkplätze für Übernachtungsgäste.
Bastei, Schwedenlöcher und Felsenburg Neurathen
Lohmen ist verwaltungstechnisch die Gemeinde, zu der die Bastei gehört — die berühmteste Aussicht der Sächsischen Schweiz liegt im Ortsteil Rathewalde, formal also auf Lohmener Flur. Drei Schwerpunkte:
Basteibrücke und Aussicht
Die Basteibrücke ist das Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz — eine 76 Meter lange Sandsteinbrücke aus dem Jahr 1851, die sieben Felsen zu einem Spazierweg verbindet. Die Aussicht liegt auf 305 Metern, rund 194 Meter über der Elbe. Eintritt zur Brücke selbst frei, der Aussichtspunkt mit Felsenburg Neurathen kostet 3 Euro Eintritt. Vom Bastei-Parkplatz Rathewalde sind es 15 Minuten zu Fuß über einen befestigten Weg, weitgehend barrierefrei. Die berühmten Bilder mit der Brücke vor den Felstürmen entstehen am sogenannten Ferdinandstein — kurzer Abstecher rechts vom Hauptweg.
Felsenburg Neurathen
Die Felsenburg Neurathen ist die größte mittelalterliche Felsenburg Sachsens, erbaut Ende des 13. Jahrhunderts als Schutzburg gegen böhmische Übergriffe. Heute begehbar als Freilichtmuseum, Eintritt 3 Euro über die Bastei-Kasse. Auf dem Felsplateau zwischen Felsspalten und Treppenstufen findest du Reste von Wachstuben, Zisternen und Mauerzügen. Lohnt sich besonders mit Kindern — fühlt sich an wie eine Burgruine aus dem Bilderbuch. Geöffnet April bis Oktober, Schließtag bei Frost wegen Sturzgefahr.
Schwedenlöcher und Amselsee
Der Schwedenlöcher-Treppenweg verbindet das Bastei-Plateau mit dem Tal Richtung Rathen — eine 700 Meter lange Schlucht mit über 800 Sandsteinstufen, im 30-jährigen Krieg Versteck der Bevölkerung vor schwedischen Truppen. Abstieg 30 Minuten, Aufstieg 45 Minuten, knietauglich nur in der Trockenzeit (Mai bis Oktober). Im Tal triffst du auf den Amselsee — einen kleinen Stausee aus dem Jahr 1934 mit Ruderboot-Verleih (4 Euro für 30 Minuten). Rund 1,5 km Spaziergang am Ufer, kein Eintritt, Saison Mai bis September. Aktuelle Wegezustände gibt der Nationalpark auf nationalpark-saechsische-schweiz.de an.
Top-Sehenswürdigkeiten
Schloss Lohmen
Das Schloss am Marktplatz stammt in seinen ältesten Teilen aus dem 16. Jahrhundert — ehemaliger Sitz der kurfürstlichen Verwaltung für das Amt Lohmen. Heute Sitz der Gemeindeverwaltung mit Heimatmuseum im Erdgeschoss. Eintritt Museum rund 3 Euro, geöffnet Mittwoch bis Sonntag, Schließtag Montag und Dienstag. Innenhof frei zugänglich, im Sommer Kulissenkonzerte.
Basteibrücke
Die berühmteste Aussicht der Sächsischen Schweiz auf 305 m über NN, etwa 4 km östlich vom Ortskern. Die Sandsteinbrücke aus dem Jahr 1851 verbindet sieben Felsen zu einem 76 m langen Spazierweg. Eintritt frei, kombiniert mit Felsenburg Neurathen 3 Euro. Anfahrt Bastei-Parkplatz Rathewalde, Tagesticket 6 Euro.
Daubemühle und Wesenitztal
Die Daubemühle an der Wesenitz im Ortsteil Doberzeit — eine der letzten erhaltenen Wassermühlen Sachsens, Mühlrad noch funktionsfähig. Schaubetrieb sonntags von Mai bis September, Eintritt rund 4 Euro. Direkt am Wanderweg durch das Wesenitztal, ideal für eine 6-km-Wanderung ab Lohmen-Mitte talabwärts.
Felsenburg Neurathen
Mittelalterliche Felsenburg auf dem Bastei-Plateau, erbaut Ende 13. Jahrhundert als Grenzfeste. Begehbares Freilichtmuseum mit Wachstuben-Resten, Zisternen, Schmiede-Nachbildung. Eintritt 3 Euro, geöffnet April bis Oktober. Direkt am Hauptweg von der Basteibrücke, etwa 200 m Umweg.
