Karolinenviertel und Sternschanze (kurz „die Schanze“) sind Hamburgs alternative Trend-Quartiere zwischen Reeperbahn und Eimsbüttel — zwei eng verzahnte Stadtteile, die seit den 1990er Jahren vom Arbeiter- und Migranten-Viertel zum hip-multikulturellen Hotspot der Hansestadt wurden. Auf gut einem Quadratkilometer drängen sich Cafés, Boutiquen, Bio-Läden, Tattoo-Studios, vegane Restaurants und Bars zwischen Gründerzeit-Häusern, die vor 30 Jahren noch leer standen. Das Schulterblatt und die Susannenstraße bilden die Trend-Achse der Schanze, die Marktstraße und die Karolinenstraße prägen das benachbarte Karoviertel. Zentrales Wahrzeichen: die Rote Flora, ein seit 1989 besetztes alternatives Kulturzentrum mit dauerhaft umkämpftem Status, und der Wasserturm von 1907 bis 1910, der heute als Mövenpick-Hotel die Skyline des Sternschanzenparks dominiert. Jedes Jahr am 8. und 9. August steigt das Schanzenfest — Anwohner-Sommerfest mit Demo-Tradition, das ebenso für gute Stimmung wie gelegentliche Krawalle steht. Wer Hamburgs linke Szene, Streetart und echtes Multikulti sucht, fährt mit der S11 oder S21 zur Station Sternschanze und ist mittendrin.

Anreise und Erreichbarkeit

Karolinenviertel und Sternschanze liegen zentral zwischen Reeperbahn und Eimsbüttel, nur wenige Gehminuten vom Hamburger Hauptbahnhof entfernt. Beide Viertel sind hervorragend an den ÖPNV angebunden und in der Praxis am bequemsten mit S-Bahn oder U-Bahn zu erreichen — Auto ist hier mehr Last als Lust.

Mit der Bahn und dem ÖPNV

Die wichtigste Adresse für die Schanze ist die S-Bahn-Station Sternschanze, bedient von den Linien S11, S21 und S31 sowie zusätzlich von der U3. Ab Hauptbahnhof sind es nur zwei bis drei Minuten Fahrt. Wer ins Karoviertel will, fährt mit der U3 bis Feldstraße oder St. Pauli — von dort sind es fünf Minuten Fußweg zur Marktstraße. Beide Viertel grenzen direkt aneinander und sind in 15 Minuten zu Fuß komplett durchquert.

Mit dem Auto

Über die A7 von Norden oder Süden bis zur Ausfahrt Volkspark, dann über die Stresemannstraße Richtung Innenstadt. Aus Richtung A1 und A24 über den Hamburger Ring zur Ausfahrt Stresemannstraße. Parkplätze sind im Viertel rar und kostenpflichtig — am besten Parkhaus am Heiligengeistfeld oder am Millerntor-Stadion nutzen. In Wohnstraßen wie der Susannenstraße gilt fast überall Anwohner-Parken.

Mit dem Flugzeug

Hamburg Airport (HAM) liegt rund 12 Kilometer nördlich. Vom Flughafen mit der S1 zum Hauptbahnhof und dort umsteigen in die S11 oder S21 — Gesamtfahrt rund 35 Minuten. Wer mit Gepäck unterwegs ist, nimmt alternativ ein Taxi für rund 25 Euro direkt bis Sternschanze.

Vor Ort bewegen

Beide Viertel sind komplett zu Fuß erkundbar. Die Hauptachse zwischen Schulterblatt im Norden und Marktstraße im Süden misst keine 800 Meter Luftlinie. Fahrrad und StadtRAD-Leihräder sind eine sinnvolle Alternative, gerade für den Übergang ins benachbarte St. Pauli oder zur Alster. Das ganze Quartier ist verkehrsberuhigt mit Tempo 30, einige Abschnitte sind echte Fußgängerzone.

