Andorra ist Europas vergessenes Fürstentum — ein 468 Quadratkilometer kleiner Staat zwischen Spanien und Frankreich, eingebettet in die östlichen Pyrenäen und seit 1278 als Co-Fürstentum von zwei Staatsoberhäuptern regiert. Der Bischof von Urgell aus Katalonien und der jeweils amtierende französische Staatspräsident teilen sich bis heute das Amt — eine konstitutionelle Konstruktion, die weltweit einmalig ist. Mit rund 80.000 Einwohnern, einer Hauptstadt auf 1.023 Metern Höhe und drei Amtssprachen Katalanisch, Spanisch und Französisch ist Andorra ein Vielvölkerstaat im Miniaturformat. Wer das Land bereist, findet sieben mittelalterlich gewachsene Parròquies (Pfarrgemeinden), die Casa de la Vall als ehemaliges Parlament aus dem 16. Jahrhundert, mehr als 40 romanische Kirchen, 65 Skipisten in Grandvalira und Vallnord, drei Naturparks und einen der modernsten digitalen Verwaltungsapparate Europas. Andorra erhebt keine direkten Einkommensteuern in klassischer Form, ist nicht Teil der EU, nutzt aber den Euro und steht traditionell außerhalb militärischer Bündnisse. Dieser Guide zeigt, warum sich vier bis sieben Tage lohnen — politisch, geschichtlich, landschaftlich und kulinarisch.

Anreise und Erreichbarkeit Andorras

Andorra hat keinen eigenen Flughafen und keinen Bahnanschluss — wer das Fürstentum erreichen will, kommt entweder aus Barcelona oder Toulouse mit dem Auto oder Bus. Die nächste Bahnstation ist L'Hospitalet-près-l'Andorre auf französischer Seite, von dort verkehren Shuttle-Busse über den Grenzpunkt Pas de la Casa.

Mit dem Auto

Aus Spanien führt die N-145 von La Seu d'Urgell zum südlichen Grenzposten Sant Julià de Lòria, die Strecke ab Barcelona dauert rund drei Stunden über die C-16. Aus Frankreich erreicht man Andorra über die N-22 und den Port d'Envalira-Pass auf 2.408 Metern — der höchste asphaltierte Pass der Pyrenäen, im Winter regelmäßig schneebedeckt. Ab Toulouse sind es etwa zweieinhalb Stunden. Ein Reisepass oder Personalausweis ist Pflicht, Andorra ist nicht Teil des Schengen-Raums, Stichproben an der Grenze finden statt.

Mit dem Bus

Direkte Busverbindungen gibt es von Barcelona Sants und vom Flughafen Barcelona El Prat mehrfach täglich, Fahrtdauer rund 3:00 bis 3:30 Stunden, Anbieter Andbus und Direct Bus. Von Toulouse Matabiau fährt Andorra Direct Bus in 3:30 Stunden. Aus Madrid gibt es Nachtbusse mit etwa 9 Stunden Fahrzeit. Tickets ab 35 Euro pro Strecke.

Mit dem Flugzeug

Der nächste internationale Flughafen ist Barcelona El Prat (BCN), etwa 200 Kilometer und drei Autostunden entfernt. Toulouse-Blagnac (TLS) ist etwa 180 Kilometer entfernt und bietet Direktverbindungen aus Frankfurt, München und Paris. Der kleine Regionalflughafen Andorra-La Seu d'Urgell auf spanischer Seite (rund 20 Kilometer von der Grenze) wird nur saisonal von Andorra Airlines mit Madrid und Mallorca bedient.

Vor Ort bewegen

Innerhalb Andorras verkehren öffentliche Buslinien zwischen allen sieben Parròquies, Tagestickets unter 4 Euro. Ein Mietwagen ist nur für die Bergdörfer und Wanderparkplätze wirklich nötig. Andorra la Vella selbst lässt sich zu Fuß erkunden, im Skigebiet Grandvalira verbinden Skibusse die Talstationen kostenlos. Tankstellen-Preise liegen 25 bis 30 Prozent unter Spanien und Frankreich.