Amselsee und Amselgrund
Kleiner Stausee aus dem Jahr 1934 im Ortsteil Rathen, Ruderboot-Verleih (4 Euro pro 30 Min), 1,5 km Uferpfad. Im Amselgrund führt der Weg zum Amselfall (10 m hoher Wasserfall, ganzjährig sichtbar). Saison Mai bis September, Wege ganzjährig zugänglich.
Kirche St. Ursula
Die evangelische Pfarrkirche im Ortskern Lohmen stammt in ihrer heutigen Form aus dem Jahr 1788 — Saalkirche mit Kanzelaltar im Stil des sächsischen Barock. Eintritt frei, Schlüssel über das Pfarramt am Schloss. Sonntagsgottesdienst 10 Uhr, im Sommer Sommerkonzerte mit Orgel und Chor.
Aktivitäten und Erlebnisse
Was du in Lohmen unternimmst, hängt von Saison und Reisegruppe ab. Vier Konstellationen:
Im Frühling und Herbst
- Wandern auf dem Malerweg-Etappe 5 (Lohmen–Hohnstein), Bastei-Rundweg über Schwedenlöcher und Amselgrund — Routen 6 bis 14 km, alle vom Sächsischen Bergsteigerbund markiert
- Klettern in den Felsen der Bastei-Region — Klettergartenbereich Höllenhund und Talwächter, Verleih und Kurse über die SBB-Geschäftsstelle in Dresden
- Wesenitztal-Wanderung ab Lohmen-Mitte talabwärts zur Daubemühle, 6 km, weitgehend eben
- Kahnfahrt auf dem Amselsee in Rathen, Ruderboot-Verleih an der Anlegestelle
Im Sommer
- Felsenbühne Rathen mit Open-Air-Aufführungen — Karl May, Oper, klassische Stücke, Mai bis September, Karten ab 22 Euro über die Landesbühnen Sachsen
- Kanu-Tour auf der Wesenitz von Lohmen bis zur Mündung in die Elbe (12 km), Verleih in Dürrröhrsdorf
- Sommerkonzerte im Schlosshof Lohmen, mehrmals pro Saison, Programm der Gemeinde
- Bastei-Frühaufsteher: Vor 8 Uhr auf der Brücke — kein Eintritt nötig, kein Parkdruck
Mit Kleinkindern
Felsenburg Neurathen mit Wachstuben und Zisternen fasziniert Kinder von alleine. Der Bastei-Hauptweg ist kinderwagentauglich (ab Parkplatz Rathewalde), die Brücke selbst hat hohe Geländer. Amselsee mit Ruderboot-Verleih, Daubemühle mit Schauradlauf an Sommer-Sonntagen, Schloss Lohmen mit Heimatmuseum für Regentage.
Bei Regen und Schlechtwetter
- Heimatmuseum Schloss Lohmen mit Stadtgeschichte und Sandstein-Geologie
- Festung Königstein (15 km) mit Kasematten-Tour, teils unter Tage
- Schloss Pillnitz (25 km) — Wasserschloss mit Gewächshäusern an der Elbe
- Pirnaer Altstadt (8 km) mit Marienkirche, Sonnenstein, Stadtmuseum
Gastronomie und regionale Spezialitäten
Die sächsische Küche in Lohmen ist deftig und ländlich geprägt: Sauerbraten mit Klößen, Kartoffelsuppe, Quark mit Leinöl und Pellkartoffeln, dazu Wild aus den umliegenden Wäldern. Drei Anlaufstellen:
Restaurants im Ort
- Berghotel Bastei: Restaurant mit Aussichtsterrasse direkt am Bastei-Plateau, gehobene sächsische Küche, Hauptgericht 22 bis 38 Euro, Reservierung im Sommer Pflicht
- Gasthof Pirnaer Tor: traditionelle sächsische Wirtsstube am Lohmener Marktplatz, Hauptgericht 12 bis 22 Euro, abends Reservierung empfohlen
- Gaststätte Zur Linde: Dorfgasthof an der Hauptstraße, einfache Mittagskarte mit Tagesgerichten ab 9 Euro, familienfreundlich
- Daubemühle: Mühlen-Café mit Kuchen und kleinen Speisen, sonntags geöffnet von Mai bis September, Hauptgericht 10 bis 16 Euro
Hütten und Berggasthäuser
Das Berghotel Bastei auf 305 m bietet ganzjährige Küche mit Aussicht auf die Felstürme — Bratkartoffeln mit Speck, Wildgulasch, im Winter Glühwein. Erreichbar über den Bastei-Parkplatz Rathewalde in 15 Minuten zu Fuß. Die Berggaststätte Schwedenlöcher am Aufstieg vom Amselgrund ist im Sommer Sa/So und Feiertage geöffnet, von der Bastei rund 30 Minuten Abstieg. Bring kleines Geld mit — Karten nehmen sie nur eingeschränkt.