Hamburg Hbf 2 km ~3 min S11/S21
Reeperbahn 1 km ~12 min zu Fuß
Landungsbrücken 2 km ~10 min U3
Flughafen HAM 12 km ~35 min S1/S11
Lübeck 68 km ~1:00 h via A1

Geschichte der beiden Viertel

Karoviertel: Vom Schweinemarkt zum Szene-Quartier

Das Karolinenviertel verdankt seinen Namen Königin Karoline Mathilde von Großbritannien und entstand ab Mitte des 19. Jahrhunderts als Arbeiterviertel rund um den damaligen Hamburger Schweinemarkt. Bis weit ins 20. Jahrhundert lebten hier Hafenarbeiter, kleine Händler und ab den 1960er Jahren zunehmend Familien aus der Türkei, Griechenland und Portugal. Die enge Gründerzeit-Bebauung blieb weitgehend erhalten — anders als in vielen anderen Hamburger Vierteln. Heute prägen Cafés, kleine Mode-Boutiquen, Plattenläden und vegane Spots die Marktstraße, ohne dass die multikulturelle Substanz komplett verschwunden wäre.

Sternschanze: Von der Verteidigung zur Roten Flora

Der Name Sternschanze geht zurück auf eine sternförmige Befestigungsanlage, die im 17. Jahrhundert zur Verteidigung Hamburgs vor schwedischen Truppen errichtet wurde. Heute erinnert nur der Sternschanzenpark daran. Die Wende kam Anfang der 1980er Jahre, als leerstehende Häuser von der Hausbesetzer-Szene übernommen wurden — der Schulterblatt-Block mit dem späteren Kulturzentrum „Rote Flora“ wurde 1989 besetzt und ist bis heute das umkämpfteste Symbol der autonomen Hamburger Linken.

Gentrifizierung seit den 1990ern

Beide Viertel waren in den späten 1980er Jahren stark sanierungsbedürftig, mit hohen Leerständen und niedrigen Mieten. Ab Mitte der 1990er Jahre setzte die Gentrifizierung ein: erst Studierende und Kreative, dann Werbeagenturen und Mode-Labels, schließlich Investoren und Eigentumswohnungen. Die Mieten haben sich seit 2000 vervierfacht, alteingesessene Bewohner ziehen häufig in Randstadtteile. Der Schanzenfest-Krawall jedes Jahr im August ist auch ein Symbol für diesen Konflikt zwischen ursprünglichem Anwohner-Milieu und neuer Bewohner-Schicht.

Die 6 Highlights im Überblick

Rote Flora am Schulterblatt

Das seit November 1989 besetzte Kulturzentrum im ehemaligen Flora-Theater ist das wichtigste Symbol der autonomen Linken Hamburgs. Die Fassade mit ihren Graffiti, Plakaten und Transparenten gehört zu den fotografierten Motiven der Stadt. Konzerte, Lesungen, politische Versammlungen — die Rote Flora ist Veranstaltungsort und Streitobjekt zugleich.

Wasserturm und Mövenpick-Hotel

Der Wasserturm im Sternschanzenpark wurde zwischen 1907 und 1910 in Backstein errichtet, war damals der größte Wasserturm Europas und versorgte Hamburg jahrzehntelang mit Trinkwasser. Seit 2007 beherbergt er ein Mövenpick-Hotel mit über 220 Zimmern und einer Aussichts-Bar in 60 Metern Höhe — die letzten 60 Meter sind gelungen restauriert.

Schulterblatt und Susannenstraße

Die zentrale Achse der Schanze: Cafés, Bars, Restaurants, Tattoo-Studios, Plattenläden, Streetart und Buchläden reihen sich auf rund 600 Metern aneinander. Vom Frühstücks-Café bis zur Late-Night-Bar ist hier alles vertreten. Am Wochenende-Abend wird das Schulterblatt zur Fußgänger-Flaniermeile.

Bullerei von Tim Mälzer

Das Restaurant von Tim Mälzer in den alten Schweinemarkt-Hallen am Lagerstraße ist seit 2009 eines der bekanntesten Lokale Hamburgs. Industrial Chic, lange Holztische, offene Küche — die Bullerei serviert deftige deutsche Küche mit modernem Twist. Reservierung an Wochenenden Pflicht, Hauptgänge zwischen 22 und 38 Euro.

Altes Mädchen Bier-Brauhaus

Direkt neben der Bullerei in den ehemaligen Schlachthof-Hallen liegt das Brauhaus Altes Mädchen — eine Mikrobrauerei mit über 60 Craft-Bieren im Ausschank, kleinem Biergarten und deftiger Küche. Brauerei-Touren am Wochenende möglich. Das Hofgelände ist ein Hotspot für Foodies, Fotografen und After-Work-Runden.