Barcelona → Andorra la Vella 200 km ~3:00 h via C-16/N-145
Toulouse → Andorra la Vella 180 km ~2:30 h via N-22, Port d'Envalira
Madrid → Andorra la Vella 620 km ~6:30 h via A-2/AP-2
Paris → Andorra la Vella 880 km ~9:00 h via A20/N-22
Perpignan → Andorra la Vella 170 km ~2:45 h via N-22

Das politische System — Co-Fürstentum seit 1278

Andorra ist die letzte verbliebene parlamentarische Co-Monarchie der Welt. Die beiden Staatsoberhäupter teilen sich seit dem Pareatges-Vertrag von 1278 die Souveränität — einer der ältesten ununterbrochen gültigen Verfassungsverträge Europas. Der Bischof des katalanischen Bistums Urgell (Sitz in La Seu d'Urgell, Spanien) und der jeweils amtierende französische Staatspräsident sind beide Staatsoberhaupt mit gleichen Rechten. Bei Amtswechsel in Paris wechselt automatisch auch der andorranische Co-Fürst.

Verfassung von 1993

Erst 1993 erhielt Andorra eine moderne demokratische Verfassung, durch Referendum bestätigt mit 74,2 Prozent Zustimmung. Sie schuf ein parlamentarisches System mit dem Consell General (28 Abgeordnete, Generalrat), einer Regierung unter dem Cap de Govern (Regierungschef) und einer unabhängigen Justiz. Die beiden Co-Fürsten behielten formelle Rechte (Gesetzesausfertigung, internationale Vertretung), regieren aber nicht mehr aktiv.

Außenpolitik und Bündnisse

Andorra trat 1993 den Vereinten Nationen bei und 1994 dem Europarat. Es ist nicht Mitglied der EU, hat aber ein Währungsabkommen, das den Euro als offizielles Zahlungsmittel zulässt. Eine eigene Armee existiert nicht — die Landesverteidigung liegt vertraglich bei Spanien und Frankreich. Diese militärische Neutralität bewahrte Andorra durch beide Weltkriege.

Geschichte — vom Karolingerreich bis zur Verfassung

Andorras Geschichte beginnt im Frühmittelalter. Nach der Reconquista des heutigen Nordspaniens durch Karl den Großen wurde die Region als Pufferzone gegen die Mauren strategisch wichtig. Eine Legende führt die Gründung Andorras auf Karl den Großen persönlich zurück, der die Bewohner für ihre Hilfe gegen die Mauren mit eigener Souveränität belohnt habe. Erste urkundliche Erwähnungen stammen aus dem Carolingio, dem karolingischen Reich, in Form der Acta de Consagració (Konsekrationsurkunde der Kathedrale von Urgell, 839 n. Chr.). Die Pareatges-Verträge von 1278 und 1288 zwischen dem Bischof von Urgell und dem Grafen von Foix begründeten die bis heute gültige Doppelherrschaft. Über die Erbfolge des Hauses Foix und später der Krone Frankreichs gingen die weltlichen Rechte schließlich auf die französischen Könige und nach 1789 auf die jeweiligen Staatspräsidenten der Republik über.

Andorra la Vella — Hauptstadt auf 1.023 Metern

Andorra la Vella ist die höchstgelegene Hauptstadt Europas. Die Stadt liegt im Tal von Valira am Zusammenfluss von Valira del Nord und Valira d'Orient, etwa 22.000 Einwohner zählen direkt zur Gemeinde, mit den eingemeindeten Vororten Escaldes-Engordany und Santa Coloma fast 40.000. Das historische Zentrum Barri Antic ist ein verwinkeltes Geflecht aus Steinhäusern, schmalen Gassen und der Kirche Sant Esteve aus dem 12. Jahrhundert.

Casa de la Vall

Das Casa de la Vall im Barri Antic war von 1702 bis 2011 Sitz des andorranischen Parlaments, des Consell General. Erbaut als Herrenhaus der Familie Busquets im Jahr 1580, diente das Steingebäude über drei Jahrhunderte als Versammlungsort und Gericht. Im Inneren hängt das berühmte Armari de les Set Claus (Schrank der sieben Schlüssel) — ein eisenbeschlagener Schrank, der nur geöffnet werden kann, wenn alle sieben Schlüssel der sieben Parròquies gleichzeitig vorhanden sind. Hier wurden die Originale aller Staatsverträge verwahrt. Heute ist das Haus Museum und steht unter Welterbevorschlag.

Einkaufsstraße Meritxell

Die Avinguda Meritxell ist die Hauptverkehrsader der Stadt und gleichzeitig eine der bekanntesten Einkaufsmeilen der Pyrenäen. Zollfreie Waren, niedrige Mehrwertsteuer (4,5 Prozent statt 21 Prozent in Spanien) und ein breites Angebot an Elektronik, Parfüm, Alkohol und Tabakwaren ziehen täglich tausende Tagesbesucher aus Spanien und Frankreich an. Es gilt eine Freimenge bei der Wiederausfuhr, die bei Grenzkontrollen geprüft wird.

