Wenige Länder Europas haben auf so engem Raum so viele Epochen, Religionen und Imperien überlagert wie Bosnien und Herzegowina. Auf rund 51.000 Quadratkilometern zwischen Save und Adria begegnen sich illyrische Hügelfestungen, römische Heerstraßen, mittelalterliche Stećci-Grabsteine (UNESCO seit 2016), vierhundert Jahre osmanische Architektur, habsburgische Bauten aus knapp vier Jahrzehnten Wiener Verwaltung und die Wunden der Belagerung Sarajevos 1992 bis 1996. Drei UNESCO-Welterbestätten markieren die Höhepunkte — der Stari Most in Mostar (rekonstruiert 2004), die Mehmed-Paša-Sokolović-Brücke in Višegrad (2007) und die grenzüberschreitenden Stećci-Grabsteine. Seit dem Dayton-Friedensabkommen vom 14. Dezember 1995 ist das Land ein föderaler Staat aus Föderation BiH, Republika Srpska und dem Distrikt Brčko mit drei konstitutiven Völkern und drei Amtssprachen. Wer sieben bis zehn Tage einplant und Sarajevo, Mostar, Travnik, Višegrad, Jajce und Počitelj kombiniert, erlebt eine Reise durch über 2.500 Jahre europäische und orientalische Kultur.
Anreise und Erreichbarkeit für die Geschichts-Tour
Bosnien-Herzegowina liegt zentral auf dem westlichen Balkan. Eine chronologische Geschichts-Rundreise startet meist in Sarajevo, führt über Travnik und Jajce, dann über Mostar und Počitelj, mit Abstecher nach Višegrad im Osten.
Mit dem Flugzeug
Hauptflughafen Sarajevo (SJJ), zehn Kilometer südwestlich der Innenstadt, wird von Lufthansa, Austrian, Turkish Airlines, Pegasus und FlyBosnia angeflogen. Direktverbindungen aus Frankfurt, München, Wien, Istanbul und Zürich ganzjährig. Alternative für den Süden ist der Flughafen Mostar (OMO) oder der kroatische Flughafen Dubrovnik (DBV) mit zweistündiger Weiterfahrt nach Mostar.
Mit dem Auto
Aus Deutschland 1.300 bis 1.500 Kilometer bis Sarajevo, zwei Tagesetappen über Österreich, Slowenien und Kroatien (A1 bis Stara Gradiška oder Bijača). Mietwagen ist für die Rundreise ideal — Entfernungen moderat (Sarajevo bis Mostar 130 km, bis Travnik 90 km, bis Višegrad 120 km), Straßen oft kurvig durch Bergland.
Mit der Bahn
Das Bahnnetz ist begrenzt — wichtigste Strecke Sarajevo nach Mostar (2:30 Stunden, atemberaubend durch das Neretva-Tal) und weiter nach Čapljina. Internationale Verbindungen nach Zagreb und Belgrad. Für Travnik, Jajce, Banja Luka und Višegrad sind Bus oder Mietwagen die Wahl.
Vor Ort bewegen
Linienbusse sind die wichtigste öffentliche Anbindung — Sarajevo nach Mostar fünf bis sieben Verbindungen täglich ab 25 KM. Mietwagen ab 30 bis 40 Euro pro Tag. In Sarajevo fährt eine historische Straßenbahn aus österreich-ungarischer Zeit — die erste elektrische Straßenbahn Europas im regulären Liniendienst, 1885 als Versuchslinie eröffnet.
Illyrer und Römer — die Vorgeschichte
Die ältesten Siedlungsspuren reichen bis in das Neolithikum zurück. Die Butmir-Kultur am Stadtrand von Sarajevo (4.500 bis 3.500 vor Christus) hinterließ kunstvoll verzierte Keramik mit geometrischen Mustern. Ab der späten Bronzezeit dominierten die indogermanischen Illyrer mit eigenen Königen und Festungen auf Berggipfeln (Gradina).
