Die bulgarische Küche zählt zu den ältesten und vielschichtigsten Esskulturen Südosteuropas. Auf rund 111.000 Quadratkilometern zwischen Donau, Schwarzem Meer, Rhodopen und Pirin treffen thrakische Wurzeln, byzantinische Klosterküche, fünf Jahrhunderte osmanische Einflüsse und slawische Bauerntraditionen aufeinander. Schafskäse Sirene aus den Hochweiden, Joghurt mit dem berühmten Lactobacillus bulgaricus, kalte Tarator-Suppe an heißen Sommertagen, gegrillte Kebapche und Kjufte aus den Mehana-Tavernen, langsam geschmorte Kavarma aus dem Tongefäß und der dichte rote Mavrud aus Asenowgrad ergeben einen unverwechselbaren Geschmackskosmos. Wer zehn bis vierzehn Tage mitbringt, kombiniert den Schenski Pasar in Sofia mit Mehana-Abenden in Plowdiw, eine Weinverkostung im Melnik-Gebirge, eine Rosenölernte bei Kasanlăk und einen Bauernhofbesuch in den Rhodopen. Diese Reise ist kein Restaurant-Hopping, sondern ein Eintauchen in eine Esskultur, die handwerklich, saisonal und tief in der Landschaft verwurzelt geblieben ist.
Anreise und Erreichbarkeit
Eine kulinarische Reise durch Bulgarien startet meistens in Sofia, weil sich von dort die Schlüsselregionen sternförmig erschließen - das Rosental von Kasanlăk im Herzen des Landes, die Weinregion um Plowdiw und Asenowgrad mit dem Mavrud, das Melnik-Gebirge im Süden mit der Schiroka Melnischka Losa, die Rhodopen mit ihren Schafskäse-Höfen und die Schwarzmeerküste rund um Warna und Burgas. Für einen ersten Überblick zu Regionen, Festen und Erzeugern hilft die offizielle Domain bulgariatravel.org mit Hintergrund zu Weingebieten, Klosterküchen und Rosen-Erntefesten.
Mit dem Auto
Aus Mitteleuropa führt die Landanreise über Ungarn, Rumänien oder Serbien an die Grenzübergänge Vidin und Russe an der Donau. Aus Süden gibt es Anschlüsse über Griechenland und die Türkei. An den EU-Außengrenzen sind 30 bis 120 Minuten realistisch, die grüne Versicherungskarte mit BG-Vermerk und die Vignette für die Hauptachsen gehören in die Mappe. Die Autobahnen A1 Trakija zwischen Sofia und Burgas sowie A2 Hemus Richtung Warna sind gut ausgebaut, Bergstrecken in die Rhodopen und ins Melnik-Gebirge erfordern Zeit und ein wendiges Fahrzeug.
Mit der Bahn und dem ÖPNV
Das bulgarische Bahnnetz erschließt die Hauptachse Sofia über Plowdiw nach Burgas sowie die Strecken nach Warna und ins Donau-Tal. Fahrzeiten sind langsamer als der Bus, dafür landschaftlich oft beeindruckend, etwa die Strecke über die Iskar-Schlucht. Fernbusse verbinden alle größeren Städte und kosten 10 bis 30 Lewa, gezahlt wird am Schalter in Lewa oder Euro. Für gezielte Weinkellerei- und Hofbesuche in Melnik, Asenowgrad oder Rhodopen-Dörfern reicht der ÖPNV oft nicht aus.
Mit dem Flugzeug
Direktflüge nach Sofia gibt es ab Wien, München, Frankfurt, Berlin, Zürich und Düsseldorf, die Flugzeit beträgt rund zweieinhalb Stunden. Alternative Einstiegsflughäfen sind Plowdiw für die Weinregion in Zentralbulgarien, Warna für die nördliche Küste und das Donau-Tal sowie Burgas für die südliche Schwarzmeerküste und das Strandscha-Gebirge. Wer schwerpunktmäßig Mavrud und Melnik verkosten möchte, kann auch ab Thessaloniki anreisen und mit dem Mietwagen über den Grenzübergang Kulata nach Bulgarien einreisen.
