Die Münchner Peterskirche am Rindermarkt 1 in der Altstadt ist die älteste Pfarrkirche der bayerischen Landeshauptstadt — die Münchner nennen sie liebevoll den „Alten Peter“ und meinen damit nicht nur die Kirche, sondern vor allem ihren 92 Meter hohen Turm direkt südlich vom Marienplatz. Erbaut ab 1180 als romanische Basilika, im 14. Jahrhundert gotisch erweitert, im 17. Jahrhundert barockisiert und 1730 mit einem Rokoko-Hochaltar von Egid Quirin Asam und Ignaz Günther geschmückt, vereint die Kirche acht Jahrhunderte Münchner Baugeschichte unter einem Dach. Im Zweiten Weltkrieg 1944 und 1945 wurde sie schwer beschädigt, der Wiederaufbau dauerte bis 1954 und folgte den Originalplänen Stein für Stein. Heute zieht die Peterskirche jedes Jahr Hunderttausende Besucher an — wegen der Mumie der heiligen Mundita mit ihren Edelstein-Augen, wegen des prachtvollen Hochaltars und vor allem wegen der Aussichtsplattform in 56 Metern Höhe, die man über 305 Stufen erreicht und von der aus man bei klarer Sicht über den Marienplatz, die Frauenkirche und im besten Fall bis zu den bayerischen Alpen schauen kann. Eintritt Turm 5 Euro, kein Aufzug, täglich geöffnet von 9 bis 18:30 Uhr.
Anreise und Erreichbarkeit
Die Peterskirche liegt mitten in der Münchner Altstadt, direkt südlich vom Marienplatz und unmittelbar neben dem Viktualienmarkt. Wer am Marienplatz aus der U- oder S-Bahn steigt, sieht den Turm bereits, sobald man die Treppe zur Oberfläche genommen hat — der Fußweg beträgt rund 3 Minuten und führt über den Marienplatz nach Süden in Richtung Rindermarkt. Mit dem Auto in die Münchner Altstadt zu kommen lohnt sich aufgrund der Verkehrsführung und der Parkgebühren in der Regel nicht.
Mit der S-Bahn
Alle Münchner S-Bahn-Linien S1 bis S8 halten am Marienplatz und sind damit die schnellste Anreise aus dem gesamten Großraum. Vom Münchner Hauptbahnhof ist man mit jeder S-Bahn in nur 3 Minuten am Marienplatz, von dort sind es rund 3 Minuten Fußweg zur Peterskirche. Vom Münchner Flughafen führt die S8 in rund 40 Minuten zum Marienplatz, die S1 braucht etwa 45 Minuten.
Mit der U-Bahn
Die U-Bahn-Linien U3 und U6 halten ebenfalls am Marienplatz. Wer aus den südlichen Stadtteilen wie Sendling, Harras oder Großhadern kommt, nutzt diese Verbindung. Von der Haltestelle Marienplatz sind es zur Peterskirche rund 3 Minuten Fußweg über den Marienplatz nach Süden zum Rindermarkt.
Mit dem Auto
Die Münchner Altstadt ist weitgehend Fußgängerzone, und das Anfahren mit dem Auto wird nicht empfohlen. Wer dennoch mit dem PKW kommt, parkt in einer der Tiefgaragen rund um die Altstadt — etwa der Tiefgarage am Marienplatz, der Tiefgarage Rinder-Center am Rindermarkt selbst oder der Tiefgarage Oper am Maximiliansplatz. Tagessätze liegen bei 25 bis 45 Euro, kurze Aufenthalte je angefangene Stunde rund 3 bis 5 Euro. Von der A8 (München Süd) oder A9 (München Nord) folgt man der Beschilderung in Richtung Innenstadt.
Mit dem Flugzeug
Der Flughafen München (MUC) liegt rund 35 Kilometer nordöstlich der Altstadt und ist mit den S-Bahn-Linien S1 und S8 direkt mit dem Marienplatz verbunden. Die Fahrtzeit beträgt 40 bis 45 Minuten, ein Einzelticket kostet rund 13 Euro. Taxi vom Flughafen zur Peterskirche dauert je nach Verkehr 35 bis 60 Minuten und kostet 70 bis 100 Euro.
Vor Ort bewegen
Rund um die Peterskirche herrscht reine Fußgängerzone — der Marienplatz, der Rindermarkt und der Viktualienmarkt sind autofrei. Die Strecken zwischen den großen Sehenswürdigkeiten Marienplatz, Frauenkirche, Viktualienmarkt, Hofgarten und Residenz sind sämtlich zu Fuß in wenigen Minuten möglich. Die Münchner Altstadt ist überschaubar und in einem Halbtag gut zu Fuß zu erkunden.