Die sieben Parròquies

Andorra ist administrativ in sieben Parròquies (Pfarrgemeinden) gegliedert, die wie Bundesländer eigene Verwaltungen besitzen — die Comuns. Jede Parròquia entsendet vier Abgeordnete in den Consell General. Diese Aufteilung geht auf die mittelalterliche Kirchenstruktur zurück.

Andorra la Vella

Die Hauptstadt mit Casa de la Vall, Barri Antic und Avinguda Meritxell. Politisches und kommerzielles Zentrum, rund 22.000 Einwohner direkt in der Gemeinde.

Canillo

Größte Parròquia nach Fläche, Heimat des Skigebiets Grandvalira-Soldeu und der wunderbaren Romanikkirche Sant Joan de Caselles aus dem 11. Jahrhundert.

Encamp

Verbindet die Hauptstadt mit dem Skigebiet, beherbergt das Nationale Automobilmuseum und die Seilbahn Funicamp zur höchstgelegenen Skipiste von Grandvalira.

Escaldes-Engordany

Direkt an Andorra la Vella anschließend, Heimat von Caldea — dem größten Thermalspa Südeuropas — gespeist aus heißen Schwefelquellen mit 70 Grad Wassertemperatur.

La Massana

Tor zum Skigebiet Vallnord-Pal-Arinsal und Ausgangspunkt für Wanderungen zum Coma Pedrosa, dem mit 2.942 Metern höchsten Berg Andorras.

Ordino

Die ländlichste Parròquia, vom UNESCO seit 2020 als Biosphärenreservat anerkannt, mit den romanischen Kirchen von Sant Martí de la Cortinada und La Cortinada.

Die siebte Parròquia ist Sant Julià de Lòria im Süden — der Grenzort zu Spanien, bekannt für das Tabakmuseum (Tabakanbau war jahrhundertelang ein wichtiger Wirtschaftszweig) und die jährliche Festa del Roser.

Pyrenäen-Geographie und Naturparks

Andorras Topographie ist geprägt von den östlichen Pyrenäen. Die durchschnittliche Höhe liegt bei 1.996 Metern, der höchste Punkt ist der Coma Pedrosa mit 2.942 Metern in der Parròquia La Massana. Drei Haupttäler — Valira del Nord, Valira d'Orient und Gran Valira — strukturieren das Land. Etwa 36 Prozent der Landesfläche stehen unter Naturschutz. Drei Naturparks sind besonders schützenswert: der Parc Natural de la Vall de Sorteny in Ordino (Hochgebirgsflora mit über 700 Pflanzenarten), das Parc Natural Comunal de les Valls del Comapedrosa in La Massana (mit drei Hochgebirgsseen über 2.500 Meter) und das Parc Natural de la Vall del Madriu-Perafita-Claror — seit 2004 UNESCO-Welterbe wegen seiner ungestörten Kulturlandschaft mit traditionellen Bordas (Almhütten).

Religiöses Erbe — die romanischen Kirchen

Andorra besitzt eine außergewöhnliche Dichte mittelalterlicher Kirchen. Mehr als 40 romanische Sakralbauten aus dem 9. bis 12. Jahrhundert sind erhalten — eine Dichte, die im europäischen Vergleich einzigartig ist. Charakteristisch sind die einschiffigen Grundrisse, schlanke Glockentürme und Fresken im katalanisch-lombardischen Stil. Wichtigste Beispiele sind Sant Joan de Caselles in Canillo (mit Fresken aus dem 12. Jahrhundert), Sant Romà de les Bons in Encamp (auf einem Felssporn über dem Tal), Santa Coloma in Andorra la Vella (mit einem präromanischen Kern und freistehendem Rundturm) und Sant Climent de Pal in La Massana. Die Wallfahrtskirche Meritxell in Canillo birgt die Statue der Mare de Déu de Meritxell — der Schutzpatronin Andorras. Der Nationalfeiertag am 8. September wird ihr zu Ehren begangen.