Illyrische Stämme und das Königreich der Daesitiates
Auf dem heutigen Zentralbosnien lebten die Daesitiates, ein illyrischer Stamm mit Hauptort vermutlich im Raum Breza-Visoko. Sie führten zwischen 6 und 9 nach Christus den pannonisch-illyrischen Aufstand (Bellum Batonianum) gegen die Römer unter Augustus an — laut Sueton der größte römische Krieg seit den Punischen Kriegen. Erst 9 nach Christus konnte der spätere Kaiser Tiberius den Aufstand niederschlagen.
Römische Provinz Dalmatia
Nach der Niederlage wurden die Gebiete als Provinz Dalmatia in das Römische Reich eingegliedert. Wichtige römische Siedlungen entstanden in Salona, Domavia (Silberbergwerk bei Srebrenica), Aquae Sulphurae (heute Ilidža bei Sarajevo) und an der Heerstraße von Salona über Sarajevo nach Sirmium. Reste finden sich im Nationalmuseum Sarajevo und im archäologischen Park Mogorjelo bei Čapljina (spätrömische Villa rustica).
Mittelalter — Königreich Bosnien und Stećci-Grabsteine
Nach der Völkerwanderung und dem Einfall der Slawen im 6. und 7. Jahrhundert siedelten südslawische Stämme im heutigen Bosnien. Im frühen Mittelalter wechselten Herrschaftsansprüche zwischen Byzanz, Kroatien und dem serbischen Großreich. Eine eigenständige bosnische Identität entstand ab dem 12. Jahrhundert.
Banat Bosnien unter den Kotromanić
Das Banat Bosnien wird erstmals 1154 erwähnt. Unter den Banen aus dem Haus Kotromanić — besonders Stjepan II. (1322 bis 1353) und Tvrtko I. (1353 bis 1391) — wuchs Bosnien zur regionalen Macht. Tvrtko ließ sich 1377 in Mile bei Visoko zum König von Bosnien, Serbien, Dalmatien, Kroatien und der Küstenländer krönen.
Die Bosnische Kirche und Stećci-Grabsteine
Eine Besonderheit war die Bosnische Kirche (Crkva bosanska) — eine eigenständige christliche Glaubensgemeinschaft, die weder Rom noch Konstantinopel unterstand. Ihre Anhänger hießen Krstjani. Das eindrucksvollste materielle Erbe sind die Stećci — monolithische Grabsteine zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert, oft tonnenschwer und reich mit Reliefs verziert. Über 70.000 Stećci sind in vier Ländern erhalten. 28 Nekropolen wurden 2016 als grenzüberschreitendes UNESCO-Welterbe eingetragen, darunter Radimlja bei Stolac mit 133 Steinen. Die Motive zeigen Reiter, Tanzszenen (Kolo), Hirsche, Lilien und Mondsicheln.
Fall des Königreichs 1463
Das Königreich Bosnien fiel am 25. Mai 1463, als Sultan Mehmed II. den letzten König Stjepan Tomašević in der Festung Ključ gefangen nahm und in Jajce hinrichten ließ. Jajce selbst widerstand als ungarisches Banat bis 1528.
Osmanische Zeit 1463 bis 1878 — vier Jahrhunderte Orient in Europa
Mit der Eroberung durch Mehmed II. begann eine über vierhundertjährige osmanische Herrschaft. Wichtige Städte wurden im orientalischen Muster neu organisiert mit Čaršija (Basarviertel), Mahalas (Wohnvierteln) und einem Komplex aus Moschee, Medresa, Hammam und Han. Sarajevo, Mostar, Travnik, Banja Luka, Foča und Visoko erhielten ihre bis heute prägende Silhouette.
Islamisierung und Konfessionen
Anders als in vielen osmanischen Provinzen kam es in Bosnien zu freiwilliger Konversion zum Islam — steuerliche Vorteile, soziale Aufstiegschancen und die geringe Bindung der Bosnischen Kirche an Rom oder Konstantinopel spielten eine Rolle. Katholische Gemeinden (unter Franziskaner-Obhut durch das Ahdname von Milodraž 1463) und orthodoxe blieben bestehen, sephardische Juden siedelten nach 1492 in Sarajevo — die Vier-Konfessionen-Stadt entstand.