Geschichte der Peterskirche
Die Geschichte der Peterskirche reicht weiter zurück als die offizielle Stadtgründung Münchens. Bereits vor der Gründung der Stadt im Jahr 1158 durch Heinrich den Löwen stand auf dem Petersbergl, einer leichten Erhebung über der Isar, eine kleine Mönchskirche, die der Legende nach von Benediktinern bewohnt war. Auf dieses Bauwerk geht der Name München zurück — „bei den Mönchen“, München. Ab 1180 wurde an dieser Stelle eine romanische Basilika errichtet, die Vorgängerin der heutigen Kirche. Damit ist die Peterskirche die älteste Pfarrkirche Münchens und der eigentliche Ursprungsort der Stadt.
Von der Romanik zur Gotik
Im 14. Jahrhundert wurde die romanische Basilika gotisch erweitert. Aus dem ursprünglich niedrigen, dreischiffigen Bau entstand ein höheres Langhaus mit Spitzbogenfenstern, einem neuen Chor und einer kunstvolleren Westfassade. Die Bauarbeiten zogen sich über mehrere Jahrzehnte hin, weil die Stadt Mittel und Stifter mobilisieren musste. Bis Ende des 14. Jahrhunderts stand die Kirche im Wesentlichen in gotischer Form und prägte mit ihrem Turm bereits das Stadtbild des spätmittelalterlichen Münchens.
Der Barock und die Asam-Brüder
Im 17. Jahrhundert begann der bayerische Hof, sakrale Bauten im barocken Stil umzugestalten — die Peterskirche bekam neue Stuckaturen, dramatische Lichtführung und einen ganz neuen Innenraum. Im Jahr 1730 erhielt sie ihren prachtvollen Rokoko-Hochaltar, gestaltet vom berühmten Bildhauer Egid Quirin Asam gemeinsam mit Ignaz Günther. Beide gehörten zu den größten bayerischen Künstlern des 18. Jahrhunderts. Der Hochaltar zeigt Petrus auf einer Wolke mit Engeln, dahinter goldene Strahlen aus farbigem Marmor — typisch für den süddeutschen Rokoko, der Bewegung, Licht und Theatralik in den Mittelpunkt stellte.
Zerstörung und Wiederaufbau
Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Peterskirche schwere Schäden. Mehrere Bombentreffer 1944 und 1945 beschädigten den Turm, das Dach und Teile des Innenraums. Der Rokoko-Hochaltar war glücklicherweise zu Kriegsbeginn ausgelagert worden, sodass die kostbaren Skulpturen erhalten blieben. Der Wiederaufbau begann unmittelbar nach Kriegsende und folgte den Originalplänen Stein für Stein. Bis 1954 war die Kirche in ihrem Vorkriegszustand wiederhergestellt — eine bemerkenswerte Leistung der bayerischen Denkmalpflege.
Der „Alte Peter“ als Aussichtsturm
Was die Peterskirche heute über alle anderen Münchner Kirchen heraushebt, ist ihr Turm. Mit 92 Metern Gesamthöhe ist er zwar kürzer als die Türme der Frauenkirche (98 Meter), aber er ist der einzige Münchner Innenstadtturm mit öffentlich zugänglicher Aussichtsplattform. Diese liegt in 56 Metern Höhe — und genau das macht den „Alten Peter“ zum besten Aussichtspunkt der Münchner Altstadt. Wer den Aufstieg schafft, sieht aus erster Reihe auf den Marienplatz hinab, hat die Frauenkirche und das Rathaus zum Greifen nah und schaut bei klarem Wetter bis zu den bayerischen Alpen.
305 Stufen ohne Aufzug
Der Aufstieg führt über 305 Stufen ohne Aufzug — das ist sportlich, aber auch für durchschnittlich fitte Erwachsene zu schaffen. Die Treppe ist eng und windet sich spiralförmig durch das Mauerwerk des Turms. An mehreren Stellen gibt es kleine Plateaus mit Fenstern, an denen man Atem holen und Fotos machen kann. Der Aufstieg dauert je nach Tempo 5 bis 10 Minuten, der Abstieg etwa genauso lang. Wer Höhenangst oder Kreislaufprobleme hat, sollte den Aufstieg gut überlegen.
Was man von oben sieht
Die Aussichtsplattform umläuft den Turm rundum, sodass man in alle vier Himmelsrichtungen sehen kann. Nach Norden blickt man direkt auf den Marienplatz mit dem Neuen Rathaus, dahinter die markanten Türme der Frauenkirche. Nach Osten sieht man auf den Viktualienmarkt mit seinen bunten Marktständen und den Bayerischen Hof. Nach Süden öffnet sich der Blick zur Isar und an klaren Tagen bis zu den schneebedeckten Alpen — vor allem im Frühjahr und Herbst bei Föhn-Wetter ist die Sicht spektakulär. Nach Westen reicht der Blick zum Karlsplatz und zur Theatinerkirche.
