Norddeutschland ist für Naturliebhaber dichter bestückt als viele denken — zwischen Sylt und der Mecklenburgischen Seenplatte liegen drei Nationalparks, mehrere Biosphärenreservate und über ein Dutzend Naturparks. Das Schleswig-Holsteinische und das Niedersächsische Wattenmeer bilden mit rund 4.700 Quadratkilometern das größte Wattgebiet der Welt und stehen seit 2009 als UNESCO-Welterbe unter Schutz. Die Lüneburger Heide blüht von Mitte August bis Mitte September violett auf 234 Quadratkilometern, der Müritz-Nationalpark schützt Buchenwälder und Seenketten, in denen Seeadler und Kraniche brüten. Die folgende Auswahl von elf Gebieten reicht vom autofreien Wattenmeer-Salzwiesen über die Heide-Hochfläche bis zu den klaren Klarwasserseen Brandenburgs — mit konkreten Tourenvorschlägen, Beobachtungstipps für Fauna und Flora sowie saisonalen Highlights für jede Region.
Anreise und Erreichbarkeit
Die meisten norddeutschen Naturparks sind aus den großen Metropolen Hamburg, Hannover, Berlin und Bremen in unter drei Stunden erreichbar. Die Wattenmeerküste, die Lüneburger Heide und die Mecklenburgische Seenplatte sind mit der Bahn in Kombination mit lokalen Bus-Linien gut anzufahren — Brandenburgs Stechlin-Region erfordert dagegen häufig den letzten Kilometer per Rad oder Fuß. Wer mehrere Gebiete kombinieren möchte, kommt um ein Auto meist nicht herum, sollte aber konsequent auf E-Bike-Verleih und Park-and-Ride-Plätze an den Park-Eingängen setzen.
Mit dem Auto
Das Wattenmeer erreicht man über die A23 nach Tönning oder Husum, die ostfriesischen Anleger via A28 und A31. Die Lüneburger Heide liegt zwischen Hamburg und Hannover direkt an der A7, der Müritz-Nationalpark ist über die A19 ab Berlin oder Rostock in rund zwei Stunden zu erreichen. Die Holsteinische Schweiz und das Lauenburgische Seengebiet liegen an der A1 zwischen Hamburg und Lübeck. Für die Vorpommersche Boddenlandschaft fährt man von Berlin oder Hamburg via A20 nach Ribnitz-Damgarten oder Barth.
Mit der Bahn / dem ÖPNV
Husum, Niebüll und Westerland sind per ICE und Regional-Express direkt angebunden, Heide-Park-Tor Soltau und Schneverdingen liegen an der Heidebahn ab Hamburg-Harburg. Waren an der Müritz hat einen IC-Halt, die Vorpommersche Boddenlandschaft wird über Stralsund, Ribnitz-Damgarten oder Velgast erschlossen. Vom Berliner Hauptbahnhof erreicht man Neuglobsow am Stechlinsee mit einem Umstieg in Fürstenberg an der Havel und einer kurzen Bus-Verbindung in rund zwei Stunden.
Mit dem Flugzeug
Hamburg HAM, Hannover HAJ und Berlin BER sind die nächsten Drehkreuze für überregionale Anreisen — wer aus dem Süden oder Westen kommt, kommt jedoch klimafreundlicher per Bahn. Für die nordfriesischen Inseln existiert ein kleiner Flughafen auf Sylt SYT mit saisonalen Verbindungen, der allerdings für Naturreisen wegen der Lärm- und Klimabilanz nicht erste Wahl ist.
Vor Ort bewegen
Im Wattenmeer und auf den Halligen ist das Auto teils gar nicht erlaubt oder unsinnig — geführte Wattwanderungen, Schiffsverbindungen und Inselbahnen übernehmen den Transport. In der Lüneburger Heide gilt im Kerngebiet ein Fahrverbot für Pkw, Kutschen und Pferdefuhrwerke sowie der Heide-Shuttle-Bus erschließen das Gelände. Im Müritz-Nationalpark sind weite Teile nur per Rad oder zu Fuß erreichbar, das Streckennetz umfasst über 660 Kilometer markierte Wege.
Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer — UNESCO-Welterbe
Das Niedersächsische Wattenmeer erstreckt sich von der Elbmündung bis zur niederländischen Grenze und umfasst rund 3.450 Quadratkilometer Watt, Salzwiesen, Dünen und Sandbänke. Zusammen mit dem schleswig-holsteinischen und dem niederländischen Teil ist es seit 2009 UNESCO-Welterbe — das größte zusammenhängende Wattgebiet der Welt zwischen Den Helder und Esbjerg.