Die Baščaršija von Sarajevo
Sarajevo wurde 1462 vom osmanischen Statthalter Isa-Beg Ishaković gegründet — der Name stammt vom türkischen Saray (Palast). Die Baščaršija mit Gazi-Husrev-Beg-Moschee (1531, von Sinans Meister Ajem Esir Ali entworfen), Bezistan, Karawanserei Morića Han und Sebilj-Brunnen bildet das osmanische Erbe.
Mostar, Travnik und weitere Zentren
Mostar wurde 1452 erstmals erwähnt und zur wichtigsten Stadt der Herzegowina. Der Stari Most über die Neretva — 1557 bis 1566 unter Süleyman dem Prächtigen vom Baumeister Mimar Hayruddin (Schüler Sinans) — spannt sich über 28,7 Meter mit Scheitel 20 Meter über der Neretva, aus weißem Tenelija-Kalkstein. Von 1699 bis 1850 war Travnik Residenz der osmanischen Vezire für das Pašaluk Bosnien — Bunte Moschee Šarena Džamija (1815), Festung aus dem 14. Jahrhundert und das Geburtshaus des Literaturnobelpreisträgers Ivo Andrić prägen das Stadtbild. Weitere osmanische Zentren entstanden in Foča (Aladža-Moschee 1550), Banja Luka (Ferhadija-Moschee 1579), Visoko (Sufi-Konvent Tekija) und Počitelj mit Hajji-Alija-Moschee und Sahat-Kula-Uhrturm.
Višegrad und die Mehmed-Paša-Sokolović-Brücke (UNESCO)
Eines der UNESCO-Welterben ist die Mehmed-Paša-Sokolović-Brücke über die Drina in Višegrad — erbaut 1571 bis 1577 vom osmanischen Hofarchitekten Mimar Sinan im Auftrag des Großwesirs Mehmed Paša Sokolović. Die Brücke ist 179,5 Meter lang, hat elf Bögen, der mittlere mit 14,8 Metern Spannweite. Sie verband die Heerstraße von Belgrad nach Konstantinopel.
Die Geschichte hinter der Brücke
Mehmed Paša Sokolović war als Christenkind aus dem Dorf Sokolovići bei Višegrad durch die Knabenlese (Devşirme) nach Konstantinopel verschleppt und stieg zum einflussreichsten Großwesir des Reichs auf — er diente unter Süleyman dem Prächtigen, Selim II. und Murad III. Die Brücke ließ er als Stiftung für seine Heimat errichten. Ivo Andrić schrieb darüber seinen Roman Die Brücke über die Drina (Na Drini ćuprija, 1945), für den er 1961 den Literaturnobelpreis erhielt.
UNESCO-Status seit 2007
Die Brücke wurde 2007 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Hochwasser 1896 und 2010 beschädigten sie, jüngste Restaurationen 2018 bis 2020 sicherten die Substanz. Das Andrićgrad-Projekt des Filmemachers Emir Kusturica direkt neben der Brücke (2014 eröffnet) hat den Welterbe-Status zeitweise gefährdet.
Stari Most Mostar — das zweite UNESCO-Welterbe
Die Altstadt von Mostar wurde 2005 mit dem Stari Most als UNESCO-Welterbe eingetragen — multikulturelles städtisches Ensemble auf dem Balkan. Die Brücke war 1993 im Bosnienkrieg zerstört und 2004 detailgetreu mit Originalsteinen aus dem Neretva-Flussbett rekonstruiert. Wiedereröffnung am 23. Juli 2004. Die Bautechnik mit eisernen Klammern und Bleiverguss wurde exakt übernommen.
Die Altstadt rund um die Brücke
Die UNESCO-Zone umfasst Koski-Mehmed-Pašina-Moschee (1617, berühmter Foto-Spot von der Terrasse), Karadjoz-Beg-Moschee (1557), das türkische Haus Muslibegović, den Kujundžiluk-Basar mit Kupfer-Handwerk, die Brückentürme Tara und Halebija mit Brückenmuseum und die orthodoxe Kirche der heiligen Dreifaltigkeit am Hügel.