Vor Ort bewegen und Parken
In der Altstadt Sofias und in Plowdiws Altstadt lohnt das Auto kaum, die wichtigen Adressen sind zu Fuß, per Metro oder Tram gut zu erreichen. Für Weingüter im Melnik-Gebirge, Schafskäsehöfe in den Rhodopen und das Rosental rund um Kasanlăk ist ein Mietwagen oder eine organisierte Tour klar von Vorteil. In den Altstädten von Plowdiw, Weliko Tărnowo und Sosopol herrscht Kopfsteinpflaster, festes Schuhwerk ist Pflicht. Parkplätze gibt es am Altstadtrand, oft bewacht für 2 bis 5 Lewa pro Tag.
Die siebzehn Geschmacksstationen Bulgariens
Die folgenden siebzehn Stationen ergeben gemeinsam ein realistisches Bild der bulgarischen Küche jenseits der üblichen Touristen-Klassiker. Sie reichen vom morgendlichen Banitza-Filo-Teig über Salate, Suppen, Schmortöpfe und Käse bis zu Wein, Rakija und den großen Markt- und Mehana-Szenen in Sofia und Plowdiw.
Schopska-Salat - das Nationalgericht in Salatform
Der Schopska-Salat gilt als kulinarisches Wahrzeichen Bulgariens und wurde in den 1950er Jahren als touristisches Bild der nationalen Küche entwickelt. In groben Würfeln kommen Tomaten, Gurken, gegrillte oder rohe Paprika, rote Zwiebeln und Petersilie in eine flache Schale, darüber wird großzügig geriebener oder geraspelter Sirene-Schafskäse gestreut, dazu ein Schuss Sonnenblumenöl und ein Hauch Rotweinessig. Die Farben Rot, Weiß und Grün spiegeln die bulgarische Flagge. In jeder Mehana steht Schopska auf der Karte, eine Portion kostet 6 bis 12 Lewa und wird traditionell als Vorspeise zu einem Glas kühlem Rakija serviert.
Banitza - der Filo-Teig zum Frühstück
Banitza ist das wichtigste bulgarische Frühstück und in jeder Bäckerei und an jedem Bahnhof zu finden. Hauchdünner Filo-Teig wird mit einer Mischung aus Sirene, Eiern und Joghurt bestrichen, geschichtet oder spiralförmig in eine runde Form gelegt und im Ofen goldbraun gebacken. Süße Varianten enthalten Kürbis, Walnüsse und Zimt, deftige Versionen kommen mit Spinat, Lauch oder Hackfleisch. Zum Neujahrsfest wird in jede Banitza ein Glücksbringer aus Papier eingebacken, der dem Finder Reichtum, Liebe oder Gesundheit verspricht. Ein großes Stück kostet 1,50 bis 4 Lewa, dazu passt ein Glas Ajran.
Tarator - die kalte Joghurtsuppe
Tarator ist die wichtigste bulgarische Sommersuppe, eine kalte Joghurtsuppe aus dickem Naturjoghurt, fein gewürfelten Gurken, Knoblauch, gehacktem Dill, Walnüssen und einem Schuss Sonnenblumenöl. Die Suppe wird gut gekühlt in tiefen Schalen serviert, oft mit Eiswürfeln und einer extra Portion Dill obenauf. An Sommertagen mit über 35 Grad in Sofia oder Plowdiw ist Tarator als Vorspeise oder leichtes Hauptgericht ideal, dazu trinkt man Wasser oder Ajran. Eine Portion kostet 4 bis 8 Lewa und kann in fast jeder Mehana auch außerhalb des Sommers bestellt werden.
