Das Deutsche Jagd- und Fischereimuseum in der Neuhauser Straße 2 in der Münchner Altstadt ist das größte Museum seiner Art in Deutschland. Seit 1966 residiert es in der Augustinerkirche, der ältesten erhaltenen Pfarrkirche Münchens, deren Mauern bis ins Jahr 1294 zurückreichen. In den ehemaligen Kirchenräumen drängen sich über tausend Jagdtrophäen, eine bedeutende Sammlung historischer Jagdwaffen vom 16. bis ins 19. Jahrhundert, große Jagdgemälde, Fischfang-Geräte sowie ein Aquaristik-Bereich mit lebenden Süßwasserfischen. Besonders berühmt ist die Wolpertinger-Vitrine mit den bayerischen Fantasie-Tier-Präparaten, kuriosen Mischwesen aus Hörnern, Federn und Krallen, die jährlich Zehntausende Besucher anzieht. Mit 5,50 Euro Eintritt und täglichen Öffnungszeiten von 9:30 bis 17 Uhr gehört das Haus zu den preiswertesten und am leichtesten zugänglichen Großmuseen der bayerischen Landeshauptstadt.

Anreise und Erreichbarkeit

Die Lage ist denkbar zentral: Das Museum liegt mitten in der Münchner Fußgängerzone zwischen Karlsplatz/Stachus und Marienplatz, einer der meistfrequentierten Einkaufsachsen Deutschlands. Wer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreist, ist binnen weniger Minuten vor Ort. Auch für Fußgänger und Radfahrer aus jeder Richtung der Altstadt ist die Augustinerkirche kaum zu verfehlen — schon ihre große, hell verputzte Fassade mit dem markanten Giebel sticht aus den umliegenden Häusern heraus.

Mit dem Auto

Die Anfahrt erfolgt über den Altstadtring, der die Fußgängerzone als großer Verkehrsring umschließt. Aus dem Norden ist die A9, aus dem Süden die A8 und aus dem Westen die A96 die übliche Wahl, jeweils mit Anschluss an den Mittleren Ring. Direkt vor dem Museum ist die Zufahrt für Pkw nicht möglich, da Neuhauser und Kaufinger Straße seit Jahrzehnten als Fußgängerzone ausgewiesen sind. Die nächsten Tiefgaragen befinden sich am Stachus (Stachus-Garage), am Marienplatz, in der Maximilianstraße und am Promenadeplatz. Parkgebühren in der Altstadt sind hoch, daher empfiehlt sich für Tagesgäste eine P+R-Anlage am Stadtrand und die Weiterfahrt mit U- oder S-Bahn.

Mit der Bahn und dem ÖPNV

Vom Hauptbahnhof München sind es mit der S-Bahn nur eine einzige Station bis zum Karlsplatz/Stachus (S1 bis S8). Auch die U-Bahn-Linien U4 und U5 sowie die Stammstrecke der S-Bahn halten dort. Vom Karlsplatz sind es zu Fuß durch die Fußgängerzone keine 200 Meter bis zum Museum. Alternativ steigt man eine Station weiter am Marienplatz aus (U3 und U6 zusätzlich) und läuft etwa 400 Meter durch die Kaufinger Straße zurück. Tram-Linien 19, 21 und 22 halten ebenfalls am Karlsplatz. Vom Flughafen München erreicht man das Museum mit S1 oder S8 in rund 45 Minuten ohne Umstieg.

Mit dem Flugzeug

Der Flughafen München Franz Josef Strauß (MUC) ist mit der S1 oder S8 direkt an die Innenstadt angebunden; die Fahrt zum Karlsplatz dauert etwa 40 bis 50 Minuten. Memmingen (FMM) ist als Low-Cost-Alternative möglich, erfordert aber Bus-Transfer zum Hauptbahnhof München (rund 1,5 Stunden zusätzlich) und ist für ein Museums-Tagesziel kaum sinnvoll.