Habsburger und Österreich-Ungarn 1878 bis 1918
Auf dem Berliner Kongress 1878 wurde Bosnien-Herzegowina Österreich-Ungarn zur Verwaltung übergeben, 1908 formell annektiert. Die knapp 40 Jahre brachten Modernisierung — Eisenbahnen (1879 erste Strecke Banja Luka nach Dobrljin), Industrieansiedlungen, neue Schulen und einen prägenden architektonischen Stil.
Sarajevo unter den Habsburgern
Wichtige Bauten sind die Vijećnica (Rathaus, 1896 von Aleksandar Wittek im pseudo-maurischen Stil — 1992 von serbischen Granaten ausgebrannt, 1996 bis 2014 rekonstruiert), die Lateinerbrücke aus 1798, die Kathedrale Herz Jesu (1889 neugotisch), das Hotel Europe (1882) und das Nationalmuseum Zemaljski Muzej (1888 in vier Pavillons). Der tschechische Architekt Karl Pařík (1857 bis 1942) entwarf über 70 Gebäude, darunter die Ashkenazische Synagoge (1902) und die Šerijatska Sudačka Škola (1887). Sein Stil mischte Wiener Eklektizismus, orientalische Motive und neoromanisches Vokabular.
Sarajevo 1914 — Attentat und Erster Weltkrieg
Am 28. Juni 1914 erschoss der bosnisch-serbische Nationalist Gavrilo Princip auf der Lateinerbrücke den österreich-ungarischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gattin Sophie. Das Attentat löste die Julikrise aus und führte binnen fünf Wochen zum Ersten Weltkrieg. Es war der zweite Versuch des Tages — am Vormittag hatte Nedeljko Čabrinović eine Granate geworfen, die unter dem nachfolgenden Auto explodierte. Ein Fahrtrouten-Fehler des Chauffeurs brachte das Auto direkt vor Princip. An der Brücke befindet sich heute das Museum Sarajevo 1878 bis 1918 mit Dokumentation der habsburgischen Zeit und der Verschwörer-Gruppe Mlada Bosna. Eintritt 4 KM.
Jugoslawien und die Tito-Zeit 1945 bis 1992
Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte Bosnien-Herzegowina zum Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (ab 1929 Königreich Jugoslawien). Im Zweiten Weltkrieg wurde es vom kroatischen Ustaša-Staat verwaltet, die Partisanenbewegung unter Tito hatte hier ihre wichtigsten Stützpunkte. Auf dem AVNOJ-Rat am 29. November 1943 in Jajce wurde die Grundlage des sozialistischen Jugoslawien gelegt — Bosnien-Herzegowina als eigenständige Teilrepublik mit allen drei konstitutiven Völkern.
Jajce und Sarajevo 1984
Jajce — mit 22-Meter-Wasserfall in der Altstadt und mittelalterlicher Festung — ist Geburtsort des sozialistischen Jugoslawien. Im AVNOJ-Museum wird die Sitzung mit Tito, Kardelj und Pijade dokumentiert. Jajce war im Mittelalter Krönungsort der bosnischen Könige. 1984 war Sarajevo Gastgeber der XIV. Olympischen Winterspiele — bis heute einziger Olympia-Standort in einem postjugoslawischen Land. Die Bobbahn auf dem Trebević (1.629 Meter) verfällt als verlassener Beton-Gigant.
Belagerung von Sarajevo 1992 bis 1996
Nach der Unabhängigkeitserklärung am 1. März 1992 und der internationalen Anerkennung am 6. April 1992 begann die Belagerung durch die bosnisch-serbische Armee VRS unter General Ratko Mladić. Mit 1.425 Tagen — vom 5. April 1992 bis 29. Februar 1996 — ist sie die längste Belagerung einer Hauptstadt in moderner Kriegsgeschichte, deutlich länger als Leningrad (872 Tage).