Sarmi - die bulgarischen Krautrouladen
Sarmi sind die bulgarischen Krautrouladen, klassisch aus eingelegtem Sauerkraut, gefüllt mit Rinder- oder Schweinehack, Reis, Zwiebeln, Paprikapulver und gehacktem Dill. Im Frühling werden auch frische Weinblätter verwendet, was den feineren Loswezi-Sarmi-Stil ergibt. Die Rouladen werden in einer hohen Tonform mit etwas Brühe und Tomatensaft langsam zwei bis drei Stunden geschmort, bis sich alle Aromen verbinden. Klassisch werden sie zu Festen wie Weihnachten und Ostern zubereitet, in guten Mehanas aber das ganze Jahr serviert. Eine Portion mit drei Rouladen und einem Klecks Joghurt kostet 7 bis 12 Lewa.
Kavarma - der Schmortopf aus dem Tongefäß
Kavarma ist der berühmteste Schmortopf der bulgarischen Küche und wird in einer kleinen einzelnen Tonform namens Gjuwetsch zubereitet. In den Tontopf kommen Schweine- oder Hühnerfleisch, Zwiebeln, Paprika, Tomaten, Champignons, Knoblauch und ein Schuss Weißwein, oben wird oft ein Spiegelei aufgeschlagen, das im Ofen stockt. Der Topf gart eine bis zwei Stunden bei niedriger Hitze ohne Umrühren, damit die Schichten ihre Struktur behalten. Serviert wird Kavarma direkt aus dem Tongefäß am Tisch, eine Portion kostet 10 bis 16 Lewa und ist ein vollwertiges Hauptgericht.
Kebapche und Kjufte - die Grillklassiker der Mehana
Kebapche und Kjufte sind die wichtigsten Grillgerichte der bulgarischen Mehana-Küche und dürfen auf keiner Tavernen-Karte fehlen. Kebapche sind fingerlange, leicht gewürzte Hackfleischröllchen aus Schwein und Rind, gegrillt auf Holzkohle, mit einem feinen Kümmel-Aroma. Kjufte sind flache runde Fleischbällchen mit Zwiebel, Knoblauch und Schwarzkümmel, ebenfalls vom Rost. Serviert werden beide klassisch mit Pommes frites, Lyutenitsa, einem Stück Sirene und einem kalten Bier oder Weißwein. Eine gemischte Grillplatte mit drei Kebapche und zwei Kjufte kostet 10 bis 18 Lewa.
Lyutenitsa - die Paprika-Tomaten-Paste
Lyutenitsa ist die wichtigste bulgarische Würzpaste und das Geheimrezept jeder Großmutter im Spätsommer. Geröstete rote Paprika, Tomaten, Auberginen und Karotten werden geschält, mit Knoblauch und Sonnenblumenöl langsam zu einer dicken Paste eingekocht und in Gläser eingeweckt. Lyutenitsa wird zu Brot, Käse, Eiern oder Grillfleisch gegessen und ist auf jedem bulgarischen Frühstückstisch zu finden. Die Variante ljutenitsa pikantna mit scharfer Paprika ist besonders beliebt in Plowdiw und Stara Sagora. Auf Märkten kosten 400-Gramm-Gläser hausgemachter Qualität 8 bis 14 Lewa.
Sirene - der bulgarische Schafskäse
Sirene ist der wichtigste bulgarische Käse, hergestellt aus Schafmilch in Salzlake gereift, weiß, bröselig und leicht säuerlich. Die geschmacklich beste Qualität kommt aus den Hochweiden der Rhodopen, des Strandscha-Gebirges und des Balkangebirges, wo die Schafe noch traditionell auf Almen weiden. Sirene ist Hauptbestandteil von Schopska-Salat, Banitza und vielen Mehana-Klassikern wie Schopski Wurst oder Sirene po Schopski - ein im Tontopf überbackener Schafskäse mit Ei, Paprika und Tomate. Auf Märkten kosten 200 bis 300 Gramm zwischen 4 und 9 Lewa.