Sternschanzenpark mit Schanzenturm

Die grüne Lunge des Viertels, gut neun Hektar groß, mit altem Baumbestand, Liegewiesen und dem Schanzenturm als Aussichtspunkt. Vom Turm reicht der Blick über Schanze, Karoviertel, Heiligengeistfeld bis zur Reeperbahn. Im Sommer treffen sich hier Anwohner zum Grillen, Picknicken und für spontane Konzerte unter freiem Himmel.

Schanze, Karoviertel, Reeperbahn oder Eppendorf — welcher Stadtteil passt?

Kriterium
Sternschanze
Karoviertel
Reeperbahn
Eppendorf
HafenCity
Charakter
Alternativ
Multikulti
Party-Kiez
Bürgerlich
Modern-Schick
Streetart-Dichte
Sehr hoch
Hoch
Mittel
Niedrig
Niedrig
Gastro-Vielfalt
Sehr hoch
Hoch
Hoch (Bar)
Mittel
Mittel
Familien-tauglich
Tagsüber ja
Tagsüber ja
Eher nein
Sehr
Gut
Lautstärke
Hoch nachts
Mittel
Sehr hoch
Niedrig
Niedrig
Mietpreis
Hoch
Mittel
Hoch
Sehr hoch
Sehr hoch
ÖPNV-Anschluss
S11/S21/U3
U3 Feldstraße
S1/S3 + U3
U1/U3
U4

Wer Hamburg-typisches Großstadt-Leben mit Streetart, Cafés und linker Szene sucht, ist in der Schanze richtig. Wer das Multikulti-Flair mit kleineren Läden und weniger Trubel will, geht ins Karoviertel.

Schulterblatt und Susannenstraße im Detail

Schulterblatt — die Trend-Achse

Das Schulterblatt zieht sich rund 600 Meter zwischen Sternschanzenpark und Altona-Altstadt entlang und ist die wichtigste Straße der Schanze. An ihr liegen die Rote Flora, das Café SternChance, viele Bars und einige der bekanntesten Hamburger Restaurants. Am Wochenende-Abend füllen sich die Bordsteine mit Menschen, die mit Drinks vor den Bars stehen — das Schulterblatt wird dann faktisch zur Flaniermeile.

Susannenstraße — die ruhigere Schwester

Parallel zum Schulterblatt verläuft die Susannenstraße, etwas kürzer und deutlich entspannter. Kleine Boutiquen, ein vietnamesischer Imbiss, der berühmte Vinyl-Laden „Hanseplatte“ — die Susannenstraße ist für tagsüber besser geeignet als für Late-Night-Sessions. Schöne Gründerzeit-Fassaden mit aufwendigen Stuck-Elementen.

Bartelsstraße und Schanzenstraße

Die Bartelsstraße verbindet Schulterblatt und Susannenstraße quer und ist berühmt für ihre Bars und die portugiesische Bäckerei Pão. Die Schanzenstraße führt weiter Richtung Altona und bietet eine Mischung aus Möbel-Geschäften, Galerien und Designer-Studios — etwas weniger touristisch, dafür alltäglicher.

Karoviertel: Marktstraße und Drumherum

Marktstraße — das Herz

Die Marktstraße ist die wichtigste Achse im Karoviertel — rund 500 Meter zwischen Feldstraße und Karolinenstraße. Hier reihen sich Cafés, Modemacher-Studios, ein Bio-Supermarkt, mehrere türkische und portugiesische Imbisse aneinander. Die Atmosphäre ist deutlich kleinteiliger als in der Schanze, die Läden sind häufig inhabergeführt und kreativ.

Karolinenstraße und Beim Schlump

Die Karolinenstraße ist die namensgebende Straße des Viertels und führt vom Heiligengeistfeld bis zur Sternschanze. Beim Schlump liegt der südwestliche Rand des Karoviertels mit kleinen Spielplätzen und einer Kirche. Hier ist das Viertel am ruhigsten und am wenigsten touristisch — echte Nachbarschaft mit Familien, Kindern und alteingesessenen Bewohnern.

Schlachthof-Block und Schweinemarkt-Hallen

Am östlichen Rand des Karoviertels liegt das alte Schlachthof-Gelände mit den umgewidmeten Schweinemarkt-Hallen, in denen heute die Bullerei und das Altes Mädchen ihren Sitz haben. Die rote Backstein-Architektur stammt aus dem späten 19. Jahrhundert und steht unter Denkmalschutz. Ein perfekter Mix aus Industrie-Geschichte und moderner Gastro.