Cafés und Konditoreien
Das Café im Schlosshof Lohmen führt sächsische Eierschecke (Stück 4 Euro) und Quarkkeulchen mit Apfelmus, Saison Mai bis Oktober. Die Bäckerei Reuter an der Hauptstraße öffnet ab 6 Uhr und versorgt Frühaufsteher mit Brötchen vor der Wandertour. In der Daubemühle gibt es hausgebackene Mühlenbrote und Kürbiskuchen aus eigener Ernte.
Markttag
Wochenmarkt am Sonntagvormittag rotiert zwischen Schlossvorplatz Lohmen und dem Marktplatz Pirna — Termine über die Gemeindeverwaltung. Honig aus dem Wesenitztal, Quark vom Bauernhof Mockethal, Wild aus dem Lohmener Forst, Brot der Bäckerei Reuter. Wer in einer Ferienwohnung kocht, deckt sich hier ein.
Regionale Spezialitäten zum Mitnehmen
- Sächsische Eierschecke: dreischichtige Quark-Mohn-Tarte, klassisch Mittwochs frisch in der Bäckerei Reuter
- Honig aus dem Wesenitztal: Imker-Direktverkauf am Hofladen Lohmen-Mockethal, je nach Saison Linden-, Akazien- oder Waldhonig
- Gohrischer Kräuterbitter: Sandstein-Wandermitbringsel, im Hofladen am Schloss
- Sächsischer Quark mit Leinöl: typische Mitbringsel-Kombination, im Marktstand am Sonntagvormittag
Events und Saisonkalender
Lohmen selbst ist eher ruhig, was Großevents angeht. Die wichtigsten Termine in der Region — generisch nach Quartal, weil sich die Daten jährlich verschieben:
Frühjahr (März bis Mai)
Saisonstart der Felsenburg Neurathen Anfang April, parallel öffnet das Heimatmuseum am Schloss Lohmen wieder regulär. Ende März und Anfang April läuft die Märzenbecher-Blüte im Polenztal nordöstlich von Lohmen — Hunderttausende der weißen Frühlingsblumen färben die Talaue, Wanderer aus Dresden machen sich an den Wochenenden auf. Anfang Mai eröffnet die Felsenbühne Rathen ihre Open-Air-Saison.
Sommer (Juni bis August)
Hauptsaison. Im Juli und August spielt die Felsenbühne Rathen jeden Abend — Karl May, Oper und klassische Stücke vor der natürlichen Sandsteinkulisse, Karten ab 22 Euro. Sommerkonzerte im Schlosshof Lohmen mehrmals pro Saison, kostenlos. Mitte August läuft das traditionelle Schlossfest Lohmen über ein Wochenende mit Mittelaltermarkt, Gauklern und Schaufechten.
Herbst (September bis Oktober)
Goldener Oktober ist die heimliche Hauptsaison für Wanderer — Sandstein in der tiefen Sonne, Buchenwälder im Wesenitztal in Goldgelb, stabile Hochdrucklagen ohne Sommer-Hitze. Anfang Oktober findet das Lohmener Erntedankfest mit Korso und Hofladen-Markt statt. Ende Oktober schließt die Felsenburg Neurathen, das Heimatmuseum am Schloss bleibt geöffnet.
Winter (November bis Februar)
Adventsmarkt am Schlossvorplatz Anfang Dezember — kompakt, drei Tage, ohne Massen. Silvesterbummel rund um die Bastei mit klarer Sicht über das Elbtal, oft Hochnebel im Tal und sternklare Höhe. Im Januar und Februar ist Lohmen fast menschenleer — Pensionen geben Wellnesspakete mit 25 bis 35 Prozent Rabatt.
Geschichte und Kultur
Lohmen wird erstmals 1241 urkundlich erwähnt — damals noch als slawische Siedlung am Wesenitzbach. Der Name geht vermutlich auf das slawische "lom" (Bruch, Steinbruch) zurück und verweist auf die jahrhundertelange Sandsteingewinnung in der Region.
Vom Sandsteinbruch zum Bastei-Tor
Der Lohmener Sandstein ist eine der berühmtesten deutschen Bausteinsorten — über Jahrhunderte gebrochen und auf dem Wasserweg über Wesenitz und Elbe nach Dresden, Leipzig und Berlin transportiert. Das Reichstagsgebäude in Berlin enthält Lohmener Sandstein, ebenso Teile der Dresdner Frauenkirche. Bis ins frühe 20. Jahrhundert wurde im Lohmener Steinbruch aktiv abgebaut, heute ist der Bruch Naturdenkmal.