Kaschkawal - der gelbe Hartkäse
Kaschkawal ist der zweitwichtigste bulgarische Käse, ein gelber halbharter bis harter Käse aus Schaf-, Kuh- oder gemischter Milch, mild bis kräftig im Geschmack. Die Herstellung ähnelt italienischem Provolone, der Käseteig wird vor dem Pressen in heißem Wasser geknetet, was die typische elastische Textur ergibt. Kaschkawal aus dem Balkangebirge und aus den Rhodopen gilt als die beste Qualität. Er wird gerne gerieben in Banitza, paniert als Pane Kaschkawal frittiert oder in Würfeln zum Wein serviert. Auf Märkten kosten 300 Gramm 6 bis 12 Lewa.
Joghurt und Lactobacillus bulgaricus
Bulgarien gilt weltweit als Heimat des modernen Joghurts. Der Mikrobiologe Stamen Grigorov beschrieb 1905 erstmals das Bakterium Lactobacillus bulgaricus, das gemeinsam mit Streptococcus thermophilus die typische dicke Konsistenz und den leicht säuerlichen Geschmack des bulgarischen Joghurts erzeugt. In ländlichen Haushalten wird Joghurt noch heute täglich aus eigener Schaf- oder Kuhmilch hergestellt und in Tonschalen vergoren. Aus Joghurt entsteht Ajran als Erfrischungsgetränk und Tarator als Sommersuppe. Auf Märkten kostet ein halber Liter hausgemachter Joghurt 3 bis 6 Lewa.
Rakija - der bulgarische Tresterbrand
Rakija ist der allgegenwärtige bulgarische Tresterbrand, gebrannt aus Pflaumen, Trauben, Aprikosen, Quitten oder Birnen. Die bekannteste Variante ist Slivova aus Pflaumen, daneben gibt es Grosdowa aus Trauben und Kajsiewa aus Aprikosen. In Familien-Brennereien rund um Trojan, Kasanlăk und Plowdiw entstehen hauseigene Sorten in beachtlicher Qualität, oft mit 40 bis 50 Volumenprozent Alkohol. Rakija wird traditionell als Aperitif vor dem Essen aus kleinen Gläsern getrunken, immer in Begleitung von Schopska-Salat oder Brot mit Lyutenitsa. Eine 0,5-Liter-Flasche kostet ab Brennerei 12 bis 25 Lewa.
Mavrud - der dichte Rotwein aus Asenowgrad
Mavrud ist die wichtigste autochthone bulgarische Rotweinsorte und wächst fast ausschließlich in der Region rund um Asenowgrad und Plowdiw in den Vorhügeln der Rhodopen. Der Wein ist tief dunkelrot, tanninreich und alterungsfähig, mit Aromen von schwarzen Beeren, Tabak, Leder und Pflaume. Mavrud passt hervorragend zu Lamm, Schmortöpfen wie Kavarma und gereiftem Kaschkawal. Die Weingüter rund um Asenowgrad bieten Verkostungen ab 25 Lewa pro Person inklusive Käse- und Brotbegleitung. Eine Flasche guter Jahrgangs-Mavrud kostet 18 bis 50 Lewa direkt beim Weingut.
Melnik und Schiroka Melnischka Losa
Im äußersten Südwesten Bulgariens liegt Melnik, die kleinste Stadt des Landes und das Zentrum der gleichnamigen Weinregion. Die autochthone Sorte Schiroka Melnischka Losa, übersetzt Breitblättrige Rebe von Melnik, ergibt einen mittelkräftigen, würzigen Rotwein mit Noten von getrockneten Kräutern, Tabak und reifen Kirschen. Wegen der klimatischen Sonderlage zwischen Pirin- und Belasiza-Gebirge gilt das Mikroklima als einzigartig. In Melnik selbst gibt es traditionelle Felsenkeller, in denen der Wein in Eichenfässern reift. Eine Verkostungstour mit drei Weingütern kostet 35 bis 70 Lewa pro Person.