Beste Zeit für den Aufstieg
Wer die Alpen sehen will, kommt am besten bei Föhn-Wetterlagen, die in München vor allem im Herbst und Frühjahr häufig auftreten. An solchen Tagen ist die Luft besonders klar, und die Berge wirken zum Greifen nah. Sonst gilt: Vormittag besser als Nachmittag, weil die Sonne dann von Osten kommt und Marienplatz sowie Frauenkirche optimal beleuchtet sind. Sonnenuntergänge sind ebenfalls fotogen, aber dann kann es voll werden — vor allem im Sommer.
Die 6 Highlights in der Peterskirche im Überblick
Rokoko-Hochaltar von 1730
Das Meisterwerk von Egid Quirin Asam und Ignaz Günther im Chorraum — Petrus thront auf goldenen Wolken, umgeben von Engelsgestalten und farbigem Marmor. Typisch süddeutscher Rokoko, eines der wichtigsten Altarwerke Bayerns.
Mumie der heiligen Mundita
Die wohl skurrilste Reliquie Münchens: eine vollständig gekleidete Mumie der frühchristlichen Märtyrerin Mundita mit Edelstein-Augen, ausgestellt in einem gläsernen Schrein in der nördlichen Seitenkapelle. Erinnert an spätrömische Bestattungspraxis.
Aussichtsplattform Alter Peter
In 56 Metern Höhe der beste Aussichtspunkt der Münchner Altstadt mit Rundumblick auf Marienplatz, Frauenkirche, Viktualienmarkt und bei Föhn bis zu den Alpen. 305 Stufen, kein Aufzug, 5 Euro Eintritt.
Hauptschiff mit Stuckaturen
Das gotisch erweiterte und barock ausgestaltete Hauptschiff mit weißem Stuck, vergoldeten Kapitellen und Deckenfresken aus dem 18. Jahrhundert. Die Atmosphäre wechselt zwischen mittelalterlicher Strenge und barocker Pracht.
Seitenkapellen mit Heiligen-Figuren
Acht Seitenkapellen säumen das Hauptschiff, jede mit eigener Heiligen-Darstellung und barocken Altären. Besonders sehenswert: die Marienkapelle mit einer Madonna aus dem 15. Jahrhundert und die Sebastiankapelle.
Glocken und Glockenstuhl
Acht Glocken hängen im Turm der Peterskirche, die älteste stammt aus dem 14. Jahrhundert. Während des Aufstiegs zur Aussichtsplattform passiert man den Glockenstuhl auf rund 40 Metern Höhe. Sonntags um 9:55 Uhr läutet das große Geläut zur Hauptmesse.
Peterskirche im Vergleich mit anderen Münchner Sehenswürdigkeiten
Die Peterskirche ist der einzige Münchner Innenstadtturm mit historischer Treppe ohne Aufzug — wer den sportlichen Aufstieg schafft, wird mit dem authentischsten Blick auf die Altstadt belohnt. Das Neue Rathaus mit Aufzug ist die bequeme Alternative.
Die heilige Mundita und ihre Edelstein-Augen
Eine der ungewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten der Peterskirche ist die Mumie der heiligen Mundita. Sie liegt in einem gläsernen Schrein in einer der nördlichen Seitenkapellen und blickt die Besucher mit zwei großen Edelsteinen anstelle der Augen an. Mundita gilt als frühchristliche Märtyrerin aus dem römischen Reich des 3. Jahrhunderts. Ihre Gebeine kamen im 17. Jahrhundert als Reliquie nach München und wurden vollständig in barocke Gewänder gekleidet, mit Schmuck behängt und in die Peterskirche überführt.
Warum die Edelstein-Augen?
Die Augen aus farbigem Glas und Halbedelsteinen entsprechen einer in Süddeutschland und im Alpenraum verbreiteten Tradition des 17. und 18. Jahrhunderts. Sogenannte „Katakombenheilige“ — Reliquien, die aus den römischen Katakomben nach Mitteleuropa kamen — wurden in den Kirchen oft komplett rekonstruiert und mit kostbaren Materialien geschmückt, um ihre besondere Würde zu betonen. Mundita ist eines der eindrucksvollsten erhaltenen Beispiele dieser Tradition.