Vor Ort bewegen und Parken

Wer das Museum besucht, kombiniert das in aller Regel mit einem Stadtspaziergang durch die Altstadt: Marienplatz, Frauenkirche, Viktualienmarkt und der Stachus liegen alle in wenigen Gehminuten Entfernung. Behindertenparkplätze sind in den umliegenden Tiefgaragen ausgewiesen. Das Museum selbst ist mit Aufzügen für Rollstühle und Kinderwagen weitgehend erschlossen — eine bemerkenswerte Leistung in einem Kirchengebäude aus dem späten 13. Jahrhundert.

Karlsplatz/Stachus 0,2 km ~3 min zu Fuß
Marienplatz 0,4 km ~5 min zu Fuß
Hauptbahnhof 1,3 km ~4 min S-Bahn
Flughafen MUC 38 km ~45 min S1/S8
Salzburg 145 km ~1:45 h via A8

Die Augustinerkirche — vom Gotteshaus zum Museum

Das Gebäude, in dem das Museum residiert, ist mindestens so spannend wie die Exponate selbst. Die Augustinerkirche wurde 1294 von den Augustinereremiten als Klosterkirche errichtet und gilt als älteste erhaltene Pfarrkirche Münchens. Über die Jahrhunderte erfuhr sie zahlreiche bauliche Veränderungen: Im Spätmittelalter wurde sie gotisch erweitert, im Barock im italienischen Stil umgestaltet, und nach Aufhebung des Klosters 1803 verlor sie ihre kirchliche Funktion. Im 19. Jahrhundert diente sie als Mautamt, später als Polizeiarchiv, und im Zweiten Weltkrieg wurde sie durch Bomben schwer beschädigt. Nach dem Wiederaufbau und einer behutsamen Restaurierung zog 1966 das Jagd- und Fischereimuseum ein.

Architektur und Atmosphäre

Die ehemalige Kirche bietet eine außergewöhnliche Kulisse für die Sammlung. Das hohe Mittelschiff mit seinen mächtigen Pfeilern, die hellen Wände und die großzügigen Fenster lassen die Ausstellungsstücke geradezu sakral wirken. Bären-Präparate stehen vor ehemaligen Altarnischen, Geweihe hängen unter den hohen Bögen, und die Wolpertinger-Vitrine bekommt durch den kirchlichen Raum eine fast ironische Würde verliehen. Dieser Kontrast zwischen sakraler Architektur und profaner Sammlung ist einer der eigenwilligen Charme-Punkte des Hauses.

Eberkopf und Hirsch vor dem Eingang

Wer von der Neuhauser Straße kommt, wird vom berühmten bronzenen Eberkopf am Hauptportal begrüßt — ein beliebtes Foto-Motiv und Wahrzeichen des Museums. Der Eber wurde in den 1960er Jahren vom Münchner Bildhauer Walter Hilpert geschaffen und gilt heute als eines der meistfotografierten Tiermonumente der Stadt. Wer ihn berührt, soll laut Volksglaube Glück bei der Jagd haben — wobei der bronzene Schnauzen-Bereich durch die vielen streichelnden Hände inzwischen blank poliert ist.

Die Sammlung im Detail

Über drei Stockwerke verteilt sich die Sammlung, die in dieser Dichte und Breite einzigartig in Deutschland ist. Mehr als tausend Trophäen, Hunderte historische Waffen, große Gemälde, Aquaristik und Sonderausstellungen drängen sich in den ehemaligen Kirchenräumen. Die Hängung folgt nicht durchweg modernen Museums-Standards, sondern lebt zum Teil noch von der Sammlungs-Logik der 1960er und 1970er Jahre — was ihr eine eigentümlich anachronistische Atmosphäre verleiht. Genau dieser Charakter macht den Reiz aus.

Jagdtrophäen — Geweihe, Felle, Präparate

Das Herzstück sind über tausend Jagdtrophäen aus mehreren Jahrhunderten. Riesige Hirschgeweihe von Karpaten-Hirschen reichen mit einer Spannweite von über einem Meter an die Decke, Damhirsch- und Rotwild-Geweihe bedecken ganze Wände, und großformatige Felle hängen an den Säulen. Bemerkenswert ist die Eberkopf-Sammlung mit Dutzenden Präparaten unterschiedlicher Größe — vom Frischling bis zum kapitalen Keiler. Bären-Präparate, darunter ein imposanter Braunbär in aufrechter Haltung, sowie Wolfsdarstellungen werfen einen historischen Blick auf Raubtiere, die im Alpenraum jahrhundertelang Gegner des Menschen waren — und im Falle des Wolfes inzwischen wieder zurückkehren.