Rosental Kasanlăk und Rosenöl
Das Rosental zwischen Stara Planina und Sredna Gora rund um Kasanlăk und Karlowo ist die wichtigste Anbauregion für die Damaszener Rose und produziert etwa siebzig Prozent des weltweiten Rosenöls. Die Ernte beginnt Ende Mai und dauert rund vier Wochen, gepflückt wird ausschließlich vor Sonnenaufgang, weil die Blüten dann die meisten Aromaöle enthalten. Aus dreitausend Kilogramm Blüten entsteht ein einziges Kilogramm reines Rosenöl. Zum Erntefest im Juni werden Rosenmarmelade, Rosenwasser-Lokum und Rosenlikör verkostet. Eine Tour mit Feldbesuch, Destillerie und Verkostung kostet 30 bis 60 Lewa pro Person.
Mehana - die traditionelle bulgarische Taverne
Die Mehana ist die traditionelle bulgarische Taverne und gleichzeitig das wichtigste kulinarische Erlebnis einer Reise. Typisch sind rustikale Holzeinrichtung, Tonkrüge an der Wand, getrocknete Paprika und Knoblauchzöpfe von der Decke, dazu Live-Volksmusik mit Gadulka, Kawal und Tambura. Auf der Karte stehen Schopska-Salat, Kebapche, Kjufte, Kavarma, Sarmi und ein Schalen-Salat, dazu Hauswein vom Fass und hausgemachte Rakija. In Plowdiws Altstadt, in Weliko Tărnowo und in den Rhodopen-Dörfern Schiroka Lăka und Smoljan gibt es besonders authentische Mehanas. Ein Abend mit Vorspeise, Hauptgericht, zwei Gläsern Wein und Rakija kostet 35 bis 70 Lewa pro Person.
Markt Schenski Pasar in Sofia
Der Markt Schenski Pasar an der Stefan-Stambolow-Straße in Sofia ist seit 1878 in Betrieb und einer der ältesten Märkte der Hauptstadt. Auf einer langen offenen Straße verkaufen Bauern täglich frisches Obst, Gemüse, Honig, Walnüsse, Trockenfrüchte, eingelegte Paprika, Sirene, Kaschkawal und hausgemachte Lyutenitsa. Die Atmosphäre ist authentisch und lebhaft, viele Stände werden noch in dritter Generation geführt. Im Sommer bekommt man hier die besten Tomaten, Paprika und Aprikosen, im Herbst Kürbisse, Quitten und Trauben. Für einen ausführlichen Marktbesuch mit Verkostung sollten zwei bis drei Stunden eingeplant werden.
Klosterküche und Fastentradition
Die bulgarische Orthodoxie hat eine eigene Klosterküche entwickelt, die in Klöstern wie Rila, Batschkowo, Trojan und Rotschen bis heute lebendig ist. Während der vier großen Fastenzeiten sind Fleisch, Milchprodukte und Eier verboten, gegessen werden Bohnensuppe Bob Tschorba, gegrillte Süßwasserfische, Salate mit Walnüssen, Brot mit Lyutenitsa und vegane Banitza-Varianten mit Spinat oder Kürbis. Im Klosterhof Rila gibt es ein einfaches Refektorium für Pilger und Besucher mit hausgemachtem Brot und Honig der Klosterimkerei. Eine Klostermahlzeit kostet 8 bis 18 Lewa und ist eine spannende Abwechslung zur Mehana.
Die sechs Genuss-Aktivitäten im Überblick
Kochkurs Banitza und Sarmi
In Sofia und Plowdiw bieten mehrere Familien Kochkurse in der eigenen Küche an. In drei bis vier Stunden entstehen Banitza mit Sirene, Sarmi aus Weinblättern und ein Schopska-Salat. Preis pro Person 70 bis 130 Lewa inklusive Zutaten, Hauswein und gemeinsamem Essen am Ende, oft in einem begrünten Innenhof mit Live-Musik.