Fauna und Flora
Das Watt ist Rastgebiet für rund zehn bis zwölf Millionen Zugvögel pro Jahr. Knutts, Pfuhlschnepfen, Alpenstrandläufer und Ringelgänse sammeln sich im Frühjahr und Herbst zu spektakulären Schwärmen. Auf den Sandbänken vor den ostfriesischen Inseln leben rund 8.000 Seehunde und einige Hundert Kegelrobben. Salzwiesen mit Strandflieder, Queller und Meerstrand-Aster prägen die Übergangszonen — viele Pflanzen sind extrem salztolerant und nur hier in dieser Häufigkeit zu finden.
Highlights und Touren
Geführte Wattwanderungen ab Cuxhaven, Neuwerk oder den Inseln Wangerooge, Spiekeroog und Juist sind die klassische Annäherung — niemals ohne Guide ins Watt, die Tiden sind tückisch. Schiffstouren zu den Seehundsbänken vor Norddeich und Bensersiel zeigen die Robben aus respektvollem Abstand. Die UNESCO-Wattenmeer-Häuser in Wilhelmshaven, Cuxhaven und Norderney bieten Ausstellungen mit Aquarien und Schauwatt. Beste Reisezeit sind die Vogelzug-Phasen April bis Mai und August bis Oktober.
Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
Der schleswig-holsteinische Teil umfasst rund 4.410 Quadratkilometer und reicht von der Elbmündung bis zur dänischen Grenze — er ist damit das größte Schutzgebiet zwischen Skandinavien und Afrika. Inklusive der Halligen und der vorgelagerten nordfriesischen Inseln Sylt, Föhr, Amrum und Pellworm bildet er ein komplexes System aus Wattflächen, Prielen, Salzwiesen und Dünen.
Fauna und Flora
Schweinswale ziehen besonders rund um Sylt — die einzige in deutschen Gewässern heimische Walart. Kegelrobben werfen ihre Jungen zwischen November und Januar auf der Düne vor Helgoland. Brandgänse, Eiderenten und Austernfischer brüten in den Salzwiesen, Lummen und Basstölpel auf den Klippen Helgolands. Die Salzwiesen vor St. Peter-Ording und auf den Halligen sind die größten zusammenhängenden ihrer Art an der Nordseeküste.
Highlights und Touren
Wattwanderung von Cuxhaven nach Neuwerk, Halligen-Schifftour ab Schlüttsiel, Vogelbeobachtung am Westerhever Leuchtturm — eine der meistfotografierten Kulissen Norddeutschlands. Helgoland ist mit der Hochsee-Insel und der Lange-Anna-Klippe ein Tagesziel für Vogelfreunde. Beste Reisezeit ist Mai bis Juni für Vogelbrut und September bis Oktober für Zugvögel.
Naturpark Lüneburger Heide — Heideblüte im Spätsommer
Der Naturpark Lüneburger Heide schützt 234 Quadratkilometer Heide-Hochfläche zwischen Hamburg und Hannover. Im Kernbereich rund um den Wilseder Berg (169 Meter) gilt seit Jahrzehnten ein konsequentes Fahrverbot für Pkw — die Erschließung läuft über Kutschen, Pferdefuhrwerke, Räder und den kostenlosen Heide-Shuttle-Bus in den Sommermonaten.
Fauna und Flora
Das Bild prägt die Besenheide (Calluna vulgaris), die zwischen Mitte August und Mitte September violett bis purpurn aufblüht. Heidschnucken — eine alte Schaf-Rasse mit gedrehten Hörnern — halten die Heide offen und verhindern Verbuschung. Birkhühner, Ziegenmelker, Wiedehopf und der seltene Wachtelkönig brüten hier. Wacholder-Büsche, einzelne Wäldchen aus Eichen und Birken sowie kleine Säle aus Kiefern lockern das Bild auf.
Highlights und Touren
Wanderung von Undeloh zum Wilseder Berg (rund 7 Kilometer) ist die klassische Heide-Route. Die Heideblütentage in Schneverdingen mit Krönung der Heidekönigin sind Ende August ein Volksfest. Heidegarten in Schneverdingen, Wilseder Heidemuseum und der Vogelpark Walsrode am Park-Rand ergänzen das Angebot. Beste Reisezeit ist Mitte August bis Mitte September — Heideblüte ist Hochsaison, Frühjahr und Herbst sind ruhiger.