Sniper Alley und Tunnel der Hoffnung
Die Hauptachse Zmaja od Bosne wurde als Sniper Alley berüchtigt. Heckenschützen auf Trebević, Grdonj, Žuč und im Hotel Holiday Inn konnten jeden Punkt einsehen. Über 11.500 Menschen wurden getötet, darunter 1.601 Kinder. Die einzige Verbindung war der zwischen März und Juni 1993 gegrabene Tunel spasa (Tunnel der Hoffnung) unter dem Flughafen-Rollfeld — 800 Meter lang, 1,60 Meter hoch, 1 Meter breit. Ein 25-Meter-Abschnitt ist heute Museum, Eingang im Haus der Familie Kolar in Butmir.
Das Markale-Massaker
Zwei Granatenangriffe auf den Markt Markale am 5. Februar 1994 (68 Tote) und 28. August 1995 (43 Tote) gehören zu den schlimmsten Einzelereignissen. Der zweite Anschlag löste die NATO-Operation Deliberate Force aus, die zum Kriegsende beitrug.
Sarajevo-Rosen
Die Einschlagstellen der Granaten in Asphalt und Gehwegen wurden nach dem Krieg mit rotem Harz ausgegossen — die Sarajevske Ruže (Sarajevo-Rosen). Über 200 Markierungen sind über die Stadt verteilt, besonders dicht an der Markale, in der Ferhadija-Fußgängerzone und an der Vijećnica.
Dayton-Friedensabkommen 1995
Am 21. November 1995 wurden auf dem Luftwaffenstützpunkt Wright-Patterson bei Dayton in Ohio nach 21-tägigen Verhandlungen die Friedensgrundzüge paraphiert. Die offizielle Unterzeichnung folgte am 14. Dezember 1995 in Paris durch Alija Izetbegović, Franjo Tuđman und Slobodan Milošević. Vermittler war Richard Holbrooke für die USA.
Inhalt und Verfassung als Annex 4
Das Dayton-Abkommen schuf den heutigen föderalen Bundesstaat aus zwei Entitäten — Föderation BiH (51 Prozent) und Republika Srpska (49 Prozent), seit 1999 plus Distrikt Brčko. An der Spitze ein dreiköpfiges Staatspräsidium (bosniakisch, kroatisch, serbisch, rotiert alle acht Monate), darüber ein Hoher Repräsentant (OHR) mit Bonn-Vollmachten. Die Verfassung ist als Annex 4 niedergeschrieben — die einzige Verfassung Europas, die ausschließlich auf Englisch ratifiziert wurde.
Heutige Republika Srpska und Föderation
Die föderale Struktur ist direkte Folge des Dayton-Abkommens — beide Entitäten haben eigene Regierungen, Parlamente, Polizei, Bildungssysteme und Rundfunkanstalten. Insgesamt 13 Regierungen für 3,3 Millionen Einwohner.
Republika Srpska und Föderation BiH
Die Republika Srpska umfasst den nördlichen und östlichen Teil mit Hauptstadt Banja Luka, mehrheitlich orthodox-serbisch. Präsident Milorad Dodik (seit 2006) hat wiederholt Sezessions-Forderungen erhoben. Wichtige Städte sind Banja Luka, Trebinje, Višegrad und Doboj. Die Föderation BiH umfasst zentral, südlich, westlich mit Sarajevo als Verwaltungssitz, in zehn Kantone gegliedert — mehrheitlich bosniakisch-muslimisch im Zentrum und kroatisch-katholisch in der Westherzegowina. Wichtige Städte sind Sarajevo, Mostar, Travnik, Jajce, Bihać, Tuzla und Zenica.
Distrikt Brčko
Eine Sonderverwaltungseinheit unter direkter Kontrolle des Gesamtstaats — eingerichtet 1999 durch internationale Schlichtung. 83.000 Einwohner, gilt als pragmatisches Beispiel funktionierender Multi-Ethnizität.
Travnik vertieft — die Vezir-Hauptstadt
Wer eine geschichts-fokussierte Rundreise plant, sollte Travnik mehr Zeit widmen. Die Stadt im Lašva-Tal war von 1699 bis 1850 Sitz der osmanischen Vezire für das Pašaluk Bosnien — eine Provinzhauptstadt mit Diplomaten-Korps und multireligiöser Eliten-Schicht. Die Šarena Džamija (Bunte Moschee) wurde 1757 errichtet, nach Brand 1815 neu erbaut — reich bemalte Fassade mit floralen Mustern und einer Architekturlandschaft, die Stambol, Mekka und Medina zeigt. Im Erdgeschoss eine Bezistan-Halle — selten in der osmanischen Welt.