Marktrundgang Schenski Pasar
Der Schenski Pasar in Sofia ist täglich geöffnet und bietet Schafskäse, Honig, Walnüsse, Gewürze, Trockenfrüchte und frisches Saisongemüse. Geführte Touren mit Verkostung dauern 2 bis 3 Stunden und kosten 40 bis 80 Lewa pro Person inklusive kleiner Brotzeit mit Lyutenitsa und einer Tasse Mokka oder Sahlep.
Weinverkostung in Asenowgrad oder Melnik
In den Weingütern rund um Asenowgrad und im Melnik-Gebirge bieten Familienkellereien Verkostungen mit drei bis sechs Weinen inklusive Mavrud, Rubin und Schiroka Melnischka Losa. Eine Tour mit Kellerführung, sechs Weinen und einer Käse-Brot-Begleitung kostet 35 bis 90 Lewa pro Person und dauert zwei bis drei Stunden.
Mehana-Abend in Plowdiws Altstadt
Ein langer Abend in einer traditionellen Mehana in der Altstadt von Plowdiw verbindet Schopska-Salat, Kebapche, Kjufte, Kavarma und Banitza mit Live-Volksmusik. Drei bis vier Stunden Genuss kosten 50 bis 90 Lewa pro Person inklusive Hauswein und Rakija als Aperitif und Digestif, oft begleitet von traditionellen Tänzen Choro.
Rosenölernte bei Kasanlăk
Im Rosental rund um Kasanlăk öffnen Ende Mai und Anfang Juni mehrere Destillerien für Besucher. Eine Tour mit Feldbesuch zur frühmorgendlichen Ernte, Destillerie-Besichtigung und Verkostung von Rosenmarmelade, Rosenlikör und Lokum dauert rund vier Stunden und kostet 60 bis 120 Lewa pro Person, inklusive Frühstück mit Banitza.
Schafskäsehof in den Rhodopen
In den Rhodopen rund um Schiroka Lăka, Mogilitsa und Smoljan öffnen mehrere Schäferfamilien ihre Höfe für Besucher. Ein Hofbesuch mit Käseverkostung von Sirene und Kaschkawal, einer Stärkung mit Brot, Honig und Walnüssen sowie einer Wanderung über die Almen dauert rund drei Stunden und kostet 40 bis 80 Lewa pro Person.
Bulgarische Weinregionen im Vergleich
Die fünf Hauptregionen bauen auf sehr unterschiedlichem Boden und Klima an, was sich klar im Charakter der Weine zeigt. Mavrud aus Asenowgrad und Schiroka Melnischka Losa aus Melnik sind die wichtigsten autochthonen Sorten und gelten als beste Botschafter der bulgarischen Weinkultur.
Praktische Tipps für die Genussreise durch Bulgarien
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Budget realistisch ansetzen
Eine kulinarische Reise durch Bulgarien ist deutlich günstiger als in Italien oder Frankreich. Mit 90 bis 160 Lewa pro Person und Tag sind Frühstück, ein Marktbesuch oder eine Verkostung sowie zwei warme Mahlzeiten inklusive Wein realistisch abgedeckt. Wer in einfacheren Pensionen schläft und auf Banitza und Mehana-Klassiker setzt, kommt mit 60 bis 100 Lewa pro Tag aus.
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Saisonalität ernst nehmen
Bulgarien ist eine extrem saisonale Küchenlandschaft. Tomaten, Paprika und Auberginen schmecken zwischen Juli und Oktober am besten, Aprikosen aus dem Tundscha-Tal sind Ende Juni perfekt, Lamm besonders im Frühjahr zu Ostern. Mavrud-Verkostungen sind im Oktober nach der Lese am stimmigsten, Rosenölernte ausschließlich Ende Mai und Anfang Juni.