Schloss Lohmen und Amtssitz
Das Schloss Lohmen wurde im 16. Jahrhundert als kurfürstlicher Amtssitz errichtet — die Verwaltung des Amtes Lohmen umfasste bis ins 19. Jahrhundert große Teile der Vorderen Sächsischen Schweiz inklusive Hohnstein und Rathen. Der dreiflügelige Renaissance-Bau mit Treppenturm gilt als eines der besser erhaltenen Verwaltungsschlösser Sachsens. Heute Gemeindeverwaltung, Heimatmuseum und Veranstaltungsort.
Tourismus seit 1851
Die heutige Tourismusgeschichte beginnt mit der Basteibrücke: Vorher führte ab 1824 eine schlichte Holzbrücke über die Felsspalten, 1851 ersetzt durch die heutige Sandsteinbrücke. Mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie Dresden–Bodenbach 1851 kamen die ersten Tagesgäste aus Dresden — die "Sächsische Schweiz" als Reisemarke wurde geboren. Lohmen entwickelte sich zur Übernachtungsadresse für Bastei-Wanderer, ein Status, den der Ort bis heute hält.
Wetter und beste Reisezeit
Das Klima auf dem Lohmener Sandsteinplateau ist gemäßigt-kontinental und etwas trockener als in den westdeutschen Mittelgebirgen. An der DWD-Station Hohnstein (327 m, vergleichbare Höhenlage) liegt die Jahresmitteltemperatur bei 8,7 Grad und der Niederschlag bei 720 mm. Auf dem Plateau in Lohmen (280 m) ist es etwas wärmer als in Hohnstein, im Wesenitztal nochmal 1 Grad mehr. Schnee liegt meist nur an 25 bis 30 Tagen pro Jahr — auf dem Bastei-Plateau im Winter oft Raureif statt geschlossener Schneedecke. Quelle: DWD, Mittelwerte 1991–2020.
Beste Reisezeit für Familien
Mai & September
Hochsaison Wandern
Juli & August
Ruhe und Kontemplation
November bis Februar
Praktische Tipps
- € Kurtaxe: Lohmen erhebt keine eigene Kurtaxe (Stand 2026). Bastei-Parkplatz Rathewalde 6 Euro pro Tag, Felsenburg Neurathen 3 Euro Eintritt. Pensionen rechnen Übernachtung netto ab.
- 🐕 Hunde: in Lohmen und im Nationalpark Sächsische Schweiz erlaubt, ganzjährige Leinenpflicht im Schutzgebiet und auf allen markierten Wanderwegen. Auf der Basteibrücke an die kurze Leine. In Pensionen meist willkommen, Zuschlag 5 bis 12 Euro pro Tag.
- 📶 Mobilfunk und WLAN: kostenfreies Hotspot-Netz am Schloss Lohmen und am Bastei-Parkplatz Rathewalde. Im Wesenitztal und in den Schluchten oft kein Empfang — Karten offline laden, Komoot oder Outdooractive vor der Tour herunterladen.
- + Apotheke und Ärzte: Apotheke an der Hauptstraße Lohmen, Hausarztpraxis am Marktplatz. Notdienst rotiert mit Pirna und Hohnstein. Nächstes Krankenhaus: Klinikum Pirna (8 km), Universitätsklinikum Dresden (30 km).
- € Geldautomaten: Sparkasse Sächsische Schweiz an der Hauptstraße Lohmen, weiterer Automat in Pirna am Markt. Im Berghotel Bastei und in der Daubemühle teils nur Bargeld — vor der Tour 50 Euro abheben.
- ♿ Barrierefreiheit: Bastei-Hauptweg vom Parkplatz Rathewalde zur Brücke weitgehend kinderwagen- und rollstuhltauglich (befestigt, leichte Steigung). Felsenburg Neurathen mit Treppen, nicht barrierefrei. Schwedenlöcher mit 800 Stufen ausschließlich für Geübte. Schloss-Museum mit Aufzug ins Erdgeschoss.
- ⌘ Wer ohne Auto kommt, setzt auf die Wandertaxis der Region — Kleinbusse vom Bahnhof Pirna bis zum Bastei-Parkplatz, Buchung am Vortag bei Taxi Pirna, Pauschale rund 18 Euro pro Person.
- i Tourist-Information: Schloss Lohmen, ganzjährig Mi–So geöffnet, in der Hauptsaison auch Mo. Wanderkarten, Veranstaltungspläne, Bastei-Kombitickets. Telefonische Auskunft über die Gemeinde.