Festung und Ivo Andrić
Die Festung Travnik aus dem 14. Jahrhundert hoch über der Stadt diente als Sitz des Vezirs, 30 Minuten Aufstieg, weiter Blick über das Lašva-Tal. Travnik ist Geburtsort von Ivo Andrić (1892 bis 1975, Nobelpreis 1961). Sein Geburtshaus an der Zenjak-Gasse ist Museum. Seine Travnička Hronika (Wesire und Konsuln) zeichnet das Jahr 1807 bis 1814 nach.
Die sechs typischen Geschichts-Stationen im Überblick
Nationalmuseum Sarajevo
Das Zemaljski Muzej (1888) ist das älteste Museum auf dem westlichen Balkan mit der Sarajevo Haggadah (sephardische Pessach-Schrift aus dem 14. Jahrhundert), Stećci-Sammlung und römischen Mosaiken aus Stolac. Eintritt 8 KM.
Stari Most und Brückenmuseum
Der Stari Most in Mostar (UNESCO) ist frei zugänglich, das Brückenmuseum im Tara-Turm dokumentiert mit Video die Zerstörung 1993 und die Rekonstruktion bis 2004. Foto-Spot von der Koski-Mehmed-Pašina-Moschee-Terrasse. Eintritt Museum 5 KM.
Festung Travnik
Die Festung zeigt mittelalterliche und osmanische Schichten, mit weitem Blick über das Lašva-Tal. Kleines Museum zur Vezir-Zeit. 30 Minuten Aufstieg vom Stadtkern, Eintritt 2 KM. Verbindbar mit Bunter Moschee und Andrić-Museum.
Sokolović-Brücke Višegrad
Die 11-bogige Drina-Brücke (UNESCO 2007) ist frei zugänglich, in Andrićgrad daneben Cafés und kleine Museen. Bootsfahrt auf der Drina zur Goldenen Stunde lohnt — Anbieter am Brückenfuß ab 15 KM für 45 Minuten.
Stećci-Friedhof Radimlja
Bei Stolac südlich von Mostar mit 133 UNESCO-gelisteten Grabsteinen aus dem 14. bis 16. Jahrhundert. Frei zugänglich, kleines Besucherzentrum mit Erläuterungen zur bogomilischen Symbolik. Verbindbar mit Stolac und Počitelj.
Mahnmal Tunel spasa
Der Tunnel der Hoffnung in Butmir am Sarajevoer Flughafen ist auf 25 Meter begehbar, mit Museum im Haus der Familie Kolar zur Belagerung 1992 bis 1996. Eintritt 10 KM, Führungen auf Englisch und Deutsch. Bewegendster Geschichts-Ort der Stadt.
Die wichtigsten Epochen im Vergleich
Wer alle Epochen abdecken will, plant mindestens sieben volle Tage — drei für Sarajevo, zwei für Mostar mit Stolac und Počitelj, einer für Travnik plus Jajce, einer für Višegrad.
Praktische Tipps für die Geschichts-Rundreise
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€
Währung KM und Karten-Akzeptanz
Die Konvertible Mark (KM, BAM) ist 1:1 an den Euro fix gekoppelt (1 Euro = 1,95583 KM). Geldautomaten gibt es in allen Städten, Karten in Hotels und besseren Restaurants akzeptiert. In Cafés und auf Märkten ist Bargeld Pflicht. Euros werden teils direkt angenommen, allerdings zu schlechtem Kurs.
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Beste Reisezeit Mai bis Oktober
Sarajevo, Mostar und Travnik haben zwischen Mai und Oktober angenehme 18 bis 28 Grad, im Juli und August kann Mostar über 35 Grad heiß werden. November bis März ist Sarajevo schneereich (Skigebiete Bjelašnica und Jahorina). Ramadan-Zeitraum ist in muslimischen Vierteln tagsüber ruhig, abends sehr lebendig mit Iftar-Feiern.