Müritz-Nationalpark — Buchenwälder und Seeadler
Der Müritz-Nationalpark ist mit rund 322 Quadratkilometern der größte Nationalpark im Binnenland Deutschlands. Er liegt zwischen Mecklenburgischer Seenplatte und Feldberger Seenlandschaft, geprägt von ausgedehnten Buchenwäldern, über 130 Seen und einem dichten Bach- und Moor-Netz. Die alten Buchenwälder im Teilgebiet Serrahn gehören seit 2011 zum UNESCO-Welterbe Buchenurwälder Europas.
Fauna und Flora
Die Müritz-Region ist eines der besten Seeadler-Gebiete Mitteleuropas mit rund 20 Brutpaaren auf vergleichsweise kleiner Fläche. Fischadler, Kraniche, Schreiadler, Eisvogel und Kormoran sind regelmäßig zu beobachten. Im Herbst rasten bis zu 10.000 Kraniche an den Schlafplätzen rund um den Rederangsee und die Specker Seen. Bäume wie Rotbuchen, Eichen und Erlen prägen die Wälder, im Unterwuchs blühen Buschwindröschen und Bärlauch im Frühjahr.
Highlights und Touren
Kranich-Beobachtung am Rederangsee im September und Oktober ist das Naturschauspiel des Jahres. Die Wanderung durch den Buchenwald Serrahn (rund 6 Kilometer) zeigt 200-jährige Bäume in Höhe und Stille. Kanu-Touren auf der Havel und Müritz sind Klassiker — der Müritzsee ist mit 117 Quadratkilometern der größte ganz in Deutschland liegende See. Beste Reisezeit ist April bis Mai für Brutvögel, September bis Oktober für Kraniche.
Biosphärenreservat Schaalsee — Grenzland mit Seeadler-Population
Das Biosphärenreservat Schaalsee an der ehemaligen innerdeutschen Grenze umfasst rund 309 Quadratkilometer in Mecklenburg-Vorpommern. Über 40 Jahre Grenz-Sperrgebiet hat dem Gebiet eine ungestörte Ruhe beschert, die heute eine außergewöhnliche Artenvielfalt trägt. Der Schaalsee selbst ist mit 71,5 Metern der tiefste See Norddeutschlands.
Fauna und Flora
Seeadler haben hier eine der höchsten Brutdichten Mitteleuropas — über 20 Paare sind möglich. Fischotter, Kranich, Eisvogel und der seltene Kammmolch bevölkern das Gebiet. Die Buchen- und Erlen-Bruchwälder rund um die Seen sind teilweise jahrhundertealt. Im Frühjahr blühen weite Säume mit Lerchensporn und Goldsternchen.
Highlights und Touren
PahlhuusInfozentrum in Zarrentin am Schaalsee ist der ideale Startpunkt — Ausstellung, Beobachtungs-Tipps und Touren-Vorschläge. Rundweg um den Schaalsee (rund 35 Kilometer) lässt sich in Etappen oder als E-Bike-Tagestour fahren. Beobachtungsturm Lassahn bietet Seeadler-Sichtungen häufig schon am Vormittag. Beste Reisezeit ist April bis Juni für Vogelaktivität.
Naturpark Steinhuder Meer — Niedersachsens größter See
Das Steinhuder Meer westlich von Hannover ist mit 32 Quadratkilometern der größte See Nordwestdeutschlands — aber im Schnitt nur 1,35 Meter tief. Der gleichnamige Naturpark umfasst rund 420 Quadratkilometer mit dem See, ausgedehnten Mooren wie dem Toten Moor und der Hagenburger Moorlandschaft.
Fauna und Flora
Das Tote Moor ist Brutgebiet für Kraniche, Bekassinen und den seltenen Wachtelkönig. Im Spätsommer rasten hier bis zu 60.000 Stare in spektakulären Schwärmen. Die Wasserflächen ziehen Haubentaucher, Reiherenten und Lachmöwen an. Im Moor wachsen Sonnentau und Wollgras, Birken und Kiefern säumen die Übergangszonen.