Steuer-Paradies und Smart Country

Andorra galt lange als klassische Steueroase ohne Einkommensteuer. Diese Zeit ist vorbei — internationaler Druck und der Wille, das Land aus der OECD-Schwarzliste zu führen, brachten ab 2012 eine Steuerreform. Heute existieren eine Einkommensteuer mit Höchstsatz 10 Prozent (ab 40.000 Euro Jahreseinkommen), eine Körperschaftsteuer von 10 Prozent und die IGI (Impost General Indirecte) als Mehrwertsteuer mit nur 4,5 Prozent. Trotz Reform bleiben die Steuerlasten deutlich niedriger als in EU-Ländern — was Andorra zum Wohnsitz für YouTuber, Sportler und Krypto-Unternehmer macht. Parallel investiert das Land massiv in Digitalisierung. Das Programm Andorra Innovation Hub soll bis 2030 das Land zu einem der zehn führenden Smart Countries Europas machen. Behördengänge laufen weitgehend digital, Glasfaser-Internet erreicht 99 Prozent der Haushalte, und die staatliche Andorra Telecom investiert in 5G in allen sieben Parròquies.

Drei-Sprachen-Land — Katalanisch, Spanisch, Französisch

Katalanisch ist die einzige Amtssprache Andorras — damit ist Andorra weltweit der einzige Staat, in dem Katalanisch alleinige Staatssprache ist (in Katalonien und auf Mallorca koexistiert es mit Spanisch). Praktisch dominiert allerdings ein dreisprachiges Nebeneinander. Etwa 35 Prozent der Bevölkerung sprechen zu Hause Katalanisch, 43 Prozent Spanisch, der Rest Französisch, Portugiesisch oder andere Sprachen. Im Geschäftsleben werden alle drei Hauptsprachen gleichberechtigt verwendet, Beschilderungen sind häufig zweisprachig Katalanisch-Spanisch oder Katalanisch-Französisch. Schulkinder besuchen wahlweise das andorranische, spanische oder französische Schulsystem — eine Konstellation, die so kein anderes Land kennt.

Neutralität — kein Weltkrieg, keine Armee

Andorra verfügt über keine eigene reguläre Armee. Die Landesverteidigung ist vertraglich Frankreich und Spanien anvertraut. Diese militärische Neutralität bewahrte Andorra durch beide Weltkriege weitgehend unbeschadet. Im Ersten Weltkrieg blieb Andorra de jure mit dem Deutschen Reich im Kriegszustand, weil ein formeller Friedensvertrag nie unterzeichnet wurde — eine Kuriosität, die erst 1958 durch eine symbolische Erklärung beigelegt wurde. Im Zweiten Weltkrieg diente Andorra als wichtige Schleuse für Flüchtlinge aus Frankreich nach Spanien — Schmuggler und Bergführer halfen tausenden Juden und alliierten Piloten über die Pyrenäen. Eine kleine paramilitärische Einheit (Sometent) wird nur zu zeremoniellen Anlässen eingesetzt.

Vergleich Mikrostaaten Europas
Andorra
Liechtenstein
Monaco
San Marino
Vatikan
Fläche
468 km²
160 km²
2 km²
61 km²
0,49 km²
Einwohner
80.000
39.000
36.000
33.000
800
Staatsform
Co-Fürstentum
Erbmonarchie
Erbmonarchie
Republik
Wahlmonarchie
Währung
Euro
Schweizer Franken
Euro
Euro
Euro
EU-Mitglied
Nein
Nein (EWR)
Nein
Nein
Nein
Höchster Punkt
2.942 m
2.599 m
163 m
739 m
75 m
Hauptstadthöhe
1.023 m
455 m
7 m
650 m
75 m

Andorra la Vella ist mit 1.023 Metern die höchstgelegene Hauptstadt Europas — Madrid liegt zum Vergleich auf 667 Metern, Bern auf 540 Metern.

Praktische Tipps für die Andorra-Reise

  • Tanken vor der Rückreise

    Andorra hat die niedrigsten Spritpreise in Westeuropa. Diesel und Benzin sind 25 bis 30 Prozent günstiger als in Spanien oder Frankreich. Wer mit dem Auto kommt, sollte vor der Rückfahrt voll tanken — die Ersparnis deckt häufig die Mautkosten der Heimreise.

  • Grenzkontrollen einplanen

    Andorra gehört nicht zum Schengen-Raum. An beiden Grenzen finden Stichprobenkontrollen statt, gültiger Reisepass oder Personalausweis ist Pflicht. Bei Rückreise wird gelegentlich der Einkauf inspiziert — Freimengen für Alkohol, Tabak und Parfüm beachten.