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Sprache und Verständigung
Bosnisch, Kroatisch und Serbisch sind sprachlich nahezu identisch (BKS), unterscheiden sich in Wortwahl und Alphabet — in der Republika Srpska kyrillisch, in der Föderation lateinisch. Englisch wird in Tourismusgegenden verstanden, Deutsch von älteren Generationen überraschend oft. Ein paar Worte Bosnisch (Hvala, Dobar dan, Molim) öffnen Türen.
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i
Guides für Geschichts-Tiefe buchen
Für die Belagerungs-Geschichte und die Dayton-Komplexität lohnen lokale Guides — viele Sarajevoer haben die Belagerung selbst erlebt. Anbieter wie Sarajevo Funky Tours, Meet Bosnia oder Insider Tours bieten Walking Tours ab 30 bis 50 Euro. Für UNESCO-Stätten in Mostar und Višegrad reichen Audio-Guides.
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⌘
Tradition der Vier Religionen respektieren
Sarajevo wird als europäisches Jerusalem bezeichnet, weil Moschee, katholische Kathedrale, orthodoxe Kirche und Synagoge im Umkreis von wenigen Hundert Metern liegen. Bei Moscheen Schuhe ausziehen, Frauen Kopftuch (am Eingang ausgelegt). Bei orthodoxen Kirchen Schultern bedeckt. Fotos meist erlaubt ohne Blitz und ohne Personen-Aufnahmen.
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♿
Barrierefreiheit eingeschränkt
Die Altstädte von Sarajevo (Baščaršija mit Kopfsteinpflaster), Mostar (Stari-Most-Anstieg, rutschig bei Regen), Travnik und Počitelj sind für Rollstühle herausfordernd. Sarajevo Marriott und Holiday Hotel haben barrierefreie Zimmer, das Brückenmuseum in Mostar ist nicht zugänglich. Museum Tunel spasa hat Stufen am Eingang.
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Klima Sarajevo versus Herzegowina
Sarajevo liegt auf 540 Metern in einem Talkessel mit kontinentalem Klima — kalte Winter, milde Sommer. Mostar und die Herzegowina sind mediterran mit deutlich heißeren Sommern (40 Grad möglich) und milderen Wintern. Wanderschuhe für Sarajevo-Berge, leichte Kleidung für Mostar.
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Visum und Einreise
Deutsche, österreichische und Schweizer Staatsbürger benötigen für 90 Tage kein Visum, der Reisepass muss drei Monate über den Aufenthalt gültig sein. Bei Übernachtung im Hotel wird die Anmeldung automatisch erledigt. Bei Privatunterkunft selbst zur Polizei innerhalb 24 Stunden.
Insider-Tipps für die Geschichts-Reise
Vertiefung Srebrenica
Die Gedenkstätte Potočari bei Srebrenica dokumentiert das schwerste Verbrechen des Bosnienkriegs — den Völkermord vom 11. bis 22. Juli 1995, bei dem bosnisch-serbische Truppen unter Ratko Mladić über 8.372 bosniakische Männer und Jungen ermordeten. Das Memorial Center umfasst einen Friedhof mit über 6.700 Gräbern und ein Dokumentationszentrum in der ehemaligen Batteriefabrik (Hauptquartier der niederländischen UN-Schutztruppe Dutchbat). Eintritt 5 KM.
Off-the-Beaten-Path — Počitelj, Blagaj und Kraljeva Sutjeska
Počitelj zwischen Mostar und Čapljina ist ein osmanisches Dorf-Ensemble mit Burg, Moschee und Sahat-Kula-Uhrturm — Schauplatz vieler historischer Filme. Blagaj südöstlich von Mostar zeigt die Buna-Quelle mit einer Sufi-Tekija direkt am Felsen (Bauten 16. Jahrhundert, Sufi-Tradition seit dem 13. Jahrhundert). Kraljeva Sutjeska bei Kakanj ist Ort des Franziskanerklosters mit dem Original-Ahdname Mehmeds II. von 1463.