Historische Jagdwaffen 16.-19. Jahrhundert

Die Waffensammlung umfasst rund zwei Jahrhunderte Entwicklungsgeschichte: Radschloss-Büchsen und Steinschloss-Gewehre aus dem 16. und 17. Jahrhundert, kunstvoll gravierte Pirschbüchsen aus der Barockzeit, kurfürstliche Prachtwaffen mit Elfenbein-Intarsien sowie Repetier-Gewehre aus dem späten 19. Jahrhundert. Viele Stücke gehörten zu fürstlichen Sammlungen, etwa der von Kurfürst Karl Albrecht (1697-1745), der als leidenschaftlicher Jäger galt, und von König Ludwig II., der als bayerischer Romantiker die Pirsch zwar weniger schätzte, aber dennoch eine prächtige Waffensammlung führte. Pulverhörner aus Hirschhorn, kunstvoll gearbeitete Jagdtaschen und Falknerei-Utensilien runden den Bestand ab.

Jagdgemälde und Stillleben

Großformatige Jagdgemälde flämischer und süddeutscher Meister hängen im Mittelschiff und in den Seitenkapellen. Hirschjagd-Szenen, Wildschwein-Treibjagden und barocke Trophäen-Stillleben zeigen die Jagd als adeliges Standes-Ritual des 17. und 18. Jahrhunderts. Besonders eindrucksvoll sind Werke aus dem Umkreis von Frans Snyders sowie eine Reihe bayerischer Jagdmaler des 19. Jahrhunderts, die die königlichen Hofjagden im Berchtesgadener Land und in den Ammergauer Alpen festhielten.

Fischfang-Geräte und Aquaristik

Der Fischerei-Bereich beleuchtet die Geschichte des Süßwasser-Fischfangs in Bayern und darüber hinaus. Reusen, Wurfnetze, Stechgabeln und alte Angelausrüstungen dokumentieren Techniken vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Höhepunkt ist die Aquaristik-Abteilung im Untergeschoss: Mehrere große Süßwasseraquarien zeigen lebende Fische heimischer Gewässer — Hechte, Forellen, Karpfen, Welse und Schleien. Eine willkommene Abwechslung zu den vielen Präparaten und besonders bei Kindern ein Höhepunkt.

Die 6 Highlights im Überblick

Die Wolpertinger-Vitrine

Bayerische Fantasie-Tier-Präparate — ulkige Mischwesen aus Hörnern, Federn, Krallen und Hasen-Körpern. Touristisches Highlight, an dem sich täglich ganze Reisegruppen drängen. Liebevoll-skurril zusammengestellt.

Karpaten-Hirsch-Geweih

Mächtiges Geweih mit über einem Meter Spannweite, eines der größten Stücke der Sammlung. Stammt aus den Ostkarpaten und gilt als kapitaler Trophäen-Klassiker des frühen 20. Jahrhunderts.

Bronzener Eberkopf am Portal

Wahrzeichen am Hauptportal in der Neuhauser Straße. Bildhauer Walter Hilpert schuf das Monument in den 1960er Jahren. Wer ihn berührt, soll Glück bei der Jagd haben — die Schnauze ist deshalb blank poliert.

Pracht-Pirschbüchse Karl Albrechts

Reich verzierte Barockwaffe mit Elfenbein-Intarsien und Silbermontierungen aus dem frühen 18. Jahrhundert. Gehörte dem späteren Kaiser Karl VII. und gilt als eines der wertvollsten Stücke der Waffensammlung.

Aquaristik-Bereich im Untergeschoss

Mehrere große Süßwasseraquarien mit lebenden Hechten, Forellen, Karpfen und Welsen. Bei Kindern und Familien das beliebteste Highlight, weil hier echte Tiere zu sehen sind — kein Präparat.