Highlights und Touren
Steinhuder Inselfestung Wilhelmstein aus dem 18. Jahrhundert ist per Personenfähre oder mit dem Ruderboot erreichbar. Beobachtungsturm Mardorfer Moor, Aussichtsturm am Westufer und ein Rundweg um den See (rund 32 Kilometer) machen das Gebiet zum klassischen Tagesausflug ab Hannover. Beste Reisezeit ist Mai bis September für Wassersport, Oktober für Star-Schwärme.
Naturpark Lauenburgische Seen — Klare Seen östlich von Hamburg
Der Naturpark Lauenburgische Seen schützt rund 474 Quadratkilometer mit über 40 Seen östlich von Hamburg an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern. Die jüngsten dieser Seen entstanden in der letzten Eiszeit vor rund 12.000 Jahren — Schmelzwasser-Becken in einer hügeligen Endmoränenlandschaft.
Fauna und Flora
Seeadler haben sich seit den 1990er Jahren wieder angesiedelt, Kraniche brüten und rasten im Gebiet. Fischotter sind an den Bachläufen häufiger zu beobachten als noch vor 20 Jahren. Buchenwälder, Eichen-Hainbuchen-Bestände und Erlen-Bruchwälder prägen die Wäldchen. Im Frühjahr blühen Buschwindröschen, Bärlauch und Waldmeister flächig im Unterwuchs.
Highlights und Touren
Schaalsee-Region und Ratzeburger See sind die Wassersport-Zentren — Ratzeburg selbst auf einer Insel im See ist UNESCO-Welterbe-Kandidat mit dem Backsteindom aus dem 12. Jahrhundert. Kanu-Touren auf Schaalsee, Domsee und Küchensee verbinden mehrere Gewässer. Beste Reisezeit ist Mai bis September für Wassersport.
Naturpark Stechlin-Ruppiner Land — Brandenburgs Klarwasserseen
Der Naturpark Stechlin-Ruppiner Land in Nord-Brandenburg umfasst rund 1.080 Quadratkilometer und enthält über 170 Seen. Der Stechlinsee selbst ist mit rund 70 Metern Tiefe einer der tiefsten Klarwasserseen Norddeutschlands — die Sichtweite reicht bei guten Bedingungen über 10 Meter. Theodor Fontane hat dem See mit seinem letzten Roman Der Stechlin ein literarisches Denkmal gesetzt.
Fauna und Flora
Im Stechlinsee leben endemische Maränen-Arten — der Stechlin-Maräne und die Fontane-Maräne kommen nur hier vor. Seeadler, Fischadler und Schwarzstorch brüten in der Region. Die Wälder rund um den See sind teilweise sehr alte Kiefern- und Buchen-Bestände, der Moorsee Wummsee zeigt typische Hochmoor-Vegetation mit Sonnentau und Moosbeere.
Highlights und Touren
Naturparkzentrum Stechlin in Menz und das Erlebnisgewässer-Zentrum NaturParkHaus in Rheinsberg sind die Einstiegspunkte. Wanderung um den Stechlinsee (rund 18 Kilometer) lässt sich gut in Etappen gehen — Ufernähe ist überwiegend möglich. Rheinsberg mit seinem Schloss als Kulturpunkt am Rande des Naturparks. Beste Reisezeit ist Mai bis September.
Halligen — Wattenmeer-Inseln als Naturparadies
Die Halligen sind eine Besonderheit weltweit — kleine, nicht-eingedeichte Marsch-Inseln, die bei Sturmfluten regelmäßig komplett überspült werden. Zehn bewohnte Halligen liegen im schleswig-holsteinischen Wattenmeer, die größten sind Hooge (5,5 km²), Langeneß (10 km²) und Nordstrandischmoor. Die Bewohner leben auf künstlich aufgeschütteten Hügeln, den sogenannten Warften.
Fauna und Flora
Die Halligen sind eines der wichtigsten Brutgebiete für Küstenvögel in Nordeuropa. Lachmöwen, Silbermöwen, Brandgänse, Austernfischer, Rotschenkel und Säbelschnäbler brüten in dichten Kolonien. Im Herbst rasten Ringelgänse zu Zehntausenden auf den Salzwiesen. Salzwiesen-Flora mit Strandflieder, Salzaster und Andelgras prägt das Bild — keine Bäume außer einzelnen geschützten Wäldchen direkt an den Warften.