  • + Mobilfunk-Tarif prüfen

    Da Andorra kein EU-Mitglied ist, gilt das EU-Roaming nicht. Viele deutsche Tarife schalten in Andorra teure Auslandsraten zu. Vor der Reise beim Anbieter Tagesflatrate buchen oder andorranische Prepaid-SIM bei Andorra Telecom kaufen.

  • i Krankenversicherung klären

    Die Europäische Krankenversicherungskarte EHIC gilt in Andorra nicht. Ohne private Auslandskrankenversicherung müssen Behandlungen vor Ort bezahlt werden. Für Ski-Urlaub zusätzlich Rettungs- und Bergungsversicherung empfehlenswert.

  • Apps für die Reise

    Die offizielle App Visit Andorra (auch im Web unter visitandorra.com) bietet Wanderkarten, Skigebiet-Infos und Veranstaltungen. CooltraSki und Skigeo geben Pisten-Status in Echtzeit. Die App Cooltra ist nützlich für Carsharing in Andorra la Vella.

  • Barrierefreiheit im Bergland

    Andorra la Vella ist gut auf Rollstühle eingestellt, viele Hotels barrierefrei. Casa de la Vall hat einen Aufzug. Bergkirchen und Wanderwege sind dagegen oft nicht barrierefrei. Caldea-Thermalspa bietet barrierefreie Becken und einen eigenen Lift.

  • Höhe akklimatisieren

    Auf Skigebiete-Höhen von 2.500 Metern und mehr reagieren manche Gäste mit leichter Höhenkrankheit. Ersten Tag ruhig angehen, viel Wasser trinken, Alkohol meiden. Die UV-Strahlung ist auf 2.000 Metern um 30 Prozent stärker als im Tal — Sonnenschutz auch im Winter wichtig.

  • Wetter wechselhaft

    In den Pyrenäen schlägt das Wetter schnell um. Im Sommer am Nachmittag häufig Gewitter über den Gipfeln. Wanderungen früh starten, gegen 14 Uhr unterhalb der Baumgrenze sein. Im Winter Schneeketten oder Winterreifen für die Auffahrt zum Port d'Envalira mitführen.

Insider-Tipps

Caldea zur Blauen Stunde

Das Thermalspa Caldea in Escaldes-Engordany hat täglich bis 23 Uhr geöffnet. Wer den Abendslot ab 20 Uhr bucht, badet im Außenbecken zur Blauen Stunde mit Blick auf die schneebedeckten Berge — eines der schönsten Spa-Erlebnisse Europas, deutlich entspannter als der Tages-Andrang. Die 30 Meter hohe Glasturm-Architektur von Jean-Michel Ruols ist abends besonders eindrucksvoll beleuchtet.

Festa Major versus Touristen-Routen

Wer das alte Andorra erleben will, plant über das Festa-Major-Wochenende im August in Andorra la Vella oder am 8. September für die Mare de Déu de Meritxell. Aubades, traditionelle Tänze (Marratxa, Contrapàs) und das Sometent in historischer Uniform machen aus dem sonst eher kommerziellen Hauptstadtviertel ein echtes Volksfest. Tagsüber besuchbar, nachts Lichterzüge bis Mitternacht.

Romanik-Route an einem Tag

Wer Architektur liebt, fährt von Canillo (Sant Joan de Caselles) über Encamp (Sant Romà de les Bons) nach Andorra la Vella (Santa Coloma) und endet in La Massana (Sant Climent de Pal). Vier Bauwerke aus dem 11. und 12. Jahrhundert in vier Parròquies, etwa 70 Kilometer Strecke, gut an einem Tag machbar. Die meisten Kirchen sind tagsüber geöffnet, einige nur nach Vereinbarung beim Comú.

HÄUFIGE FRAGEN

Warum ist Andorra ein Co-Fürstentum?

Andorra wird seit den Pareatges-Verträgen von 1278 und 1288 von zwei gleichberechtigten Staatsoberhäuptern regiert — dem Bischof von Urgell in Katalonien und dem jeweiligen französischen Staatspräsidenten. Diese Konstruktion entstand zur Beilegung eines Erbstreits zwischen dem Bistum und dem Grafen von Foix. Sie ist weltweit einzigartig und gilt bis heute.

Ist Andorra Mitglied der Europäischen Union?

Nein, Andorra ist kein EU-Mitglied, gehört aber dem Europarat und den Vereinten Nationen an. Es nutzt den Euro auf Basis eines bilateralen Währungsabkommens und verhandelt seit Jahren über ein Assoziierungsabkommen mit der EU, das wirtschaftliche Integration ohne Vollmitgliedschaft vorsieht.