Aufrecht stehender Braunbär

Ein imposantes Präparat eines Karpaten-Braunbären in voller Höhe von rund 2,40 Metern. Steht in einer ehemaligen Altarnische und ist eines der meistfotografierten Stücke nach dem Wolpertinger.

Münchner Themenmuseen im Vergleich

Kriterium
Jagd- und Fischerei
Deutsches Museum
Bayer. Nationalmuseum
Stadtmuseum München
Pinakothek der Moderne
Eröffnung
1966
1925
1855
1888
2002
Eintritt
5,50 Euro
15 Euro
10 Euro
7 Euro
10 Euro
Größe
Mittel
Sehr groß
Groß
Groß
Groß
Schwerpunkt
Jagd, Fischerei
Technik, Naturwiss.
Kunst, Handwerk
Stadtgeschichte
Moderne Kunst
Familientauglich
Sehr gut
Hervorragend
Mittel
Gut
Eingeschränkt
Dauer
1,5-2,5 h
4-6 h
2-3 h
2-3 h
2-3 h
Lage
Fußgängerzone
Isarinsel
Prinzregentenstr.
St.-Jakobs-Platz
Kunstareal

Das Jagd- und Fischereimuseum ist nicht das größte Münchner Haus, aber das thematisch ungewöhnlichste und mit 5,50 Euro Eintritt das günstigste der genannten Optionen. Für Familien mit Kindern eignet es sich überraschend gut — Trophäen, Bären und Aquaristik wirken auf Kinder spannender als manche Erwachsenen vermuten.

Geschichte und Kontroversen

Die Geschichte des Hauses ist eng mit der bayerischen Jagdtradition verbunden. Bereits im 19. Jahrhundert sammelten der Bayerische Jagdschutzverein und private Mäzene Trophäen, Waffen und jagdkundliche Materialien. Nach dem Zweiten Weltkrieg führte der Wiederaufbau des Vereinswesens zu einer Bündelung dieser Bestände, und nach langer Suche nach einem geeigneten Gebäude fiel 1966 die Wahl auf die wiederhergestellte Augustinerkirche. Seither ist das Haus eines der zentralen jagdkulturellen Häuser im deutschsprachigen Raum.

Pioniere der Jagd-Geschichte

Zwei bayerische Persönlichkeiten prägen die Sammlung besonders: Kurfürst Karl Albrecht (1697-1745), der spätere Kaiser Karl VII., war ein leidenschaftlicher Jäger und hinterließ Pracht-Waffen, Jagdtagebücher und prunkvolle Pirsch-Ausrüstungen, von denen mehrere Stücke heute im Museum zu sehen sind. König Ludwig II. (1845-1886), der märchenhafte „Kini“ der Bayern, war zwar kein begeisterter Jäger, doch seine umfangreiche Sammlung jagdlicher Prunkstücke gelangte teilweise ins Museum. Beide Figuren stehen exemplarisch für die enge Verflechtung von Adel, Jagd und bayerischer Identität.

Die Wolfs-Rückkehr-Debatte

Aktuelle Brisanz erhält die Sammlung durch die Wolfsdarstellungen in mehreren Vitrinen. Nachdem der Wolf jahrhundertelang aus Mitteleuropa verschwunden war, kehrt er seit den 2000er Jahren in einzelnen Rudeln nach Deutschland und auch nach Bayern zurück. Die Frage, wie sich Almwirtschaft, Schäferei und Wildbestand in einer Landschaft mit Wölfen vertragen, wird in Bayern besonders kontrovers diskutiert. Das Museum zeigt sowohl historische Wolfsdarstellungen aus Zeiten, als der Wolf als bedrohlicher Räuber galt, als auch zeitgenössische Materialien zur aktuellen Debatte — eine bemerkenswert ausgewogene Haltung.

Praktische Tipps für den Besuch

  • 5,50 Euro Eintritt regulär

    Ermäßigte Tickets gibt es für Studenten, Schüler und Senioren, häufig zum halben Preis. Familienkarten sowie Jahreskarten lohnen sich für Münchner, die mehrmals im Jahr vorbeischauen wollen. Karten werden in der Regel akzeptiert, bar zahlen ist jedoch sicherer.