Highlights und Touren
Tagesausflug per Schiff von Schlüttsiel oder Dagebüll nach Hooge, Langeneß oder Gröde. Wattwanderungen vom Festland nach Hooge sind möglich, aber nur mit Guide. Halligbahn auf Langeneß mit Lorenfahrt zwischen den Warften ist eine Kuriosität. Beste Reisezeit ist Mai bis Juni für Vogelbrut und September für Ringelgänse — im Winter sind die Halligen meist nicht touristisch erschlossen.
Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft — Kraniche und Darß-Wälder
Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft umfasst rund 805 Quadratkilometer und schützt die Halbinseln Darß, Zingst und Hiddensee sowie die vorgelagerten flachen Boddengewässer. Die Region ist europaweit bekannt als wichtigster Kranich-Rastplatz an der Ostseeküste — bis zu 70.000 Kraniche sammeln sich im Herbst zur Vorbereitung des Süd-Zugs.
Fauna und Flora
Die Kraniche schlafen in flachen Wasserzonen rund um den Bock und vor Pramort — sicher vor Füchsen. Tagsüber fliegen sie auf abgeerntete Maisfelder ins Hinterland. Seeadler, Schreiadler, Rohrweihen und Tüpfelsumpfhuhn brüten in der Region. Der Darß-Wald an der Westküste ist einer der wenigen unberührten Küstenwälder Europas mit windgeformten Kiefern und Buchen. Im Sommer blüht der Strand-Sanddorn an den Dünen.
Highlights und Touren
Kranich-Beobachtung am Pramort oder auf dem Beobachtungs-Plateau Kirr im September und Oktober ist das Naturschauspiel Norddeutschlands. Darßer Ort mit dem Leuchtturm und Naturschutz-Zentrum, der Weststrand am Darß als einer der schönsten Naturstrände der Ostsee. Hiddensee ist ganzjährig autofrei. Beste Reisezeit ist Mitte September bis Mitte Oktober für Kraniche, Mai bis Juni für Brutvögel.
Naturpark Holsteinische Schweiz — Endmoräne mit Seen
Der Naturpark Holsteinische Schweiz schützt rund 750 Quadratkilometer Endmoränenlandschaft zwischen Kiel und Lübeck. Über 70 Seen, Hügel bis 168 Meter Höhe und ausgedehnte Buchenwälder prägen das Gebiet — der Name Schweiz spielt auf die für norddeutsche Verhältnisse ausgeprägte Topographie an, geprägt von eiszeitlichen Gletschern vor rund 15.000 Jahren.
Fauna und Flora
Seeadler haben sich nach Jahrzehnten der Abwesenheit wieder angesiedelt. Kraniche brüten in mehreren Mooren und Bruchwäldern, Fischotter sind regelmäßig zu beobachten. Die alten Buchenwälder rund um den Großen Plöner See gehören zu den artenreichsten Norddeutschlands — im Frühjahr blühen weite Säle mit Buschwindröschen und Bärlauch.
Highlights und Touren
Wanderung auf den Bungsberg (168 Meter — höchster Punkt Schleswig-Holsteins), Schiffstour auf der Fünf-Seen-Fahrt rund um Plön, Eutin mit Schloss und der Holsteinische-Schweiz-Bahn als historische Strecke. Schloss Plön thront über dem Großen Plöner See und ist häufig fotografiert. Beste Reisezeit ist Mai bis Oktober.
Die 11 norddeutschen Naturparks im Vergleich
Sechs Gebiete im direkten Vergleich — die ergänzenden fünf Naturparks (Steinhuder Meer, Lauenburgische Seen, Halligen, Holsteinische Schweiz und Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer als Teil des Watt-Verbunds) sind in den Profil-Blöcken oben beschrieben.
Die fünf ergänzenden Profile im Überblick
Steinhuder Meer — flach und vogelreich
Mit 32 Quadratkilometern größter See Nordwestdeutschlands, im Schnitt nur 1,35 Meter tief. Inselfestung Wilhelmstein, Totes Moor mit Kranichen und Star-Schwärmen im Oktober. Tagesausflug ab Hannover.
Lauenburgische Seen — Endmoräne östlich Hamburg
Über 40 Seen auf rund 474 Quadratkilometern, Ratzeburg auf einer Insel mit Backsteindom. Wassersport-Region mit Kanutouren zwischen Schaalsee, Domsee und Küchensee.