Wo genau zu finden
Wer die Peterskirche durch das Hauptportal am Rindermarkt betritt, geht durch das Hauptschiff Richtung Hochaltar. Auf der nördlichen Seite des Querschiffs befinden sich mehrere Kapellen — die Mundita-Kapelle ist die zweite von hinten gezählt. Hinweise an den Pfeilern leiten zur Mumie. Fotografieren ist erlaubt, allerdings ohne Blitz und mit Rücksicht auf andere Besucher.
Praktische Tipps für den Besuch
-
€
Eintritt nur für den Turm
Die Kirche selbst ist kostenlos zugänglich, nur der Aufstieg zur Aussichtsplattform kostet 5 Euro Erwachsene. Für Familien und ermäßigte Gruppen gelten reduzierte Preise. Zahlung am Eingang im Vorraum des Turms, Kartenzahlung mittlerweile möglich.
-
✦
Föhn-Tage für die Alpen-Sicht nutzen
Wer von oben die bayerischen Alpen sehen will, sollte die Wetterlage prüfen. Bei Föhn — vor allem im Herbst und Frühjahr — ist die Luft so klar, dass die Berge zum Greifen nah wirken. An normalen Tagen reicht der Blick meist nur bis zum Stadtrand.
-
+
Frühe Stunden für Fotos
Direkt nach der Öffnung um 9 Uhr ist die Plattform meist noch leer, und die Vormittagssonne beleuchtet Marienplatz und Frauenkirche von Osten optimal. Ab 11 Uhr wird es voll, vor allem zum Glockenspiel am Rathaus. Wer Ruhe und gute Fotos will, kommt früh.
-
i
305 Stufen sind sportlich
Der Aufstieg ohne Aufzug verlangt etwas Kondition. Wer nicht so gut zu Fuß ist oder Höhenangst hat, sollte das ernst nehmen. Es gibt zwei bis drei kleine Plateaus zum Verschnaufen während des Aufstiegs. Auch der Abstieg auf der engen Wendeltreppe verlangt Trittsicherheit.
-
⌘
Mit dem Viktualienmarkt kombinieren
Direkt südlich der Peterskirche liegt der Viktualienmarkt mit seinen bunten Marktständen, Biergarten und Brotzeit-Möglichkeiten. Wer den „Alten Peter“ besucht, kann anschließend perfekt eine Brotzeit auf dem Markt einplanen — beide Stationen ergeben einen runden Vormittag.
-
♿
Barrierefreiheit eingeschränkt
Die Kirche selbst ist barrierefrei zugänglich, der Turm aufgrund der 305 Stufen ohne Aufzug nicht. Wer mit Rollstuhl oder Kinderwagen reist, sollte stattdessen die Aussichtsplattform am Neuen Rathaus nutzen, die per Aufzug erreichbar ist.
-
☀
Beste Reisezeit Mai bis Oktober
Zwischen Frühjahr und Herbst sind die Sichtweiten am besten und die Tage lang genug für einen Sonnenuntergangs-Aufstieg. Im Winter ist die Plattform geöffnet, aber kalt — eine warme Jacke und Mütze sind dann Pflicht, vor allem bei Wind.
-
☂
Schlechtwetter-Hinweis
Bei starkem Wind, Gewitter oder Schneefall kann die Aussichtsplattform aus Sicherheitsgründen geschlossen werden. Vor der Anfahrt prüfen oder im Vorraum nachfragen. Bei Regen ist die Kirche selbst eine perfekte Schlechtwetter-Alternative — die Mundita-Mumie und der Hochaltar lohnen sich auch bei trübem Himmel.
Insider-Tipps
Was die wenigsten Besucher wissen
Wer genau hinschaut, entdeckt während des Aufstiegs zur Aussichtsplattform mehrere Inschriften und Steinmetz-Zeichen aus verschiedenen Jahrhunderten — frühere Bauarbeiter haben hier ihre Initialen und Jahreszahlen verewigt. Manche stammen aus dem 14. Jahrhundert, andere aus der Wiederaufbau-Zeit der 1950er Jahre. Diese kleinen Details sind nicht offiziell beschildert und werden meistens übersehen. Auch der Glockenstuhl auf rund 40 Metern Höhe ist während des Aufstiegs kurz sichtbar.
Das Glockenkonzert sonntags
Sonntags um 9:55 Uhr läutet das volle Geläut der Peterskirche mit allen acht Glocken zur Hauptmesse — ein akustisches Erlebnis, das man am besten direkt vor der Kirche oder auf dem Marienplatz stehend erlebt. Wer zu diesem Zeitpunkt auf der Aussichtsplattform ist, hat das Geläut praktisch in den Ohren — beeindruckend, aber auch sehr laut. Vorher überlegen, ob man das wirklich aus nächster Nähe erleben will.