  • Täglich geöffnet von 9:30 bis 17 Uhr

    Im Gegensatz zu vielen anderen Münchner Museen hat das Haus auch montags geöffnet, was es zur perfekten Anlaufstelle für Wochenstart-Besucher macht. Die Stunden von 9:30 bis 11 Uhr am Vormittag sind erfahrungsgemäß am ruhigsten.

  • + Wolpertinger zuerst ansteuern

    Die berühmte Wolpertinger-Vitrine ist das touristische Highlight und entsprechend stark frequentiert. Wer am Vormittag direkt nach der Öffnung kommt, hat die Vitrine fast für sich allein und kann die kuriosen Mischwesen in Ruhe fotografieren.

  • i Audio-Guide mitnehmen

    Ein Audio-Guide ist gegen geringe Gebühr verfügbar und erklärt sowohl historische Hintergründe der Trophäen als auch die Architektur der Augustinerkirche. Für Erstbesucher absolut empfehlenswert, weil die Beschilderung an einigen Stellen knapp ausfällt.

  • Aquaristik für Kinder einplanen

    Der Aquaristik-Bereich im Untergeschoss mit lebenden Hechten, Forellen und Welsen ist bei Kindern die Hauptattraktion. Mindestens 20 bis 30 Minuten einplanen — und idealerweise zum Schluss des Rundgangs ansteuern, damit die Kleinen bei den Trophäen oben noch konzentriert bleiben.

  • Barrierefreiheit weitgehend gegeben

    Das Museum ist mit Aufzügen für Rollstühle und Kinderwagen ausgestattet — eine bemerkenswerte Leistung in einem Kirchengebäude des 13. Jahrhunderts. Behinderten-WCs sind vorhanden, einzelne historische Bereiche bleiben jedoch nicht zugänglich.

  • Beste Tageszeit

    Werktags am Vormittag zwischen 9:30 und 11 Uhr ist das Museum am ruhigsten. Samstags und an Brückentagen drängen sich häufig Reisegruppen aus aller Welt vor der Wolpertinger-Vitrine. Wer in Ruhe sehen möchte, kommt früh oder kurz vor Kassenschluss um 16:30 Uhr.

  • Ideal bei Regenwetter

    Das Haus ist eines der besten Schlechtwetter-Programme der Münchner Altstadt: vollständig drinnen, mitten in der Fußgängerzone, mit Aufzug und langem täglichen Öffnungs-Fenster. Wer einen verregneten Tag retten will, ist hier bestens aufgehoben.

Insider-Tipps

Eberkopf-Foto als Pflichtprogramm

Wer schon vor Ort ist, sollte den bronzenen Eberkopf am Hauptportal nicht ignorieren. Der Schnauzen-Bereich ist durch jahrzehntelanges Streicheln blank poliert und glänzt golden — ein perfektes Foto-Motiv. Wer dem Volksglauben folgt, berührt die Schnauze für „Glück bei der Jagd“; für moderne Besucher mag das eher Glück im Leben bedeuten, aber der Effekt ist derselbe.

Spaziergang durch die Fußgängerzone

Nach dem Museum bietet sich ein gemütlicher Spaziergang durch die Neuhauser und Kaufinger Straße bis zum Marienplatz an. Auf dem Weg liegen die Bürgersaalkirche, die Michaelskirche mit der Königsgruft der Wittelsbacher sowie zahlreiche historische Bürgerhäuser. Am Marienplatz lohnt der Blick auf das Glockenspiel am Neuen Rathaus, das täglich um 11 und 12 Uhr (im Sommer zusätzlich 17 Uhr) erklingt.