Restaurants und Cafés im Viertel

Erika's Eck — 24 Stunden Bistro

Das vielleicht legendärste Lokal der Schanze: Erika's Eck an der Ecke Sternstraße / Schanzenstraße hat 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche geöffnet. Klassisches Bistro mit Frikadellen, Brötchen, Suppe und Bier — Treffpunkt für Taxifahrer, Nachtschwärmer, Frühaufsteher und Studenten gleichermaßen. Eine Hamburger Institution seit Jahrzehnten.

Tim Mälzers Bullerei

In den alten Schweinemarkt-Hallen serviert Tim Mälzer seit 2009 deftige Küche mit modernem Twist. Die Bullerei ist zwar mittlerweile etabliert, hat aber von ihrer Anfangs-Lässigkeit nichts verloren. Empfehlung: das Tatar und die Pasta des Tages. Hauptgänge 22 bis 38 Euro, Reservierung am Wochenende mehrere Wochen vorher.

Altes Mädchen Brauhaus

Mikrobrauerei mit über 60 Craft-Bieren im Ausschank, einem Hof mit langen Tischen und deftiger Küche. Brauereiführungen am Wochenende, eigenes Bier-Sortiment auch zum Mitnehmen. Im Sommer einer der vollsten Biergärten Hamburgs.

Vegane Spots

Beide Viertel haben eine sehr aktive vegane Szene. Das „Sattgrün“ in der Susannenstraße bietet vegane Buffets, der „Pony Bar“-Block hat mehrere vegan-freundliche Adressen. Im Karoviertel ist die „Veganista“ für Eis bekannt, die „Marktstraße 13“ für vegane Burger. Für eine Großstadt mittlerweile vergleichsweise dichte vegane Infrastruktur.

Praktische Tipps für den Besuch

  • HVV-Tagesticket statt Einzelfahrten

    Wer Schanze, Karoviertel und Reeperbahn an einem Tag kombinieren will, fährt mit einem HVV-Tagesticket für rund 8 Euro. Die ÖPNV-Verbindungen zwischen den Vierteln sind so dicht, dass sich mehrere Fahrten schnell rechnen. Tagesticket gilt bis 6 Uhr morgens am Folgetag.

  • Schanzenfest 8. und 9. August

    Das Schanzenfest ist Hamburgs alternativstes Anwohner-Sommerfest mit Demo-Tradition und gelegentlichen Krawallen. Familien-tauglich ist es nur tagsüber bis etwa 18 Uhr — danach füllt sich das Viertel mit Demo-Gruppen und Hooligans aus dem Umland. Wer feiern will, kommt früh, wer ruhig schauen will, verschiebt den Besuch um eine Woche.

  • + Bullerei und Altes Mädchen reservieren

    Beide Lokale am Schlachthof-Block sind an Wochenenden Wochen vorher ausgebucht. Wer spontan kommt, hat unter der Woche bessere Chancen oder sollte zur Lunch-Zeit zwischen 12 und 14 Uhr einplanen. Die Bar im Altes Mädchen nimmt auch ohne Reservierung Platz.

  • i Streetart auf eigene Faust

    Die Bartelsstraße, die Wohlwillstraße und die Seitenstraßen am Schulterblatt sind die besten Streetart-Spots. Motive wechseln häufig — wer einen Klassiker fotografieren will, sollte schnell sein, manche Werke verschwinden nach Wochen wieder. Beste Lichtverhältnisse sind am späten Vormittag.

  • Erika's Eck nach Mitternacht

    Wer eine echte Schanze-Erfahrung sucht, geht zwischen 2 und 4 Uhr morgens ins Erika's Eck — Taxifahrer, Nachtschwärmer, Schicht-Arbeiter und Studenten teilen sich denselben Tresen bei Frikadelle und Bier. Eine der wenigen Hamburger Adressen, an denen Schanze noch ganz echt ist.

  • Barrierefreiheit gemischt

    Schulterblatt und Susannenstraße sind weitgehend ebenerdig, die meisten Bordsteine sind abgesenkt. Viele kleine Cafés haben jedoch Stufen am Eingang und enge Innenräume. Die Bullerei und das Altes Mädchen sind barrierefrei zugänglich, die S-Bahn Sternschanze hat Aufzüge zu allen Bahnsteigen.