Insider-Tipps
Vier Spots, die nicht in jedem Reiseführer stehen:
Bastei vor Sonnenaufgang
Der Aufstieg ab Bastei-Parkplatz Rathewalde dauert keine 15 Minuten und ist gut beleuchtet. Wer vor 7 Uhr morgens auf der Brücke steht, hat im Mai und September oft Frühnebel im Elbtal — die Felstürme ragen wie Inseln daraus hervor. Frühstück danach im Berghotel Bastei oder zurück nach Lohmen ins Café im Schlosshof.
Daubemühle am Sonntag
Die Wassermühle im Ortsteil Doberzeit setzt sonntags von Mai bis September ihr Mühlrad in Betrieb — Vorführung von Mahlgang und Schaubackofen, dazu Mühlenkaffee und hausgebackener Kürbiskuchen. Anfahrt 6 km Wanderweg ab Lohmen-Mitte talabwärts oder 4 km mit dem Auto über Mockethal. Der Mühlenverein freut sich über Spenden.
Hocksteinaussicht statt Bastei
Der Hockstein auf 290 Metern liegt 5 km nördlich der Bastei und bietet einen vergleichbaren Panoramablick auf das Polenztal — ohne Eintritt, ohne Massen, ohne Parkplatzgebühr. Anfahrt mit dem Auto bis zum Wanderparkplatz Hocksteinschänke, dann 20 Minuten zu Fuß. Die historische Wolfsschlucht mit Eisenleitern führt vom Hockstein hinunter ins Polenztal — 100 Höhenmeter, Schwindelfreiheit empfohlen.
Polenztal mit Märzenbecher-Wiesen
Das Polenztal nordöstlich von Lohmen ist im März und April berühmt für seine Märzenbecher-Blüte — Hunderttausende der weißen Frühlingsblumen färben die Talaue. Anfahrt mit dem Auto bis Wanderparkplatz Waltersdorf oder Hocksteinschänke, dann 1 bis 2 Stunden Wanderung am Bach entlang. Die Blüte dauert etwa drei Wochen Ende März bis Mitte April, jeweils tagesaktuell auf den Seiten des Nationalparks.
Umgebung und Tagesausflüge
Die Region rund um Lohmen hat mehr zu bieten als die Bastei. Drei Tagestouren für drei Wettertypen:
Bei Sonne: Festung Königstein und Lilienstein (15 km)
Mit dem Auto in 25 Minuten zur Festung Königstein — eine der größten Bergfestungen Europas auf 240 m Tafelberg, 9,5 Hektar Fläche, über 50 Bauwerke aus 800 Jahren. Tageskarte ab 15 Euro über die Festung Königstein, Kasematten-Tour zusätzlich 4 Euro. Plan einen halben Tag, danach 20 Minuten Anstieg zum Lilienstein-Tafelberg gegenüber.
Bei Wechselwetter: Pirna Altstadt (8 km)
Bus 237 in 25 Minuten oder Auto in 12 Minuten. Marktplatz mit Marienkirche (Wandmalereien aus dem 16. Jahrhundert), Schloss Sonnenstein als Aussichtspunkt, das Canaletto-Haus am Markt mit der Kopie des berühmten Pirna-Gemäldes von Bernardo Bellotto. Mittagessen im Brauhaus Pirna, Stadtmuseum als Schlechtwetter-Option, Eintritt rund 4 Euro.
Bei Regen: Dresden Altstadt (30 km)
Bus 237 nach Pirna, dann S1 in 22 Minuten zum Hauptbahnhof, danach zu Fuß ins Zentrum. Frauenkirche (Wiederaufbau 2005, Eintritt frei), Zwinger mit Alter Meister-Galerie (rund 14 Euro), Semperoper-Führung (rund 14 Euro), Residenzschloss mit Grünem Gewölbe. Mittagessen am Neumarkt, Rückfahrt zur S1 vor 20 Uhr — danach nur noch stündlich.
Weitere Tagesziele (40 bis 100 km)
- Schloss Pillnitz: Wasserschloss mit chinoisem Dachstuhl, 25 km elbabwärts, mit dem Raddampfer von Pirna erreichbar.
- Bad Schandau: Kurort mit Toskana Therme und Personenaufzug, 25 km elbaufwärts, ideal mit Kombi-Wanderung Schrammsteine.
- Děčín (Tetschen): tschechisches Pendant am Elbufer, 50 km südlich, Schloss und Aussichtsturm Pastýřská stěna.
- Meißen: Albrechtsburg und Porzellanmanufaktur, 55 km elbabwärts, mit dem Auto in 1:00 Stunde.