Wann sich das Museum besonders lohnt

Das Deutsche Jagd- und Fischereimuseum ist ein Ganzjahres-Ziel. Im Winter wärmt das Kirchengebäude angenehm und bietet eine drinnen liegende Alternative zu den großen Plätzen der Innenstadt. Im Frühjahr und Herbst lässt sich der Besuch elegant mit einem Altstadt-Spaziergang durch die Fußgängerzone verbinden. Im Sommer ist die kühle Steinmasse der Augustinerkirche eine willkommene Abkühlung an heißen Tagen, an denen draußen in der Münchner Sonne die Bäume kaum Schatten spenden. Wer eine ungewöhnliche, kulturhistorisch wertvolle und überraschend günstige Sehenswürdigkeit sucht, die jeder Münchner zumindest einmal besucht haben sollte, ist hier richtig.

Für wen das Museum perfekt ist

Geeignet ist der Besuch für Familien mit Kindern ab etwa fünf Jahren, für Erwachsene mit Interesse an Naturkunde, Jagdgeschichte oder bayerischer Tradition sowie für Reisende, die mit kleinem Budget möglichst viel kulturhistorische Substanz erleben wollen. Auch Schulklassen sind häufig zu Gast, denn das Haus eignet sich hervorragend für Themen wie Tierkunde, Geschichte oder Heimatkunde. Die Aquaristik macht es zudem für Kinder spannend, die Trophäen sonst eher abschreckend finden würden.

Für wen es eher nicht passt

Wer ein modernes, didaktisch durchkomponiertes Museum mit interaktiven Stationen erwartet, wird vom traditionell-musealen Charakter des Hauses möglicherweise irritiert sein — Teile der Hängung wirken noch aus den 1970er Jahren. Wer aus ethischen Gründen mit Jagd, Trophäen-Sammlung und tierischen Präparaten grundsätzliche Probleme hat, wird sich beim Anblick der vielen Geweihe und Felle unwohl fühlen. Für solche Besucher ist die Pinakothek der Moderne oder das Stadtmuseum München die deutlich passendere Wahl.

Zwischen Karlsplatz und Marienplatz, mitten in der lebendigsten Fußgängerzone Deutschlands, sitzt in einer Kirche aus dem späten 13. Jahrhundert das größte Jagd- und Fischereimuseum des Landes. Tausend Trophäen, prachtvolle Waffen, lebende Süßwasserfische und natürlich die berühmten Wolpertinger erzählen von einer bayerischen Tradition, die heute zwischen Anachronismus und kulturhistorischem Erbe oszilliert. Wer München jenseits der Pinakotheken und des Deutschen Museums kennenlernen will, sollte für 5,50 Euro die Augustinerkirche betreten — es ist der ungewöhnlichste Museumsbesuch, den die bayerische Landeshauptstadt zu bieten hat.

HÄUFIGE FRAGEN

Wo befindet sich das Deutsche Jagd- und Fischereimuseum genau?

Das Museum sitzt in der Augustinerkirche, Neuhauser Straße 2, 80331 München-Altstadt. Die Lage ist mitten in der Fußgängerzone zwischen Karlsplatz/Stachus und Marienplatz, also auf einer der meistbesuchten Einkaufsachsen Deutschlands. Der Eingang ist am bronzenen Eberkopf-Portal leicht zu erkennen.

Warum ist das Museum in einer Kirche untergebracht?

Die Augustinerkirche wurde 1294 als Klosterkirche der Augustinereremiten errichtet und gilt als älteste erhaltene Pfarrkirche Münchens. Nach Aufhebung des Klosters 1803 verlor sie ihre kirchliche Funktion, diente als Mautamt und Polizeiarchiv und stand nach Kriegsschäden lange leer. 1966 zog das Museum ein und nutzt seither die einzigartige sakrale Kulisse.

Wie viel kostet der Eintritt?

Der reguläre Eintritt beträgt 5,50 Euro und gehört zu den günstigsten Münchner Museen. Ermäßigungen gibt es für Studenten, Schüler und Senioren. Familienkarten und Jahreskarten sind ebenfalls verfügbar. Karten werden akzeptiert, bar zahlen ist jedoch häufig schneller.

Welche Öffnungszeiten hat das Museum?