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Reservierung in beliebten Mehanas
Viele der besten Adressen in Plowdiws Altstadt und in den Rhodopen-Dörfern sind kleine Familienbetriebe mit 30 bis 60 Plätzen. An Wochenenden und im Hochsommer empfiehlt sich eine telefonische Reservierung am Vormittag des Reisetags. Die meisten Gastgeber sprechen Englisch, in den Bergdörfern oft auch Deutsch durch Gastarbeiterbiografien.
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Mietwagen mit Vollkasko absichern
Wer Weingüter in Asenowgrad und Melnik, Schafskäsehöfe in den Rhodopen und Rosendestillerien rund um Kasanlăk besuchen möchte, ist auf einen Mietwagen angewiesen. Tagespreise liegen bei 50 bis 110 Lewa für einen Kompaktwagen, Vollkasko ohne Selbstbeteiligung kostet meist 20 bis 35 Lewa Aufpreis pro Tag. Vignette für die Autobahnen nicht vergessen.
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Maximal zwei Hauptaktivitäten pro Tag
Eine Genussreise mit Markt am Vormittag, langer Mittagspause, Weinkellerei am Nachmittag und Mehana-Abend mit Live-Musik ist anspruchsvoll. Mehr als zwei kulinarische Hauptpunkte pro Tag überfordern den Magen schnell. Wer das Tempo drosselt, behält Aufmerksamkeit für Details bei Käse, Mavrud und Rakija.
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Barrierefreiheit eingeschränkt
Der Schenski Pasar in Sofia ist ebenerdig und gut zugänglich, viele Weingüter und Bauernhöfe haben jedoch Treppen, Felsenkeller-Stufen oder Hofzugänge ohne Rampe. Die Altstädte von Plowdiw, Weliko Tărnowo und Melnik mit Kopfsteinpflaster sind für Rollstuhl und Rollator herausfordernd. Vorab Kontakt mit Gastgebern aufnehmen klärt die Lage zuverlässig.
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Hitze in der Trakischen Tiefebene
Im Juli und August klettert das Thermometer in Plowdiw, Stara Sagora und der Trakischen Tiefebene regelmäßig auf mehr als 38 Grad. Marktbesuche möglichst am frühen Vormittag, Mehana-Abende und Hofbesuche im Hochsommer eher am späten Nachmittag planen. Hut, Trinkflasche und Sonnenmilch gehören neben dem Notizbuch in die Tagestasche.
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Plan B für Regentage
Bei Schlechtwetter sind Kochkurse, Käseverkostungen in Innenräumen und Klosterbesuche gute Alternativen. Der Markt Schenski Pasar in Sofia bietet auch bei Regen einen kompletten Vormittag. Rosenfeld- und Rhodopen-Hoftermine am besten verschiebbar buchen.
Insider-Tipps
Übernachten auf Bauernhöfen und in Mehana-Pensionen
In den Rhodopen, in den Vorhügeln des Balkangebirges und rund um die Weinregion Asenowgrad gibt es mehrere kleine Bauernhöfe und Bergpensionen mit angeschlossener Hofküche. Reisende übernachten für 70 bis 160 Lewa inklusive Frühstück und können Verkostungen, Hofführungen und Abendessen direkt vor Ort buchen. In Plowdiws Altstadt und in Weliko Tărnowo öffnen einzelne Familien Gästezimmer in traditionellen Wiedergeburtshäusern mit eigenem Innenhof. Wer länger bleibt, bekommt oft auch Einblicke in das Backen von Banitza am Morgen und das Aufbrühen des Mokkas auf der heißen Sandplatte.
Folklore-Abend mit Choro-Tanz in Plowdiw
In Plowdiws Altstadt ist die Tradition des Mehana-Abends mit Live-Volksmusik besonders lebendig. Auf Gadulka, Kawal und Tambura wird zu Choro-Tänzen gespielt, bei denen sich die Gäste an den Händen halten und im Kreis durch das Restaurant ziehen. Eingeleitet wird der Abend mit einem Glas Rakija und einem Schopska-Salat, der Höhepunkt ist meist ein Kavarma direkt aus dem Tongefäß.