  • Sternschanzenpark im Sommer

    Bei Sonnenschein wird der Sternschanzenpark zur Open-Air-Wohnung der Viertel — Decken, Grills, Sound-Systeme, Bier-Crates. Wer Ruhe sucht, geht morgens vor 11 Uhr, wer das Wochenend-Treiben erleben will, kommt nachmittags ab 15 Uhr. Müll bitte mitnehmen, das Viertel achtet darauf.

  • Bei Regen indoor planen

    Beide Viertel funktionieren auch bei Regen, weil die meisten Highlights drinnen liegen. Bullerei, Altes Mädchen, kleine Bars und Plattenläden sind perfekte Schlecht-Wetter-Stationen. Die Streetart-Tour fällt aber häufig weg — bei Regen sieht man die Motive nur schlecht und Fotos werden trüb.

Insider-Tipps

Geheim-Tipp Bartelsstraße

Die portugiesische Bäckerei Pão in der Bartelsstraße verkauft die besten Pastéis de Nata Hamburgs — frisch, warm, für 1,80 Euro das Stück. Häufig stehen Anwohner schon vormittags Schlange. Wer Glück hat, bekommt einen der drei Tische am Fenster und kann die Bartelsstraße bei Espresso beobachten.

Bester Streetart-Spot

Hinter der Roten Flora, in der schmalen Wohlwillstraße und an der Seitenwand des alten Postgebäudes finden sich täglich neue Stencils, Paste-Ups und großflächige Murals. Frühstücks-Zeit zwischen 9 und 11 Uhr ist ideal für Fotos — wenig Menschen, gutes Licht. Wer nicht weiß, wo er suchen soll, fragt im Buchladen „Lüders“ am Schulterblatt nach der aktuellen Streetart-Karte.

Restaurant-Geheimtipp

Das „Bento Restaurant“ in der Karolinenstraße ist eine kleine japanische Adresse, die viele Touristen übersehen — frische Bento-Boxen, Ramen und Mochi für faire Preise. Die Familie kocht seit über 20 Jahren im Karoviertel und ist eine der ältesten asiatischen Adressen Hamburgs.

Fazit: Hamburgs lebendigste Trend-Achse

Karolinenviertel und Sternschanze bilden zusammen die wohl lebendigste Trend-Achse Hamburgs — zwei eng verzahnte Stadtteile zwischen Reeperbahn und Eimsbüttel, in denen sich linke Szene, Multikulti, Streetart, Gentrifizierung und große Gastro auf engstem Raum begegnen. Wer die Schanze und das Karoviertel an einem Tag erkundet, bekommt einen ehrlichen Querschnitt durch das, was Hamburg jenseits von Alster und Speicherstadt ausmacht. Die Rote Flora als Symbol der autonomen Linken, der Wasserturm als gelungene Industrie-Renovierung, das Schulterblatt als Flaniermeile, die Marktstraße als kleinteiliges Multikulti — das alles auf einem Quadratkilometer. Wer mit S-Bahn, festen Schuhen, Neugier und einem offenen Magen anreist, erlebt zwischen Tim Mälzers Bullerei und Erika's Eck eine Großstadt-Erfahrung, die keine andere deutsche Stadt in dieser Dichte bietet.

HÄUFIGE FRAGEN

Wo genau liegen Karolinenviertel und Sternschanze in Hamburg?

Beide Viertel liegen zentral zwischen Reeperbahn im Süden und Eimsbüttel im Norden, nördlich der Stresemannstraße. Das Karoviertel gehört zu Hamburg-Mitte, die Schanze teilt sich auf Hamburg-Mitte und Altona auf. Beide Viertel grenzen direkt aneinander und sind in 15 Minuten zu Fuß komplett durchquert.

Wie komme ich am besten in die Schanze und ins Karoviertel?

Zur Sternschanze fahren die S-Bahn-Linien S11, S21 und S31 sowie die U3 — Station Sternschanze. Ins Karoviertel führt die U3 bis Feldstraße oder St. Pauli, von dort fünf Minuten zu Fuß. Ab Hamburg Hbf sind es nur 2 bis 3 Minuten Fahrt mit der S-Bahn.

Was ist die Rote Flora und kann ich sie besuchen?

Die Rote Flora ist ein seit November 1989 besetztes alternatives Kulturzentrum am Schulterblatt 71 im ehemaligen Flora-Theater. Sie ist Symbol der autonomen Hamburger Linken und Veranstaltungsort für Konzerte, Lesungen und politische Versammlungen. Die Fassade kann jederzeit von außen besichtigt werden, ins Innere kommt man nur zu öffentlichen Veranstaltungen.