Halligen — Watt-Inseln ohne Deich
Zehn bewohnte Halligen mit Warften, regelmäßiges Landunter im Winter. Brut-Hotspot für Küstenvögel, im Herbst Zehntausende Ringelgänse. Tagesausflug per Schiff ab Schlüttsiel.
Holsteinische Schweiz — Seen-Hügel-Land
Rund 750 Quadratkilometer mit über 70 Seen zwischen Kiel und Lübeck, höchster Punkt Schleswig-Holsteins (Bungsberg 168 Meter). Schloss Plön, Eutin und Buchenwälder.
Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
Rund 4.410 Quadratkilometer Watt, Halligen und Salzwiesen — der größte Nationalpark Mitteleuropas. Schweinswale rund um Sylt, Kegelrobben auf der Helgoland-Düne, Vogelschauspiel ganzjährig.
Niedersächsisches Wattenmeer — Inseln und Sandbänke
3.450 Quadratkilometer von der Elbmündung bis zur niederländischen Grenze, sieben Ostfriesische Inseln. Seehunde, Zugvögel, geführte Wattwanderungen ab Cuxhaven und Norddeich.
Praktische Tipps für Naturerlebnisse in Norddeutschland
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Kostenfreie Naturparks bewusst nutzen
Die meisten Gebiete sind eintrittsfrei — bezahlt wird höchstens für geführte Touren oder Parkplätze. Wer mehrere Tage bleibt, ist häufig günstiger unterwegs als bei einem Städtetrip vergleichbarer Länge.
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Geführte Wattwanderungen sind Pflicht
Niemals allein ins Watt — die Tiden ändern sich schnell, Priele füllen sich in Minuten. Lizenzierte Watt-Führer kennen sichere Routen und erklären die Fauna nebenbei. Größere Touren ab rund 10 Euro pro Person.
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Vogelzug-Saisons im Kalender markieren
April bis Mai und September bis Oktober sind die spektakulärsten Phasen — Wattenmeer-Schwärme, Müritz-Kraniche und Vorpommersche Bodden-Kraniche brauchen Vorab-Planung. Beste Beobachtung in den frühen Morgenstunden.
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Infozentren als ersten Anlaufpunkt nutzen
Nationalpark-Häuser in Wilhelmshaven, Tönning, Federow (Müritz) und Wieck (Vorpommern) sowie Naturparkzentren in Stechlin und Schneverdingen bieten aktuelle Tipps, Karten und häufig auch Beobachtungs-Updates.
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Nebensaison spart Geld und Nerven
Lüneburger Heide außerhalb der Heideblüte, Müritz im April oder Mai, Holsteinische Schweiz im Herbst — geringere Auslastung, niedrigere Preise und weniger Druck auf empfindliche Räume. Die Natur ist nicht weniger schön.
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Barrierearme Wege gezielt suchen
Heideblüten-Plattform Schneverdingen, Müritz-Erlebnispfad Federow und das Watt-Erlebniszentrum Tönning sind weitgehend barrierearm. Auch der Beobachtungs-Plateau Kirr in Vorpommern ist mit Rolli zugänglich.
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Frühe Morgenstunden bevorzugen
Seeadler, Kraniche und Heidschnucken sind in den ersten Stunden nach Sonnenaufgang am aktivsten. Die Lichtstimmung in der Heide oder über dem Watt ist dann zudem fotografisch am stärksten.
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Wind- und wetterfeste Kleidung mitnehmen
Norddeutsche Küstenregionen und die Mecklenburgische Seenplatte können auch im Sommer mit kühlem Wind oder kurzem Regen überraschen. Schichtprinzip, wasserfeste Schuhe und Mütze gehören in jeden Rucksack.
Insider-Tipps
Heideblüte am frühen Morgen erleben
Wer Ende August oder Anfang September um sechs Uhr morgens am Wilseder Berg ankommt, hat die violette Hochfläche fast für sich allein. Die Heideblütentage in Schneverdingen sind ein Volksfest, aber die Heide selbst kann morgens vor dem Frühstück ganz ländlich und still wirken.
Stechlinsee als Geheimtipp für Klarwasser-Fans
Während Müritz und Mecklenburgische Seenplatte im Sommer voll sind, bleibt der Stechlinsee überraschend ruhig. Schwimmen in 70 Metern tiefem Klarwasser mit Sichtweite über 10 Meter ist ein Erlebnis, das es in dieser Häufigkeit kaum noch gibt — der See gilt als einer der saubersten Norddeutschlands.