Das Museum hat täglich von 9:30 bis 17 Uhr geöffnet — auch montags, was es von vielen anderen Münchner Häusern unterscheidet. Der letzte Einlass erfolgt rund 30 Minuten vor Schließung. Am ruhigsten ist es werktags am Vormittag zwischen 9:30 und 11 Uhr.

Was ist ein Wolpertinger?

Wolpertinger sind bayerische Fantasie-Tier-Präparate, die kuriose Mischwesen aus echten Tierteilen zusammensetzen — etwa Hasenkörper mit Geweih, Entenfüßen, Hörnern und Federn. Sie sind eine bayerische Volkstradition und im Museum in einer eigenen Vitrine ausgestellt, die zum meistfotografierten Stück des Hauses gehört.

Welche Tiere sind in der Sammlung zu sehen?

Über tausend Trophäen umfasst die Sammlung, darunter Hirsche (Karpaten-Hirsch, Damhirsch, Rotwild), Eberköpfe, Bären-Präparate (insbesondere ein aufrecht stehender Braunbär), Wolfsdarstellungen, kleine Wildtiere sowie Aquaristik mit lebenden Hechten, Forellen, Karpfen, Welsen und Schleien im Untergeschoss.

Welche historischen Jagdwaffen sind ausgestellt?

Die Waffensammlung reicht vom 16. bis ins 19. Jahrhundert: Radschloss- und Steinschloss-Büchsen, barocke Pirschbüchsen mit Elfenbein-Intarsien, kurfürstliche Prachtwaffen und Repetier-Gewehre. Besonders wertvoll sind Stücke, die Kurfürst Karl Albrecht und König Ludwig II. zugeordnet werden, sowie Pulverhörner aus Hirschhorn und Falknerei-Utensilien.

Ist das Museum für Kinder geeignet?

Ja, durchaus — besonders ab etwa fünf Jahren. Die Aquaristik mit lebenden Süßwasserfischen im Untergeschoss ist ein klares Highlight für Kinder. Auch der Braunbär, die Wolpertinger und die großen Geweihe wirken auf Kinder eindrucksvoll. Schulklassen besuchen das Haus regelmäßig zu den Themen Tierkunde und Heimatkunde.

Wie barrierefrei ist das Museum?

Das Museum ist mit Aufzügen für Rollstühle und Kinderwagen weitgehend erschlossen — eine bemerkenswerte Leistung in einem Kirchengebäude aus dem 13. Jahrhundert. Behinderten-WCs sind vorhanden, einzelne historische Nischen-Bereiche bleiben jedoch nicht vollständig zugänglich. Vorab telefonische Rücksprache wird bei größeren Mobilitätseinschränkungen empfohlen.

Wie komme ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Museum?

Die nächstgelegenen Stationen sind Karlsplatz/Stachus und Marienplatz, jeweils mit U- und S-Bahn-Anschluss. Vom Karlsplatz sind es zu Fuß nur etwa 200 Meter durch die Fußgängerzone. Vom Hauptbahnhof München fährt jede S-Bahn (S1 bis S8) in einer Station zum Stachus. Vom Flughafen MUC mit S1 oder S8 etwa 45 Minuten.

Was ist die Wolfs-Rückkehr-Debatte, die das Museum thematisiert?

Nachdem der Wolf jahrhundertelang in Mitteleuropa ausgestorben war, kehrt er seit den 2000er Jahren in einzelnen Rudeln nach Deutschland und Bayern zurück. Das löst kontroverse Debatten um Almwirtschaft, Schäferei und Wildbestand aus. Das Museum zeigt sowohl historische Wolfsdarstellungen als auch aktuelle Materialien zur Debatte und nimmt damit eine bemerkenswert ausgewogene Haltung ein.

Wie lange sollte ich für den Besuch einplanen?

Für einen vollständigen Rundgang inklusive Aquaristik und Audio-Guide sollten Sie 1,5 bis 2,5 Stunden einplanen. Wer alle Sonderausstellungen und die historischen Waffen im Detail anschauen möchte, kommt auch auf drei Stunden. In Kombination mit einem Altstadt-Spaziergang vom Stachus zum Marienplatz ergibt sich ein perfekter Halbtages-Ausflug für etwa fünf Stunden.
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