Wann findet das Schanzenfest statt?

Das Schanzenfest steigt jedes Jahr am zweiten Wochenende im August, fast immer am 8. und 9. August. Es ist Anwohner-Sommerfest mit Demo-Tradition und gelegentlichen Krawallen am späten Abend. Tagsüber bis 18 Uhr familien-tauglich, danach Vorsicht — größte Krawalle in der Vergangenheit gegen Mitternacht.

Ist der Wasserturm im Sternschanzenpark öffentlich zugänglich?

Der Wasserturm wurde zwischen 1907 und 1910 gebaut und beherbergt seit 2007 ein Mövenpick-Hotel mit über 220 Zimmern. Die Aussichts-Bar in 60 Metern Höhe ist auch für Nicht-Übernachtungs-Gäste zugänglich. Restaurant und Bar im Erdgeschoss sind frei besuchbar, der Park rund um den Turm ist öffentliche Grünanlage.

Welche Restaurants im Viertel lohnen sich besonders?

Tim Mälzers Bullerei und das Altes Mädchen Brauhaus in den alten Schweinemarkt-Hallen sind die bekanntesten Adressen — Hauptgänge 22 bis 38 Euro, Reservierung am Wochenende mehrere Wochen vorher. Erika's Eck ist die 24-Stunden-Bistro-Institution. Im Karoviertel lohnen kleine türkische und portugiesische Imbisse in der Marktstraße.

Wie ist die Streetart-Szene in der Schanze?

Sternschanze gilt als der dichteste Streetart-Hotspot Hamburgs. Beste Spots sind die Bartelsstraße, die Wohlwillstraße und die Seitenwände rund um die Rote Flora. Motive wechseln häufig — Stencils, Paste-Ups und großflächige Murals erscheinen und verschwinden im Wochenrhythmus. Beste Foto-Zeit ist der späte Vormittag.

Sind die Viertel familien-tauglich?

Tagsüber problemlos — Cafés, Imbisse, Plattenläden und Parks sind kinderfreundlich. Der Sternschanzenpark hat Spielplätze, das Karoviertel ist generell ruhiger und familienorientierter als die Schanze. Abends und nachts wird vor allem die Schanze laut, mit Bordstein-Treffs und Bars — dann lieber zurück ins Hotel.

Was unterscheidet Karoviertel und Sternschanze voneinander?

Die Sternschanze ist deutlich lauter, touristischer und gastronomisch dichter mit Schulterblatt als Flanier-Achse. Das Karoviertel ist kleiner, ruhiger, stärker multikulti geprägt mit alteingesessenen türkischen und portugiesischen Familien. Schanze hat die größeren Marken, Karoviertel die individuelleren inhabergeführten Läden.

Wo finde ich gute vegane Restaurants in den Vierteln?

Beide Viertel haben eine sehr aktive vegane Szene. Das Sattgrün in der Susannenstraße bietet vegane Buffets, die Veganista im Karoviertel hat veganes Eis, die Marktstraße 13 vegane Burger. Mehrere klassische Cafés bieten zusätzlich vegane Frühstücks-Optionen. Für eine Großstadt mittlerweile vergleichsweise dichte vegane Infrastruktur.

Wie lange brauche ich für einen Besuch der beiden Viertel?

Ein guter Tagesbesuch dauert sechs bis acht Stunden. Vormittag in der Schanze mit Frühstück und Streetart, Mittag Wechsel ins Karoviertel mit Imbiss und Boutiquen, Nachmittag und Abend zurück in der Schanze für Bullerei oder Altes Mädchen. Wer alle Bars und das ganze Schulterblatt-Flair will, sollte zwei Tage einplanen.

Wie hat sich die Gentrifizierung auf die Viertel ausgewirkt?

Beide Viertel waren in den 1980er Jahren sanierungsbedürftig mit niedrigen Mieten — alteingesessene Familien, Hausbesetzer-Szene, große Migranten-Communities. Seit Mitte der 1990er Jahre haben sich die Mieten vervierfacht, viele ursprüngliche Bewohner mussten in Randstadtteile ziehen. Der Schanzenfest-Krawall im August ist auch ein Symbol für diesen Verdrängungs-Konflikt.
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