Wie hoch liegt die Hauptstadt Andorra la Vella?

Andorra la Vella liegt auf 1.023 Metern Höhe und ist damit die höchstgelegene Hauptstadt aller souveränen Staaten Europas. Zum Vergleich: Madrid liegt auf 667 Metern, Bern auf 540 Metern und Berlin auf 34 Metern über dem Meeresspiegel.

Welche Sprache spricht man in Andorra?

Einzige Amtssprache ist Katalanisch — damit ist Andorra weltweit der einzige Staat, in dem Katalanisch alleinige Staatssprache ist. Im Alltag werden außerdem Spanisch und Französisch breit gesprochen, ergänzt durch Portugiesisch. Schulen unterrichten in allen drei Hauptsprachen, je nach Schulsystem (andorranisch, spanisch oder französisch).

Was sind die sieben Parròquies?

Andorra ist administrativ in sieben Parròquies (Pfarrgemeinden) gegliedert — Andorra la Vella, Canillo, Encamp, Escaldes-Engordany, La Massana, Ordino und Sant Julià de Lòria. Jede entsendet vier Abgeordnete in das Parlament Consell General und besitzt eine eigene Lokalverwaltung (Comú) mit weitgehenden Selbstverwaltungsrechten.

Was ist die Casa de la Vall?

Die Casa de la Vall im Altstadtviertel von Andorra la Vella war von 1702 bis 2011 Sitz des andorranischen Parlaments Consell General. Erbaut wurde sie 1580 als Herrenhaus der Familie Busquets. Im Inneren steht der berühmte Armari de les Set Claus — ein Schrank, der nur mit sieben Schlüsseln gleichzeitig geöffnet werden kann, einer für jede Parròquia.

Wie kommt man am besten nach Andorra?

Andorra hat keinen eigenen internationalen Flughafen. Die häufigste Anreise erfolgt mit dem Auto oder Direktbus aus Barcelona (3 Stunden, 200 Kilometer) oder aus Toulouse (2:30 Stunden, 180 Kilometer). Beide Städte sind aus Deutschland gut per Flug erreichbar. Es gibt keine Bahnverbindung direkt nach Andorra.

Wann ist die beste Reisezeit für Andorra?

Für Skifahren ist die Saison von Anfang Dezember bis Mitte April optimal, mit Schneesicherheit über 2.000 Metern. Für Wandern und Kultur bieten sich Juni bis September an mit angenehmen 20 bis 25 Grad im Tal. Mai und Oktober eignen sich für Romanik-Reisen ohne Touristenmassen und mit moderaten Preisen.

Stimmt es, dass Andorra ein Steuerparadies ist?

Andorra galt lange als Steueroase ohne Einkommensteuer. Seit der Steuerreform von 2012 existiert eine Einkommensteuer mit Höchstsatz 10 Prozent, eine Körperschaftsteuer von 10 Prozent und eine Mehrwertsteuer IGI von 4,5 Prozent. Die Steuerlast bleibt damit deutlich niedriger als in EU-Ländern, was Wohnsitzgründungen attraktiv macht.

Welche Skigebiete gibt es in Andorra?

Die beiden großen Skigebiete sind Grandvalira mit 210 Kilometer Pisten (Soldeu, El Tarter, Canillo, Encamp, Pas de la Casa, Grau Roig) und Vallnord mit 91 Kilometer Pisten (Pal, Arinsal, Ordino-Arcalís). Zusammen mit 65 Liften gehört Andorra zu den größten Skidestinationen der Pyrenäen.

Hat Andorra eine eigene Armee?

Nein, Andorra besitzt keine reguläre Armee. Die Landesverteidigung ist vertraglich an Frankreich und Spanien delegiert. Diese militärische Neutralität bewahrte Andorra durch beide Weltkriege. Es existiert lediglich eine paramilitärische Einheit Sometent, die zu zeremoniellen Anlässen wie der Festa Major eingesetzt wird.

Brauche ich einen Reisepass für Andorra?

Andorra gehört nicht zum Schengen-Raum, ein gültiger Reisepass oder Personalausweis ist daher Pflicht. An beiden Grenzen zu Spanien und Frankreich finden stichprobenartige Kontrollen statt. Wer mit dem Auto einreist, sollte auch Fahrzeugpapiere und grüne Versicherungskarte bereithalten.
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